Die UBS untersagt neu allen Kunden, Steuern zu hinterziehen. Das geht aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) hervor, die seit Anfang Jahr in Kraft sind. Der neue Absatz über die «Einhaltung von Gesetzen» besagt, dass alle Kunden dafür verantwortlich seien, die auf sie anwendbaren Gesetze zu respektieren. Und die Bank präzisiert: «Dies beinhaltet unter anderem auch die Verpflichtung zur Steuerdeklaration und Zahlung.»

Auf Anfrage des «Sonntags» bestätigt Pressesprecher Samuel Brandner, dass das «genau so gemeint» sei. Und er bestätigt, dass die Klausel für alle Kunden gelte und nicht nur für solche mit Wohnsitz im Ausland. Jeder dritte «vermögende» Schweizer ist laut UBS Kunde der Grossbank. Für sie alle hat die UBS nun die Steuerehrlichkeit zur Vertragsbedingung gemacht. Wer Schwarzgeld deponiert, verstösst künftig gegen die AGB.

Auch andere Banken nehmen die Schweizer Kundschaft ins Visier, etwa die Aargauische Kantonalbank (AKB). Verdächtige Kunden lässt die AKB eine Erklärung unterschreiben, wonach die deponierten Gelder versteuert seien. Auf die Frage, ob das auch für Schweizer gelte, sagt Pressesprecherin Ursula Diebold: «Ja, das gilt grundsätzlich für alle.»

Die Basler Kantonalbank geht ab Februar ähnlich vor. Man werde künftig alle Kunden gleich behandeln, teilt sie auf Anfrage mit. Dazu gehöre, dass Neukunden eine Deklaration unterzeichnen müssen und Bestandeskunden auf Verdacht hin überprüft würden. Die Bank dürfte damit – nach dem Abgang ihres langjährigen CEO im Herbst – einem Wunsch der Basler Regierung nachgekommen sein. Diese sprach sich im vergangenen Sommer offiziell sogar für eine automatische Offenlegung der Bankdaten gegenüber dem Steueramt aus.

Die Banken nehmen damit vorweg, was aus Sicht vieler sowieso irgendwann kommen wird. So sagte Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz vergangenes Jahr im «Sonntag», das Bankgeheimnis zum Schutz der Steuerhinterziehung werde langfristig «nicht zu halten» sein. Und Christian Wanner, Präsident der Finanzdirektorenkonferenz, hielt mehrmals fest, dass die Kantone mit ausländischen Steuerbehörden gleichgesetzt werden wollten. Der Bundesrat kündigte denn auch eine Reform des Steuerstrafrechts an, womit den Kantonen auch bei Verdacht auf Steuerhinterziehung der Zugriff auf Bankdaten ermöglicht würde.

Wie viel Geld die Schweizer vor dem Staat verstecken, weiss niemand. Es dürfte sich aber um Milliarden handeln. Laut Statistik der Nationalbank lagen 2011 in den Depots der Schweizer Banken Wertschriften im Wert von 479 Milliarden Franken, die Privatpersonen aus der Schweiz gehörten. Ausländische Privatkunden hielten 597 Milliarden. Darin noch nicht enthalten sind Sparkonti.

Die drei erwähnten Banken gehen nun deutlich weiter als ihre Konkurrenten. Zwar findet sich kaum mehr eine Bank, die sich gegen die inzwischen zum Regierungsprogramm erhobene «Weissgeldstrategie» ausspricht. Doch nicht alle setzen den Wunsch nach Ehrlichkeit auch gleich ambitioniert um.

Viele Banken verlangen von ausländischen Kunden inzwischen eine Bestätigung, dass die bei der Bank deponierten Gelder versteuert sind. So auch die Zürcher Kantonalbank. Allerdings gelte diese Vorschrift nicht für Inländer, betont diese. Eine Einführung für Schweizer sei derzeit nicht geplant. Auch die Postfinance kennt eine solche Deklaration. Der Gedanke, sie auch auf Inländer anzuwenden, sei «schon umgegangen», sagt ein Sprecher. Noch gelte das aber nur für Kundschaft mit Wohnsitz im Ausland.

Eine sanfte Form des Drucks kennt die Basler Privatbank La Roche, wie Teilhaber Christoph Gloor erklärt. Neuen Kunden schickt sie mindestens einmal pro Jahr einen Kontoauszug an die Wohnadresse im Ausland. Damit riskieren diese, dass ihr Staat mitbekommt, dass sie ein Schweizer Bankkonto besitzen. Normalerweise holen Offshore-Kunden die Post selber auf der Bank ab.

Andere Banken scheuen sich aber vor allzu expliziten Vereinbarungen. Credit-Suisse-Sprecher Marc Dosch sagt, die Bank nehme keine Vermögenswerte entgegen, wenn sie wisse, dass diese unversteuert seien. «Je nach Fall» spreche man die Kunden auch aktiv an. Formulare oder entsprechende AGB-Vorschriften gebe es jedoch nicht. Ähnlich lauten Aussagen von Pictet und Raiffeisen.

Bei der Zuger Kantonalbank zeigt sich, was passieren kann, wenn man die Kunden zum Geständnis drängt. Als eine der ersten Banken hat sie vergangenes Jahr eine Erklärung für Kunden mit Wohnort im Ausland eingeführt. Etwa die Hälfte der angesprochenen Kunden habe sich darauf von der Bank getrennt, sagt CEO Pascal Niquille, und betont, dass es darunter auch viele Kunden mit deklarierten Konten gehabt habe. Gemessen an den Vermögen war der Abfluss etwas kleiner: «Wir verloren vielleicht etwa einen Drittel», sagt Niquille. Dabei sei die Zuger Kantonalbank alles andere als eine typische Offshore-Bank. Gemäss vor einem Jahr veröffentlichten Zahlen hatten damals 3,6 Prozent der Kunden ihren Wohnsitz im Ausland.»

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