Die Stimmung im Saal war angespannt. Am Donnerstagmorgen lud Gategroup-Präsident Andreas Schmid zur Generalversammlung ins Radisson-Blu-Hotel am Flughafen Zürich. Schmid musste sich nicht nur gegen den Hedgefund-Manager Rudolf Bohli behaupten, der ihn aus dem Amt drängen wollte. Er musste den bevorstehenden Verkauf des Airline-Caterers rechtfertigen. Am Montag hatte Gategroup bekannt gegeben, dass die chinesische HNA-Gruppe die Firma kaufen möchte und der Verwaltungsrat das Angebot unterstützt. Geboten werden 53 Franken pro Aktie.

Bohli ist das viel zu tief. «80 bis 130 Franken wären absolut möglich», sagt Bohli, der den Hedgefund RBR Capital Advisors vertritt – und zusammen mit dem Hedgefund-Partner Cologny Advisors 11 Prozent der Gategroup-Aktien hält. «Wir dürfen nicht zulassen, dass ein marktführendes Unternehmen verhökert wird. Es braucht einen Weissen Ritter.» Bohli nennt als Interessenten andere Catering-Riesen wie die Compass-Group oder Sodexo, aber auch die arabischen Airlines. «Es ist unverständlich, weshalb der Verwaltungsrat nach dem Angebot von HNA nicht aktiv weitere Offerten eingeholt hat.»

Die angebotenen 53 Franken stehen im Widerspruch zur Strategie «Gateway 2020», die Schmid erst letzten September verabschiedet hatte. Erst im März hatte er sich nochmals zu «Gateway 2020» bekannt. Damit soll bis 2020 die Marge um jährlich ¼ bis ½ Prozentpunkte gesteigert werden und der Umsatz um 3 bis 5 Prozent. «Geht man davon aus, dass diese Ziele erreicht werden», sagt Remo Rosenau, Chefanalyst der Neuen Helvetischen Bank, «dann berechnen wir einen fairen Wert von 70 bis 75 Franken pro Aktie.»

Gegenüber dem Angebotspreis, den Schmid zur Annahme empfohlen hat, ist das ein Aufpreis von über 30 Prozent. «Da kann man sich schon fragen, ob der Verwaltungsrat daran glaubt, die selber vorgegebenen Ziele erreichen zu können.» Für Bohli ist der Fall klar: «Der Verwaltungsrat sollte auf die eigene Strategie vertrauen und schauen, wie gross die Ergebnisverbesserung ausfällt.»

Andreas Schmid stützt sich bei den 53 Franken auf die «Fairness Opinion» eines unabhängigen Finanzberaters, der das Angebot als «fair und adäquat» eingestuft habe. Eine Sprecherin ergänzt: «Zu spekulieren, welcher Preis der richtige sein könnte, wenn die Ziele aus der Strategie 2020 erreicht würden, kommt bei einer seriösen Beurteilung eines Übernahmeangebots für einen verantwortungsbewussten Verwaltungsrat nicht infrage.» Die Ziele würden über einige Jahre angestrebt. «Die Umsetzung ist daher immer mit gewissen Risiken verbunden.» Im März hatte Gategroup noch verkündet: «Verwaltungsrat, Management und das ganze Gategroup-Team sind auf dem richtigen Weg zur Umsetzung von Gateway 2020.» So schnell wird Bohli nicht lockerlassen. «Selbstverständlich geben wir ebenfalls eine Fairness Opinion in Auftrag.» Würden über 100 Millionen eingespart, so Bohli, führe dies zu einer Ebitda-Marge von 8 bis 10 Prozent. Dazu würden nur schon die Sparpläne des eigenen Managements ausreichen. «Damit wären 100 Franken pro Aktie realistisch.» Er sehe ein grosses Sparpotenzial – «angefangen beim überbezahlten Management». Bohli wird versuchen, weitere Hedgefunds davon zu überzeugen, ihre Aktien nicht anzudienen. Hat er Erfolg, wäre es eine Niederlage für Schmid, der auch die Flughafen Zürich AG und den Zigarren-Multi Davidoff präsidiert.

In Investorenkreisen geniesse Bohli mit seiner Analyse der Schwachstellen bei Gategroup an sich grossen Rückhalt, so ein Insider. Inzwischen habe er mit der Online-Aufschaltung eines Briefverkehrs zwischen ihm und Schmid viel guten Willen verspielt. Das Leib-und-Magen-Blatt der Finanzgemeinde, die «Financial Times», empfiehlt den Aktionären ebenfalls, einen höheren Preis zu fordern.

Im Gespräch sagt Andreas Schmid, man würde als verantwortungsbewusster Verwaltungsrat weitere Angebote prüfen, sollten denn solche vor Ablauf der Frist eintreffen. «Aber dafür haben wir keine Anzeichen.»

An der GV am Donnerstag gewann Schmid den Machtkampf gegen Bohli. Düpiert wurde er dennoch: 39 Prozent der Aktionäre sagten Nein zum Vergütungsbericht 2015. Die Abstimmung für den zukünftigen Vergütungsbericht strich Schmid am Abend zuvor von der Traktandenliste, wohl weil er nicht durchgekommen wäre. Ein peinlicher Schritt? «Nein, das ist überhaupt nicht peinlich», sagt Schmid. «Das zeigt, dass wir die Aktionäre ernst nehmen.» Ein überarbeiteter Vorschlag wird den Aktionären an einer ausserordentlichen GV präsentiert.

Und noch einmal wird er düpiert: Schmid erhielt nur 68 Prozent Stimmen zu seiner Wiederwahl – das schlechteste Resultat des ganzen VR und in Schmids Gategroup-Karriere, wie er einräumt. «Das war zu erwarten. Ich stand monatelang im Schussfeld der Aktivisten.»

Man müsse sich daran gewöhnen, «dass wir nicht immer 99 Prozent Ja-Stimmen erhalten.» 99 Prozent Ja-Stimmen gab es am Donnerstag dennoch – für den Holländer Gerard van Kesteren. Noch vor wenigen Wochen wollte Schmid ihn aus dem VR haben, unter dem Druck der Aktionäre empfahl er ihn zur Wiederwahl. Van Kesteren erhielt das beste Resultat und Applaus vom Publikum. Bei Schmid und den anderen VR-Mitgliedern blieb es still.

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