Die SBB warten auf neues Rollmaterial. Für knapp 2 Milliarden Franken bestellten die Bundesbahnen im Jahr 2010 beim kanadischen Bahnbauer Bombardier 59 Fernverkehrszüge. Es ist die grösste Beschaffung in der Geschichte der SBB. Bis heute fährt allerdings keiner der Doppelstockzüge. Und die Hoffnungen, dass der erste Zug auf den Fahrplanwechsel Ende Jahr in den fahrplanmässigen Einsatz geht, zerschlagen sich nun. SBB-Sprecher Christian Ginsig bestätigt entsprechende Informationen der «Schweiz am Sonntag». Wann die Züge rollen, weiss nach wie vor niemand genau.

Ursprünglich sollten die Züge per Ende 2013 in den Betrieb gehen. Dann stellte sich aber heraus, dass Bombardier den Wagenkasten falsch konzipiert hatte. Er genügte den Ansprüchen des Gotthard-Basistunnels nicht. Als Kompensation liefert Bombardier nun drei zusätzliche Züge gratis. Ausserdem verzettelten sich die SBB in einen Rechtsstreit mit Behindertenorganisationen, die mehr Plätze forderten. Das Bundesgericht gab den SBB zwar recht. Dennoch sorgte die Episode für mehrere Monate Verspätung. Im Jahr 2012 wurde deshalb ein neuer Termin genannt: Ende 2015 sollte es so weit sein.

Auch dieser Termin war nicht zu halten. Im November 2014 einigten sich die SBB und Bombardier auf einen Lieferplan. Aus diesem zitierten damals verschiedene Branchenportale und Medien. Demnach sollte der erste Zug auf den Fahrplanwechsel Ende dieses Jahres in Betrieb gehen. Von diesem Termin berichteten auch die «NZZ» oder der «Blick», nachdem sie im Dezember 2014 von Bombardier zur Präsentation eines neuen Zuges in Berlin eingeladen worden waren.

SBB: Medien berichteten falsch
Dass dieser Termin nicht zu halten ist, sei keiner Verzögerung geschuldet, heisst es nun bei den SBB. Die SBB selbst sprächen seit zwei Jahren von einer Inbetriebnahme im Jahr 2017, sagt Sprecher Ginsig. Andere Aussagen in den Medien stammten nicht von den SBB.

Allerdings machten die SBB durchaus Hoffnung auf eine Inbetriebnahme Ende 2016. In der Medienmitteilung zum neuen Lieferplan hiess es Ende 2014, die Züge kämen «rund ein weiteres Jahr später als geplant» – gegenüber der damals geplanten Inbetriebnahme Ende 2015. Insgesamt drei Jahre Verspätung hätten die Züge nun – gegenüber der anfänglichen Zielsetzung von Ende 2013 – und würden «ab 2017» eingesetzt. Bombardier teilt mit, man spreche von einer «Lieferung für das SBB-Fahrplanjahr 2017». Das beginnt im Dezember 2016.

Wann die Züge nun fahren, wollen die SBB nicht sagen. Aus Insiderkreisen verlautet, dass auch eine Inbetriebnahme Anfang 2017 nicht mehr zur Disposition steht. Zudem wird spekuliert, dass die neue Wako-Technologie, die schnelleres Fahren in den Kurven ermöglichen soll, nach wie vor Kopfschmerzen bereite. «Nach unserem Kenntnisstand gibt es mit Wako keine Probleme», sagt SBB-Sprecher Ginsig. Die ersten Züge würden «im Verlauf des Jahres 2017» eingesetzt. Voraussetzung sei allerdings, dass die Produktion, die Tests und die Übernahme erfolgreich verliefen. «Der Terminplan ist nach wie vor ambitioniert», sagt Ginsig. Die weiteren Schritte im Hinblick auf die Übernahme der ersten fertiggestellten Züge seien «unverändert anspruchsvoll».

23 der bestellten Züge kommen als Intercity-Version, die restlichen Züge als kürzere Züge ohne Speisewagen für Interregio-Einsätze. Diese sollen zuerst ausgeliefert werden. Gebaut werden die Züge in Villeneuve VD und im deutschen Görlitz.

Auch ein weiteres Ziel, das mit den neuen Zügen verknüpft war, dürfte nicht erreicht werden. Ursprünglich wollten die SBB mit der neuen Technologie und Ausbauten die Fahrzeit zwischen Lausanne und Bern auf unter 60 Minuten drücken, um dort einen sogenannten «Vollknoten» realisieren zu können. Im Referenzkonzept des Bundes für das Jahr 2025, das eine funktionierende Wako-Technik voraussetzt, ist mittlerweile allerdings die Rede von 61 Minuten.

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