Es kommt Bewegung in den Kreditkartenmarkt. Oder den Markt für Zahlungen, wie man eher sagen müsste, denn je länger, je mehr geht es nicht mehr um Plastikkarten, sondern um Zahlungen über elektronische Geräte wie Mobiltelefone oder Uhren.

Neu dabei ist Gerätehersteller Samsung. Ende September lancierte er sein «Samsung Pay» in den USA, das Handys in Portemonnaies verwandelt. Einen Monat zuvor hatte es in Südkorea Premiere, dem Heimmarkt von Samsung. Jetzt laufen Vorbereitungen für den Markteintritt in der Schweiz. In der Branche hört man, die grossen Firmen hätten ihre «Scouts» losgeschickt, um Partner zu finden. Samsung bestätigt nun auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag» erstmals entsprechende Aktivitäten. «Wir sind diesbezüglich zurzeit in ersten Gesprächen mit möglichen Partnern», sagt Gordon Müller, Presseverantwortlicher für die Schweiz. Ein Startdatum gebe es aber noch nicht.

Die Schweiz ist zwar kein grosser Markt, für Handyzahlungen ist sie dennoch interessant. Erstens hat sie verglichen mit anderen Ländern eine hohe Abdeckung an Smartphones, die den Funkstandard NFC unterstützen. Er wird für die meisten Handyzahlungen verwendet. Zweitens sind die Läden schon zu einem grossen Teil für NFC-Funk ausgerüstet. Auch die meisten Kreditkarten werden mittlerweile mit Funk-Chips ausgestellt, die für kleine Beträge schnelle Zahlungen ohne Code-Eingabe ermöglichen.

Samsung hat in seinen neusten Handys eine Technologie verbaut, mit der die Handys die Magnetwellen einer altmodischen Magnetkarte imitieren können. So soll auch an alten Lesegeräten bezahlt werden können. Es sei allerdings unwahrscheinlich, dass diese «LoopPay»-Technologie auch in Europa angewendet werde, sagt Jürg Schneider vom Zahlungsabwickler SIX Group. Ob auch SIX mit Samsung Gespräche führt, sagt Schneider nicht. Man sei mit verschiedenen Akteuren in Kontakt.

Primär sind es die Kartenherausgeber, die sich mit Samsung einig werden müssen – Firmen also wie UBS, Viseca oder Cornèrcard. Sie müssen Samsung einen Teil ihrer Einnahmen abliefern, damit sie ihre Karten auf den Samsung-Handys aufschalten dürfen. Parallel zu Samsung dürften in der Schweiz auch erste Gespräche mit Apple und Google laufen. Auch sie haben Handy-Zahl-Apps lanciert; Apple vor einem Jahr in den USA und später in England («Apple Pay»), Google vor kurzem in den USA («Android Pay»). Während es Apple vorerst auf Besitzer von Produkten aus eigenem Haus abgesehen hat, stehen Samsung und Google insofern in direkter Konkurrenz, als dass auf praktisch allen Samsung-Handys das Google-Betriebssystem läuft.

unter Druck kommen all jene Firmen, die neben den grossen IT-Firmen bestehen wollen. In der Schweiz sind das vor allem die Banken-Allianz um «Paymit» und die Postfinance mit ihrem «Twint». Beides sind nationale Lösungen, welche das Bezahlen mit dem Handy im Blick haben. Daneben gibt es Nischen-Akteure wie die Migros Bank, einzelne Detailhändler oder eine Allianz der Schweizer Kreditkartenfirmen, von der man allerdings nicht mehr viel hört. Gänzlich gescheitert ist die Swisscom, welche mit «Tapit» ein eigenes Handy-Zahlsystem lancierte, es mangels Partnern und Erfolg am Markt mittlerweile aber begraben hat.

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