Steigen jetzt die Zinsen? Diese Frage stellen sich viele Eigenheimbesitzer – und sie sichern sich ab. Wer kann, schliesst Festhypotheken mit langen Laufzeiten ab, um noch lange vom heutigen Zinsniveau zu profitieren.

«50 Prozent aller neuen Hypotheken laufen über fünf Jahre oder mehr», sagt Andreas Waespi, Chef der Bank Coop. «Dieser Anteil hat sich in letzter Zeit deutlich erhöht.» Die Basler Bank hat im ersten Halbjahr den Hypothekarbestand um 2,4 Prozent ausgebaut. Auch Lorenz Heim vom Hypothekarzentrum beobachtet den Trend: «Viele Kunden sagen sich, ich rette das Niveau, das ich heute habe. Das sind teilweise emotionale Entscheide.» Der Anteil der auf zehn Jahre abgeschlossenen Hypotheken sei deutlich höher als noch vor ein paar Jahren.

Zahlen der Nationalbank bestätigen das. Ende April hatten 21 Prozent aller Hypotheken in der Schweiz eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren. Ein Jahr zuvor betrug dieser Anteil 17 Prozent und vor fünf Jahren lag er noch bei 13 Prozent. Am stärksten war die Verlagerung hin zu lange laufenden Hypotheken bei den Kantonalbanken (siehe Grafik). Ein Viertel der Hypotheken läuft bei ihnen noch länger als fünf Jahre.

In den vergangenen Monaten sind die Zinsen in der Schweiz deutlich angestiegen. Die zehnjährigen Obligationen der Eidgenossenschaft kletterten von 0,6 Prozent im Mai auf über 1 Prozent, und zehnjährige Festhypotheken kosten im günstigsten Fall noch gut 2 Prozent, nachdem diese Anfang Jahr noch für 1,5 Prozent zu haben waren. Betroffen vom Zinsanstieg seien vor allem lange laufende Hypotheken, berichtet der Vergleichsdienst Comparis.

Für die Banken ist die starke Nachfrage nach langen Laufzeiten ein Problem, denn mit den über viele Jahre abgeschlossenen Krediten steigen auch die Risiken in den Bilanzen. So hat die Bank Coop im ersten Halbjahr 2013 für 1,1 Millionen Franken zusätzlich Absicherungen abgeschlossen. «Für eine Bank ist es wichtig, das Zinsänderungsrisiko im Griff zu haben», sagt CEO Waespi. «Ohne Absicherung wäre es dramatisch, wenn sich die Zinsen plötzlich verdoppelten.»

Die Banken scheuen sich zunehmend, solche langen Zinsversprechen noch abzugeben. «Kleinere Raiffeisenbanken oder Regionalbanken vergeben keine zehnjährigen Hypotheken mehr», sagt Lorenz Heim. Andere böten sie zwar grundsätzlich noch an, offerierten sie aber nicht mehr offensiv. «Die ideale Laufzeit für eine Bank ist drei bis fünf Jahre», sagt Heim. Je länger die Hypotheken liefen, desto mehr Eigenmittel müsse die Bank reservieren. «Da sind inzwischen viele zurückhaltend geworden.»

Gleichzeitig haben die stark gestiegenen Preise für Häuser und Wohnungen dazu geführt, dass die Kreditanträge immer häufiger abgelehnt werden. «Wir stellen fest, dass die Qualität der Anträge zurückging», sagt Matthias Hunn, Marketingleiter der Migros-Bank. Sei es, weil Kunden zu wenig Einkommen hätten, um die Zinsen zu zahlen, oder weil die Belehnung zu hoch werde.

Vor allem bei der Belehnung seien die Banken strenger geworden, stellt Hypothekenzentrum-Leiter Heim fest. Es gebe grosse Banken, die sich bei der Bewertung zunehmend auf Experten-Schätzungen am unteren Rand des Spektrums stützten. Und dieser liege teilweise weit weg von den effektiv bezahlten Preisen.

Auch Bank-Coop-Chef Waespi bestätigt: «In den überhitzten Regionen wie Zürich oder Genf verwenden wir nicht mehr den Marktwert als Ausgangspunkt für die Belehnung, sondern den tieferen Wert des Beratungsunternehmens Wüest und Partner.» Die Folge davon ist: Der Kunde erhält weniger Kredit.

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