Die 8,3 Milliarden Dollar schwere Übernahme des US-Biotechnologieunternehmens Intermune durch den Basler Pharmakonzern Roche macht die Führung von Intermune reich. Das zeigt ein Dokument der US-Börsenaufsicht SEC, das den Kaufvertrag zwischen Roche und Intermune in allen Details erläutert.

Demnach wird Daniel Welch, der seit 2003 Verwaltungsratspräsident und Konzernchef ist, mit einem goldenen Fallschirm von insgesamt 36,7 Millionen Dollar verabschiedet. Die Abgangszahlung setzt sich zusammen aus Aktien im Wert von 27,6 Millionen, Steuerrückvergütungen im Wert von 6,4 Millionen, dem zweifachen Jahresgrundlohn im Wert von 1,4 Millionen, dem zweifachen Zielbonus im Wert von 1,1 Millionen sowie einigen Nebenleistungen und Sonderzulagen.

Auch den übrigen Konzernleitungsmitgliedern wird die Übernahme versüsst. Der operative Geschäftsführer Sean Nolan erhält eine Abgangsentschädigung von 16,5 Millionen Dollar. Bei Forschungschef Jonathan Leff sind es 16,3 Millionen, bei Chefjurist Andrew Powell 12,1 Millionen, bei Finanzchef John Hodgman 8,3 Millionen, bei Europachef Giacomo Di Nepi 7,8 Millionen und bei Personalchef Paul Arata 7,7 Millionen. Macht alles in allem 105 Millionen Dollar für die gesamte Konzernleitung. Im Kaufvertrag sichert ihr Roche die Weiterbeschäftigung bis mindestens Ende Jahr zu.

Aus dem Dokument der Börsenaufsicht geht hervor, dass Roche-Konzernchef Severin Schwan Intermune anfänglich 70 Dollar pro Aktie bot. Das entsprach zum Zeitpunkt des Angebots, dem 26. Juli, einem Aufpreis von 53,8 Prozent gegenüber dem Börsenschlusskurs. Am 13. August berichtete jedoch die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg von Schwans geheimen Gesprächen mit Welch. Über einen zweiten Agenturbericht sickerte durch, dass die Konkurrentinnen Sanofi, Glaxo Smith Kline und Actelion ebenfalls mit Intermune über eine Übernahme verhandelten. Zwei Tage später erhöhte Schwan unter diesem Druck sein Übernahmeangebot auf 74 Dollar pro Aktie. Damit waren die Mitbieter ausgeschaltet, Roche konnte den Vertrag besiegeln.

Die Erhöhung des Kaufpreises zahlt sich für die Intermune-Führungsleute aus. Denn nebst den Abgangsentschädigungen können sie beim Kontrollwechsel ihre Rechte an gesperrten und ungesperrten Aktien und Optionen geltend machen. Intermune-Lenker Daniel Welch allein erhält so nochmals 43,2 Millionen Dollar. Ohne Schwans Preisaufbesserung wäre es fast eine Million weniger gewesen. Insgesamt erhalten die Verwaltungsräte und Konzernleitungsmitglieder 162,9 Millionen Dollar in bar, falls sie ihre Rechte ausüben.

Gut verdient haben auch die Investmentbanken Goldman Sachs und Centerview, die beim Deal beratend zur Seite standen. Sie erhalten jeweils 35,5 Millionen Dollar – nicht schlecht für ein paar Wochen Arbeit.

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