Diese Tage finden landauf, landab Verwaltungsratssitzungen von Banken statt. Morgen müssen diese der Finanzmarktaufsicht Finma melden, ob sie sich gegenüber den USA als der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig bekennen. Das US-Programm verlangt, dass die Banken sich in eine von vier Kategorien einordnen. Bis Ende Jahr müssen sie über sich richten.

Bereits getan hat dies auch die Aargauische Kantonalbank. Sie sieht sich in der Kategorie 2 der Banken, die eine Busse zu befürchten haben, wie die «Schweiz am Sonntag» erfahren hat.

Das ist nicht alles. Einmal eingereiht, brauchen die Banken einen Experten, den «Independent Examiner», der dem US-Justizdepartment bestätigt, dass sie sich richtig klassifiziert haben. Einen solchen Zeugen zu finden, erweist sich jedoch je länger je mehr als schwierige Aufgabe. Vor allem für Banken, die nicht in die Kategorie 2 gehen wollen.

Jene, denen diese Rolle quasi natürlich zukommen würde, scheren komplett aus, wie Recherchen zeigen. Drei der vier grossen Revisionsgesellschaften PWC, EY, KPMG und Deloitte bestätigen selber auf Anfrage, die Rolle des Independent Examiners nicht wahrzunehmen. Das gilt insbesondere für Testate, die den Banken ein korrektes Verhalten attestieren. Für Banken also, die sich in der Kategorie 3 sehen. «Es ist unglaublich schwer, das zu bestätigen», sagt Bruno Gmür, Partner von PWC.

Bei den Banken ist der Ärger gross. «Die haben die Hosen voll», schimpft der Vertreter einer Regionalbank. «Die wollen sich die Finger nicht verbrennen.» In der Tat machen die grossen Revisionsgesellschaften keinen grossen Hehl um ihre mangelnde Begeisterung über das Geschäft als Independent Examiner. «Wir prüfen jedes Gesuch einer Bank», sagt Philippe Zimmermann, Partner von EY. «Aber wir suchen dieses Geschäft nicht.»

Die Revisionsgesellschaften fürchten sich vor dem Fall, dass sich ein Testat im Nachhinein als fehlerhaft herausstellt. Zudem sind die «Big Four» weltweit und alle auch in den USA tätig, was sie verwundbar macht für Durchgriffe der US-Behörden. «Wir habe kein Interesse, Risiken zu übernehmen, die wir nicht kennen», sagt Zimmermann.

Das grosse Problem ist: Banken, die nicht gebüsst werden wollen und sich somit in den Kategorien 3 und 4 sehen, brauchen eine Bestätigung dafür, dass sie sich nichts, aber auch gar nichts zuschulden kommen liessen. «Es liegt in der Aufgabe der Sache, dass das praktisch unmöglich ist», sagt Urs Schenker, der als Partner der Wirtschaftskanzlei Baker & McKenzie viele Banken berät.

Auch die Finma ist offenbar dieser Ansicht. Sie drängt die Revisionsgesellschaften dazu, keine Unbedenklichkeitszertifikate auszustellen. «Die Aufsichtsbehörde hat empfohlen, dass Prüfgesellschaften in diesen Fällen nicht als Independent Examiner auftreten», sagt Deloitte-Sprecherin Marisa Steiner. Der Vertreter einer anderen Gesellschaft sagt, die Warnung der Finma gelte explizit für Kategorie-3-Banken. Vor gut einer Woche hatte Finma-Direktor Patrick Raaflaub die Banken bereits in einem Gastartikel in der NZZ indirekt aufgefordert, sich in der verhängnisvollen Kategorie 2 zu positionieren.

Und so übernehmen die Big Four zwar gerne Aufträge für Abklärungen und Buchprüfungen und liefern Berichte, die als Grundlage für die Testate dienen. Die Unterschrift sollen aber Anwälte unter die Testate setzen. Amerikanische Anwälte. «Es gibt einen Trend, US-Kanzleien für diese Aufgabe zu beauftragen», sagt EY-Partner Zimmermann. Und Schenker, der selbst bei so einer Kanzlei arbeitet, bestätigt: «Man wird wohl gemischte Teams mit Schweizern und Amerikanern haben, die von einem Amerikaner angeführt werden.»

All das führt dazu, dass sich die meisten Banken in die Gruppe 2 einreihen dürften und sich damit als schuldig bekennen werden. «Nur etwa 5 Prozent der Banken gehen wohl in die Kategorien 3 oder 4», sagt Wirtschaftsjurist Schenker. Das Ziel der USA ist somit schon erreicht, bevor sie die erste Busse ausgesprochen hat: Eine komplette Branche macht den Bückling.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper