Klammheimlich erhöht die Schweizerische Post im kommenden Jahr ihre Preise für Firmenkunden. Sie müssen teilweise deutlich mehr zahlen, wenn sie einen Brief oder ein Paket aufgeben. Die Post hielt es nicht für nötig, die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Die Tarifrunde wird nur in einer kurzen Notiz in der Personalzeitung angekündigt.

Er sei «erstaunt» gewesen, als er von der Post kürzlich über die Aufschläge informiert worden sei, sagt Preisüberwacher Stefan Meierhans. «Wir prüfen das jetzt.» Dies, weil er sich erst im Januar mit Post-Chefin Susanne Ruoff auf einen Marschhalt bei den Posttarifen einigte. Konkret vereinbarten sie, dass die Preise für den Versand von A- und B-Post-Briefen sowie von Inlandpaketen bis im März 2016 nicht erhöht werden. Meierhans untersucht nun, ob die Post diese einvernehmliche Lösung verletzt. Er hat eine Vorüberprüfung gestartet.

Wegen des Verdachts, dass die Post bei den adressierten Briefsendungen für Geschäftskunden marktbeherrschend ist und diese Stellung missbraucht, hat vor gut einem Jahr bereits die Wettbewerbskommission eine Untersuchung eröffnet. Geklärt werden soll vor allem, ob die Post gewisse Kunden diskriminiert und durch die Ausgestaltung und Anwendung des Preissystems Konkurrenten im Markt behindert.

Ab nächstem Jahr wird für die Geschäftskunden beispielsweise der Versand von Standardbriefen mit dem aufgedruckten Frankierstempel PP teurer. Der Aufschlag beträgt 67 Prozent, weil die Post die bisher abgestuften Preise durch einen Einheitspreis ersetzt. Die selteneren Midi- und Grossbriefe werden demgegenüber um 37 Prozent günstiger. Unter dem Strich trifft die Massnahme die Firmenkunden empfindlich, denn die PP-Frankierung ist eine von ihnen oft genutzte Versandart für Massensendungen.

Um 3,3 bis 24 Prozent teurer wird auch die Streuung von unadressierten Werbebriefen. Zudem erhöht die Post den Mindestbetrag pro Auftrag und verrechnet neu eine Vergütung für die Aufgabe in Brief- oder Logistikzentren. Ebenfalls einen Preisaufschlag gibt es beim Versand von gebündelten Dokumenten bis zu 2 Kilogramm Gesamtgewicht. Schwerere Dokumentenbündel werden dagegen günstiger, weil die Post einen Einheitspreis einführt.

Eine Preiserhöhung bedeutet auch die Abschaffung des internationalen Economy-Einschreibebriefs. Neu steht den Firmen für Auslandsendungen nur noch der teurere Priority-Einschreibe-brief zur Verfügung. Durchwegs teurer werden zudem die vorfrankierten Geschäftsantwortsendungen und das Angebot Swiss Post GLS, die «Business Class» für Auslandsendungen, die nebst dem Versand auch die Abwicklung der Verzollung internationaler Warensendungen beinhaltet. Eine Senkung der Preise gibt es einzig in einem Bereich, in dem die Post unter starkem internationalem Konkurrenzdruck steht: beim Versand von Paketen ins Ausland.

Gar nicht amüsiert über die Preiserhöhungen ist der Schweizerische Gewerbeverband. «Wir sind dagegen, weil das eine zusätzliche Belastung für die Gewerbetreibenden bedeutet», sagt Dieter Kläy, Ressortleiter Wirtschaftsrecht. Die höheren Preise seien nötig, sagt demgegenüber Post-Sprecher Bernhard Bürki. «Das Ziel dieser Anpassungen ist eine verbesserte Kostendeckung von heute defizitären Dienstleistungen.»

Ab 2016 will die Post auch das Versenden von A- und B-Post-Briefen für Privatkunden teurer machen. Das sagte Konzernchefin Susanne Ruoff gestern in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. Das Geschäft sei defizitär, begründete sie und sagte wörtlich: «Ich sage Ihnen: Es muss etwas gehen.»

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