VON YVES DEMUTH

Wer an einem Schweizer Kiosk ein deutsches Magazin oder eine deutsche Zeitung kauft, zahlt zwischen 33 und 105 Prozent mehr als in Deutschland. So rechnet der deutsche Axel-Springer-Verlag für seine Zeitung «Die Welt» mit einem Wechselkurs von sage und schreibe Fr. 2.67 statt Fr. 1.30 pro Euro. Beim Titel «Bild» rechnet der gleiche Verlag mit Fr. 1.40.

Als Gründe führt Axel Springer die «jeweiligen Marktbesonderheiten sowie die Vereinbarungen mit den Grossisten» an. Mit anderen Worten: Der Verlag schiebt die Schuld an den hohen Preisen einfach der Schweizer Kioskkette Valora zu. Eine Erklärung für die unterschiedlichen Wechselkurse von «Bild» und «Welt» gibt es jedoch nicht. Ähnlich argumentiert auch der Spiegel-Verlag, der unter anderem «relativ hohe Rabatte an Zwischenhandelsstufen» ins Feld führt. Bei Gruner+Jahr, der unter anderem «Stern» und «Gala» herausgibt, heisst es schlicht: «Auf Kursschwankungen reagieren wir grundsätzlich nicht.»

Valora lässt die Anschuldigungen jedoch nicht auf sich sitzen: Die Verkaufspreise bestimmten alleine die Verlage, sagt ein Sprecher. «Wir können höchstens in beratender Funktion auf die Preispolitik der deutschen Verlage hinwirken.» Genau dies will Preisüberwacher Stefan Meierhans nun ausnutzen und erreichen, dass Valora Druck auf die deutschen Verlage ausübt. «Wir führen mit Valora Gespräche über eine wechselkursbedingte Anpassung der Preise von Zeitschriften und Zeitungen», bestätigt er.

Ob Kleider, Autos oder Bücher; die Preisdifferenzen zum Ausland haben sich mit der Frankenaufwertung vergrössert, da viele marktmächtige Importeure ihre Währungsgewinne nicht weitergeben. Während etwa im Detailhandel der Preiskampf die Margen schmelzen lässt und sich die Preisunterschiede zum Ausland verkleinern, wurden bei den Kleider- oder Buchpreisen die Unterschiede grösser. Die Wettbewerbskommission sowie Preisüberwacher Meierhans bezeichnen ihre Eingriffsmöglichkeiten in diesem Bereich aber als «begrenzt».

Beim Diogenes-Buchverlag ist man sich des Problems bewusst und hat als Reaktion auf die zu grossen Unterschiede die Preise im Ausland leicht angehoben. Charles Vögele rechtfertigt die höheren Kleiderpreise unter anderem mit den höheren Löhnen und Mieten sowie dem «länderspezifischen Wettbewerb in der Verkaufspreisbildung». Wie jedes Unternehmen orientiert sich Vögele an den Preisen der inländischen Konkurrenz und senkt diese ohne Grund nicht.

Laut Meierhans könnten deshalb einzig die Konsumenten mit ihrem Kaufverhalten die Weitergabe von Währungsgewinnen erwirken. Beispielsweise hätten diverse Autoimporteure auf den Druck der Konsumenten reagiert und gewährten nun einen Eurobonus auf den Schweizer Listenpreis. «Der Anstieg der privaten Parallelimporte aus dem Ausland, aber auch der öffentliche Druck haben teilweise zu einem Umdenken geführt und die Autopreise sinken lassen», sagt der Preisüberwacher.

Dies bestätigt eine Aussage von Bernhard Soltermann, der beim Autoimporteur Amag für die Importe zuständig ist. So sagt er in einem diese Woche publizierten KPMG-Bericht, die ungünstigen Wechselkurse hätten die Zahl privater Parallelimporte steigen lassen und zu einem «erheblichen Druck auf die Margen» geführt. Ein Amag-Sprecher ergänzt, dass die notwendigen Spezialangebote bei VW und Audi sowie die Kundenpreisverhandlungen die Marge geschmälert hätten.

Für Stefan Meierhans ist deshalb klar: «Die Konsumenten können dem Wettbewerb nachhelfen, wenn sie bei massiv überhöhten Preisen gegenüber dem Ausland das Thema ansprechen und notfalls sogar im Ausland einkaufen.» Dadurch werde überhöhten Margen marktmächtiger Unternehmen entgegengewirkt.

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