Das grösste Busunternehmen tüftelt an der Ticket-Revolution. Im Wallis testet die Postauto AG seit kurzem ein System, welches das automatische Ein- und Auschecken der Fahrgäste und die anschliessende Verrechnung der Fahrt zum günstigsten Tarif ermöglichen soll.

Das Projekt nennt sich «Check in, Be Out» und wurde im Rahmen der Forschungsplattform «Mobility Lab» lanciert. An ihr sind neben Postauto, der ETH Lausanne und der Fachhochschule Westschweiz auch der Kanton Wallis und die Stadt Sion beteiligt. Das Vorhaben nutzt die WLAN-Technologie. In den letzten Jahren wurden alle Postauto-Busse mit drahtlosem Internet ausgerüstet. Eigentlich war das kostenlose Internet als Dienstleistung gedacht. «Was zu Beginn nicht in Betracht gezogen wurde, ist, dass WLAN auch Möglichkeiten für weitere Anwendungen bietet», sagt Mobility-Lab-Koordinator Philippe Cina. So verfüge Postauto damit über einen Sensor, der die Fahrgäste registrieren könne.

CiBo funktioniert so: Beim Einsteigen in den Bus verbindet sich das Smartphone des Kunden mit dem WLAN des Fahrzeugs. Steigt der Passagier aus, wird die Verbindung automatisch getrennt. Die zurückgelegte Strecke wird gespeichert, und im Nachhinein wird eine Rechnung gestellt. Das Kaufen eines Billetts entfällt. Zurzeit werden mögliche Linien ausgewählt und Fragen etwa im Bereich der Datensammlung geklärt. Ab Herbst soll eine Pilotphase mit ausgewählten Nutzern auf dem Stadtnetz in Sion beginnen. Im Idealfall, sagt Cina, steht das System in Sion schon im Frühling 2016 allen Kunden zur Verfügung.

Postauto ist nicht der einzige öV-Betrieb, der das Ticketwesen vereinfachen will. Auch die Südostbahn will an der Revolution teilhaben. Zusammen mit dem Industriekonzern Siemens hat sie einen ihrer Züge mit Sensoren ausgerüstet und ein «BiBo» genanntes System entwickelt («Be in, Be out»). Dieses System geht einen Schritt weiter: BiBo-Nutzer müssen noch nicht einmal das WLAN ihres Smartphones einschalten. Stattdessen wird das Smartphone oder eine entsprechende Karte automatisch beim Ein- und Aussteigen erkannt. BiBo basiert auf dem Funk-Standard RFID.

Demnächst werden Vertreter der SOB ihr System dem Bundesamt für Verkehr (BAV) vorstellen. Beim Vorliegen eines konkreten Projektantrages wird der Bund über eine finanzielle Beteiligung an einem Pilotprojekt entscheiden, wie BAV-Sprecher Jürg Walpen sagt. «Das BiBo-System wäre aus unserer Sicht ein logischer weiterer Schritt», sagt er.

Ebenfalls auf dem RFID-Standard basiert der «SwissPass». Er wird nächste Woche offiziell vorgestellt. Das Projekt des Verbands öffentlicher Verkehr, dem alle öV-Betriebe des Landes angeschlossen sind, besteht aus einer roten Karte mit einem Chip. Sie kommt ab dem 1. August zum Einsatz und ersetzt die Halbtax- und GA-Abos. Diese werden neu nicht mehr als eigene Karten ausgegeben, sondern elektronisch auf die Karte geladen. Eine automatische Fahrgast-Registrierung gibt es mit dem SwissPass allerdings nicht – im Gegenteil. Reicht heute ein kurzer Blick auf das entsprechende Abo, müssen die Kontrolleure in Zukunft jeden einzelnen SwissPass mit einem dafür ausgerüsteten Smartphone scannen, was zusätzliche Zeit kostet. Entsprechend verhalten ist die Begeisterung des Zugpersonals.

Immerhin können mit Swisspass weitere Angebote wie Mobility oder Skigebiets-Tickets auf die Karte geladen werden. In einem zweiten Schritt sollen weitere Verbund-Abos und Tickets folgen.

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