Zurzeit betreibt die Post noch 1929 eigene Filialen, das sind fast 400 weniger als vor drei Jahren. Nun will der gelbe Riese sein Poststellennetz weiter verkleinern. Gegenüber dem «Sonntag» bestätigt Konzernchef Jürg Bucher: «An den 3600 Zugangspunkten wird nicht gerüttelt, aber die Form kann sich verändern.»
Unter «Zugangspunkten» versteht die Post alle Vertriebsformen: die herkömmlichen Poststellen, den Hausservice oder die Agentur im Dorfladen. Mit anderen Worten: Zahlreiche weitere Poststellen werden geschlossen und durch eine Agentur ersetzt.

«Unser Filialnetz ist nicht in Stein gemeisselt», sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler. «Es wird laufend angepasst. Wir wollen dort sein, wo die Kunden uns effektiv benutzen.» Wie viele Poststellen insgesamt geschlossen werden, sagt Flüeler nicht. «Wie die Zugangspunkte künftig aussehen, hängt von den Umsatzzahlen ab», sagt Flüeler. Er betont aber, es werde keine Poststelle geschlossen, die gut benutzt wird.

Die neusten Schliessungspläne sorgen bei den Arbeitnehmervertretern für Verärgerung. «1900 bis 2000 Filialen, welche die Post selber betreibt, sind die unterste Limite, die wir akzeptieren können», sagt Fritz Gurtner, Branchenleiter der Post-Gewerkschaft Syndicom.

Er wehrt sich zwar nicht gegen die Schliessung einzelner Poststellen, die sich betriebswirtschaftlich nicht rechnen. Aber grundsätzlich müsse die Post ihre Pläne zurücknehmen. «Jetzt ist Ende Feuer. Die zunehmende Schliesserei ist ein Ärgernis. Man kann nicht laufend Poststellen streichen.»

Einen Riegel schieben werde die Post-Initiative der Gewerkschaften, hofft Gurtner. Diese wurde im September eingereicht und fordert ein flächendeckendes Poststellennetz. Sie will damit die Tendenz brechen, dass sich die Post im Dorfladen immer mehr durchsetzt.

Insgeheim hat die Post bereits in den letzten zwei Jahren mehr Poststellen geschlossen, als sie im April 2009 ankündigte. Damals stellte sie unter dem Druck der Öffentlichkeit eine Liste mit 421 Mini-Filialen ins Internet, deren Zukunft sie überprüfen wollte, weil sie für einen rentablen Betrieb zu klein und nicht mit dem Computersystem der Post vernetzt sind. Mit der Veröffentlichung der Liste kam das bundeseigene Unternehmen den Kritikern entgegen, die es wegen des scheibchenweisen Abbaus seines Filialnetzes unter Beschuss nahmen.

Die Recherchen zeigen jedoch: Seit April 2009 hat die Post 19 zusätzliche Poststellen in eine Agentur umgewandelt. Sie tauchen nicht in der Liste auf. Damit brach die Konzernleitung ihr Versprechen, diese laufend zu aktualisieren. Der «Sonntag» kennt die Namen der geschlossenen Poststellen. Betroffen sind vorwiegend kleine Orte wie Hermetschwil-Staffeln AG, Oberwangen BE oder Hochwald SO. Aber auch die Stadtzürcher Filiale Heuried wurde geopfert.

«Es ist tatsächlich so, dass neue Poststellen hinzugekommen sind», bestätigt Post-Sprecher Oliver Flüeler die Ausweitung des Abbaus. «Wir nehmen uns wie Migros oder Coop die Freiheit heraus, das Poststellennetz anzupassen, wenn eine Filiale Schwierigkeiten hat und nicht mehr besucht wird.»

Aktuell ist in 33 Fällen die Umwandlung der Poststelle in eine Agentur oder einen Hausservice beschlossene Sache, und bei mindestens 117 weiteren Poststellen prüft das die Post in diesem und im nächsten Jahr.

Als Hauptgrund für die Schliessung einer Postfiliale nennt Flüeler einen grossen Umsatzverlust, beispielsweise, wenn ein grosser Firmenkunde wegfällt. Aber auch die Pensionierung eines Posthalters oder die Kündigung des Mietvertrags könne das Aus bedeuten.

Bereits hat die Post jedoch unter der strategischen Führung ihres Verwaltungsratspräsidenten Peter Hasler weitere Filialen auf die Abschussliste genommen, ohne es schweizweit öffentlich zu machen. Die Informationen müssen in den Lokalzeitungen zusammengesucht werden. Betroffen sind die Poststellen von Lindau ZH, Horgen-Waldegg ZH, Dallenwil NW, Rüttenen SO, Allschwil BL und Basel-St.Johann. Welche weiteren Filialen betroffen sind, hält die Post unter Verschluss.

Klar ist damit: Längst sind nicht mehr nur ländliche Mini-Filialen bedroht. Die Post verschont nun auch grosse Gemeinden nicht. Allschwil etwa ist mit 19440 Einwohnern die bevölkerungsreichste Gemeinde des Kantons Baselland und erhält eine Agentur statt der Postfiliale am Dorfplatz. Der Zürcher Bezirkshauptort Horgen hat ähnlich viele Einwohner und verliert in diesem Jahr zwei von drei Poststellen. Betroffen sind auch die Grossstädte Basel und Genf.

Bei der Post-Gewerkschaft Syndicom herrscht Unverständnis. «Es ist eine Sauerei, dass Poststellen geschlossen werden, die von der Post nie genannt wurden», sagt Fritz Gurtner. «Man lässt die Schweizer Bevölkerung im Ungewissen.» Bei der Post kann man diese Kritik nicht verstehen. «Eine nationale Kommunikation braucht es nicht», findet Post-Sprecher Oliver Flüeler. Es reiche aus, dass die Post ihre Schliessungspläne mit den betroffenen Gemeinden bespreche.

Seit Ende 2007 hat sich die Zahl der Postagenturen mehr als verdoppelt, auf nunmehr 374. Fast ein Drittel betreibt der Detailhändler Volg. Gleichzeitig ist die Zahl der herkömmlichen Poststellen deutlich gesunken, auf momentan 1929.

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