Für die Pensionskassen war 2012 ein gutes Jahr. Die höchste Rendite unter den grossen Arbeitgebern erzielte mit stolzen 9,8 Prozent die Vorsorgeeinrichtung der Migros, wie eine Umfrage des «Sonntags» ergab (siehe Tabelle). Auf Rang zwei und drei folgen nicht etwa Banken und Versicherungen, sondern die Pensionskassen der Swisscom und des Kantons Bern. Der Grund für das gute Abschneiden: «Wir halten mit 38 Prozent einen relativ hohen Aktienanteil», sagt Hans-Peter Wiedmer, der stellvertretende Geschäftsleiter der Bernischen Pensionskasse. «Unsere Strategie hat sich 2012 ausbezahlt.» Der Pensionskassen-Verband Asip schätzt, dass die Kassen im vergangenen Jahr eine mittlere Rendite von 6,3 Prozent erzielt haben. Das heisst: Die eine Hälfte hat besser gearbeitet, die andere Hälfte schlechter.

Die guten Ergebnisse schlagen sich aber nur teilweise in höheren Sparzinsen nieder: Die Angestellten von ABB, SBB und UBS sowie der Kantone Solothurn und Zürich erhielten einen Zins von «nur» 1,5 Prozent, was dem vom Bund fürs Obligatorium in der beruflichen Vorsorge (BVG) vorgeschriebenen Mindestzins entspricht. Grund hierfür ist, dass etliche Pensionskassen keine Schwankungsreserven haben oder gar an Unterdeckung leiden. Deshalb werden auch 2013 viele Pensionskassen nur den vorgeschriebenen Minimalsatz von 1,5 Prozent vergüten.

ein neuer Trend zeichnet sich ab: Auch gut dotierte Kassen beschliessen erst nur das gesetzliche Minimum. «Die Zinsen werden zunehmend rückwirkend festgelegt beziehungsweise Ende Jahr noch angepasst», erklärt Christian Wicki, Leiter Strategieberatung Institutionelle Kunden bei der Credit Suisse (CS). Beispiele dafür sind die Kassen der CS und der Mobiliar, die im letzten Jahr die Zinsen nachträglich von 1,5 auf 2,5 respektive 3 Prozent angehoben haben.

Ähnlich handhaben es auch die Kassen der Post und des Bundes (Publica). «Der Zins für 2013 ist vorerst auf 1,5 Prozent festgelegt worden», sagt Publica-Direktor Dieter Stohler. «Es kann aber gut sein, dass das Ende Jahr noch angepasst wird.» Für Wicki ist das ein Weg, Unsicherheiten zu reduzieren. «Bisher sind es vor allem die grossen Kassen, die das bereits so handhaben. Aber das nimmt zu.»

Ende 2011 fehlten in den Schweizer Pensionskassen insgesamt 41,5 Milliarden Franken. 483 der gut 2800 Vorsorgeeinrichtungen wiesen damals eine Unterdeckung aus. Das sind 17 Prozent. Othmar Simeon, Leiter Pensionskassenberatung bei Swisscanto, geht davon aus, dass dieser Anteil dank der guten Performance auf etwa 10 Prozent gesunken ist. Genaue Zahlen zur Lage der Kassen sollen künftig schneller publiziert werden. «Wir werden per Ende Februar 2013 erstmals eine Früherhebung der wichtigsten Kennzahlen durchführen», sagt Manfred Hüsler, Direktor der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge. «Im zweiten Quartal 2013 liegen dann bereits Zahlen für 2012 vor.»

Bereits heute hält Hüsler aber fest: «Ein gutes Jahr alleine reicht nicht aus.» Die Situation für die Pensionskassen bleibe «wegen der weiterhin extrem tiefen Zinsen schwierig». Das zwingt die Pensionskassen zu fundamentalen Korrekturen, und dazu gehört auch die Senkung des technischen Zinssatzes, der ihren Berechnungen zugrunde liegt. Er richtet sich nach der langfristig erwarteten Rendite und hat damit einen Einfluss darauf, wie künftige Verpflichtungen der Kasse bewertet werden.

Senkt die Kasse diesen Zins, steigt die Bewertung der künftigen Leistungen an und die Reserven schrumpfen. Gerade Kassen in Unterdeckungen zieren sich daher meist vor diesem Schritt. Die Bernische Pensionskasse hat nun trotzdem gehandelt: Sie senkte den technischen Zins am 31. Dezember 2012 von 3,5 auf 2,5 Prozent. Als Folge sackte der Deckungsgrad von 91 auf 79 bis 80 Prozent ab, wie Wiedmer erklärt. «Zur Ausfinanzierung bei tieferer Ertragserwartung fehlen jetzt zusätzliche 1,5 Milliarden Franken.» Auch die Pensionskasse der Versicherungsgesellschaft Zu rich hat den technischen Zins 2012 von 3,5 auf 2,75 Prozent gesenkt. Das erklärt, weshalb der Deckungsgrad trotz einer Rendite von geschätzten 7,5 Prozent von 112 auf gut 110 Prozent gefallen ist. Im August wird die Kasse der Post den Zins von 3,5 auf 3 Prozent drücken, am 1. Januar 2014 die Vorsorgeeinrichtung des Kantons Aargau. Auch Basel-Stadt passt den Zins an. Die Details dazu dürften demnächst kommuniziert werden.

Vor allem die Kassen der Staatsangestellten haben noch einiges zu tun. Per Anfang 2014 müssen alle öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen gemäss BVG-Revision verselbstständigt werden. Zwei Wege sind vorgesehen: Die Kasse wird entweder vollständig oder nur teilweise ausfinanziert. Im zweiten Fall benötigt sie «nur» einen Zieldeckungsgrad von 80 Prozent und kann weiter von einer Staatsgarantie profitieren.

Viele Kantone und Gemeinden dürften die Teilkapitalisierung wählen. Denn eine volle Ausfinanzierung käme die öffentliche Hand und die Versicherten teuer zu stehen. Befinden sich doch 3 Viertel der landesweiten Unterdeckung – gut 31 Milliarden Franken – bei ihnen. Dieses Loch dürfte auch durch die gute Rendite 2012 nur leicht geschrumpft sein.

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