Plötzlich war da wieder diese Diskussion über Fusion und Zusammenarbeit zwischen Orange und Sunrise. Vor zwei Wochen bestätigten die beiden Mobilnetzbetreiber einen Test, der zeigen sollte, wie kompatibel die Netze sind.

Wie konkret die Überlegungen sind, sagen die Vertreter der Gesellschaften nicht. Dafür kündigt Orange-Chef Johan Andsjö einen weiteren deutlichen Ausbau des eigenen Netzes an. «Insgesamt wollen wir 2014 und 2015 mehr als 600 zusätzliche Antennen montieren und 3000 Upgrades von bestehenden Anlagen realisieren», sagt er. Im laufenden Jahr baue Orange vor allem entlang der Verkehrsachsen und in touristischen Gebieten aus, im kommenden Jahr eher in peripheren Wohnlagen, die heute noch nicht voll von den neuesten Technologien profitieren. So will Orange weiter zu Branchenprimus Swisscom aufholen.

Der Ausbau schlägt sich in den Zahlen nieder. Im ersten Quartal 2014 wies Orange Investitionen im Umfang von 30,5 Millionen Franken aus, was rund 50 Prozent mehr war als im Jahr zuvor. Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2013 hatten die Investitionen bereits um 20 Prozent zugenommen. Ingesamt investierte Orange 171 Millionen Franken in die Infrastruktur.

2014 seien rund 300 zusätzliche Sendeanlagen geplant, sagt Andsjö. Damit liege der Ausbau um 13 Prozent und das Abdeckungswachstum um 20 Prozent über den Werten des Vorjahrs. Auch die bestehenden Antennen werden aufgerüstet. «Bis Ende 2015 planen wir eine flächendeckende 4G-Versorgung», verspricht Andsjö. Derzeit ist der schnelle Datenfunkstandard LTE laut Orange in 84 Prozent der Schweiz verfügbar.

Anders als die Konkurrenz habe Orange an den heutigen Standorten wenig Kapazitätsprobleme und könne daher stärker auf eine flächenmässige Ausdehnung setzen, sagt Firmenchef Andsjö. «Damit schaffen wir die Grundlage, Swisscom beim 4G-Netzausbau auch weiterhin zu attackieren.» Marktführerin Swisscom setzt eher in den Ausbau der Kapazitäten an den einzelnen Standorten, da ihre Abdeckung bereits grösser ist, die einzelnen Antennen aber deutlich intensiver genutzt werden.

Die Swisscom verfügt bereits heute über eine 4G-Abdeckung von 91 Prozent. «Mittelfristig» strebe man die gleiche Abdeckung an wie bei 3G/UMTS, das heute bei 98 Prozent der bewohnten Gebiete der Schweiz liege, sagt Pressesprecher Olaf Schulze. Auch die Swisscom rüstet auf. «Wir bauen jährlich rund 300 neue Antennenstandorte, das wird auch dieses Jahr in etwa der Fall sein», sagt Schulze. Keine konkreten Angaben zum Netzausbau macht Sunrise. Die dritte Anbieterin hat letzten Angaben zufolge eine 4G-Abdeckung von 50 Prozent.

Technische Veränderungen am Netz gibt es derzeit bei allen drei Mobilfunkanbietern auch aufgrund neuer oder veränderter Funkfrequenzen. Im Februar 2012 ersteigerten sie für insgesamt eine Milliarde Franken zusätzliche Funklizenzen, die für den Ausbau des Netzes genutzt werden können. Zudem wurden bestehende Frequenzen neu vergeben, was zu einem Abtausch unter den drei Betreibern führte. Noch bis zum 16. August werden jeweils in der Nacht entsprechende Anpassungen am Netz vorgenommen. Es kann daher vereinzelt zu Empfangsausfällen kommen.

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