Online einkaufen ist praktisch. So praktisch, dass viele traditionelle Läden unter Druck geraten sind. Der spontane Einkauf im Netz hat jedoch einen Haken: Am Ende folgt meist ein mühsamer Prozess, um Versand- und Zahlungsdaten einzugeben. Kaum einer kennt seine Kreditkartennummer auswendig. Und auf dem Handy wird die Eingabe zur physischen Tortur. 80 Prozent der Käufe im Online- und Versandhandel werden denn auch noch immer auf Rechnung getätigt und nicht mit der Kreditkarte bezahlt.

Das wollen die Banken nun ändern. Die Schweizer Kartengesellschaften stehen kurz vor der Einführung einer neuen Methode, die das Auschecken deutlich vereinfachen soll: «Masterpass» vom Kreditkartenkonzern Mastercard.

Wie funktioniert Masterpass? Die Kunden speichern ihre Adressdaten in ihrem virtuellen Masterpass-Portemonnaie. Ferner definieren sie, welche Kredit- oder Kundenkarten dort hinterlegt sein sollen. Stossen sie später beim Einkauf im Netz auf das Masterpass-Logo, müssen sie sich nur noch mit Benutzernamen und Passwort oder über eine App anmelden. Alle weiteren Daten werden von der Bank automatisch übermittelt.
Masterpass ist bereits in verschiedenen Ländern eingeführt und funktioniert weltweit. Für Kunden und Händler entstünden keine zusätzlichen Kosten, verspricht Mastercard.

Die UBS als grösste Kartenherausgeberin bestätigt auf Anfrage, dass sie Masterpass auf Anfang 2016 einführen wird. Auch bei den Nummern 2 und 3 im Markt ist eine Ankündigung absehbar. Der «Tages-Anzeiger» verwies vor kurzem auf eine neu gegründete Gesellschaft, die den Kreditkartengesellschaften Swisscard (Credit Suisse/American Express) und Viseca (Kantonal- und Regionalbanken) gehört. Ihr Plan: Gemeinsam eine sogenannte «Wallet» zu betreiben.

Recherchen zeigen: Auch bei Viseca und Swisscard geht es um die Einführung von Masterpass. Das bestätigen Einträge auf Websites von Mastercard sowie Unterlagen der Softwarefirma Netcetera, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegen. Bei Swisscard dürfte das Ganze unter dem Namen «Swiss Wallet» laufen, Viseca nennt es «Viseca One». Auf Anfrage äussern sich die beiden Firmen nicht zu den Details des Dienstes.
Gemeinsam kontrollieren UBS, Viseca und Swisscard rund 80 Prozent des Schweizer Kreditkartenmarktes. Es fehlt als grössere Anbieterin nur Cornèrcard. Dort heisst es, es sei «noch zu früh», um etwas ankündigen zu können.

Dass die Banken eigene Schweizer Lösungen zugunsten eines weltweiten Standards aufgeben, hat strategische Gründe. Kommen sie nicht bald mit einer funktionierenden Lösung auf den Markt, verlieren sie die Kontrolle über dieses Geschäft an Firmen wie Apple, Google oder Samsung. Zwar gibt es weiterhin auch Banken, die eigene Ansätze verfolgen, wie die Postfinance oder die Migros-Bank (siehe Kasten). Dabei geht es aber nur ums Bezahlen. Wallets wie Masterpass verwalten deutlich mehr Daten.

In die Masterpass-Wallet passen übrigens auch Kreditkarten von Konkurrenten wie Visa. Seinem ärgsten Konkurrenten ist der amerikanische Konzern damit ein gutes Stück voraus. Ob Visa je wieder aufholen kann, ist unklar.

Vorerst wohl kein Thema ist dabei das Bezahlen mit dem Handy im Laden. Der Grund dafür heisst Apple. Die hat auf ihren Geräten die NFC-Funktechnologie gesperrt, die normal für Kreditkartenzahlungen genutzt wird. Apple will sie exklusiv für eigene Apps verwenden können. Solange unklar ist, wer wie auf die Geräte zugreifen kann, zögern die meisten Kartenherausgeber, selbst etwas zu entwickeln. Der Online-Handel ist derzeit so oder so spannender. Denn dort liegt noch viel Geschäft brach.

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