Andreas Meyer, der SBB-Chef, strahlte. Am Donnerstag weihte er feierlich den neuen Hauptsitz des Staatsbetriebs in Bern-Wankdorf ein. In schönstem Managerdeutsch sagte er: «Modern angeordnete Arbeitsplätze fördern die Zusammenarbeit und ermöglichen Synergien über Bereiche und Hierarchien.»

Einigen eingefleischten Bähnlern war aber nicht zum Feiern zumute. Langjährige SBB-Mitarbeiter können nicht verstehen, dass die Bahn den historischen, bestens gelegenen Hauptsitz an der Hochschulstrasse, direkt über dem Bahnhof Bern, verkauft hat. Zumal für das architektonisch bemerkenswerte Gebäude nur gerade 63 Millionen Franken gelöst werden können. Käufer ist der Kanton Bern.

Zwar sprachen die SBB-Verantwortlichen davon, dass das Unternehmen dank der neuen Gebäude ausserhalb des Stadtzentrums Kosten sparen werde, weil es nun «wirtschaftlicher, effizienter, produktiver und nachhaltiger unterwegs» sei. Denn man habe die bisherigen dezentralen Standorte zu einer Konzernzentrale für 1800 Mitarbeiter zusammengeführt.

Doch klar kalkulierbar sind im Moment vor allem die Mehrkosten. Offiziell investieren die SBB in den neuen Hauptsitz 190 Millionen Franken. Gute Quellen sagen, am Ende würden es über 200 Millionen Franken sein.

Interne Zahlen zeigen: Budgetiert waren ursprünglich 120 Millionen, später dann 140 Millionen Franken. Eine gut informierte Quelle sagt: «Das Projekt wurde von Anfang an sehr knapp kalkuliert, um es durch den Verwaltungsrat zu bringen, wo Opposition erwartet wurde.» Man habe «alle Ausrüstungen auf ein Minimum reduziert, wohl wissend, dass es danach wieder zu Projektänderungen kommen würde».

Die SBB hatten die Kosten ursprünglich auch gegen aussen tiefer kommuniziert. Das zeigen zwei Artikel in der «Berner Zeitung»: Ende 2009 schrieb sie, die Realisierungskosten seien bei der Ausschreibung des Wettbewerbs mit über 100 Millionen Franken angegeben worden. Mitte 2010 titelte die Zeitung dann bereits: «SBB baut in Bern für 160 Millionen Franken einen neuen Hauptsitz.»

Und nun also 190 oder sogar über 200 Millionen. Woran liegts? SBB-Sprecher Christian Ginsig schreibt: «In der ursprünglichen Ausschreibung vor knapp fünf Jahren hat sich die SBB bewusst ‹bedeckt› gehalten, um die Ausschreibung nicht aktiv zu beeinflussen.» Allerdings sei schon damals von «über» 100 Millionen die Rede gewesen. Dieser Betrag habe nur die Rohbau-Gebäudekosten der Totalunternehmerausschreibung betroffen.

Wie sich der Sprung von 140 bzw. 160 Millionen Franken auf die nunmehr 190 oder 200 Millionen Franken erklären lässt, bleibt offen. Der SBB-Sprecher behauptet: «Das Projekt wurde innerhalb des vorgegebenen Projektrahmens abgeschlossen.»

Anfang Mai hatte die «Schweiz am Sonntag» kritisiert, dass der Wasserkopf der SBB immer mehr wachse. Nicht nur am Berner Hauptsitz (1800 Arbeitsplätze), auch in Zürich-Altstetten richten die SBB mit der grossen Kelle an: Im dortigen neuen SBB-Hochhaus haben 700 Mitarbeiter ihr Büro.

Umziehen ist bei den SBB oft eine teure Sache, wie interne Informationen zeigen: Als die Abteilung Infrastruktur von Philippe Gauderon in Bern von der Schanzenstrasse ins Brückfeldquartier umzog, waren 4 Millionen Franken veranschlagt. Am Ende waren es 10 Millionen – auch darum, weil die Zügelwagen viel zu spät gebucht wurden. Da in Bern (um die Weihnachtszeit) keine Umzugsfirma mehr zu finden war, bestellte man sie kurzerhand aus dem Kanton Zürich.

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