ABB hat mit dem schwedischen Fonds Cevian seit dieser Woche einen neuen Grossaktionär. Mit einem Anteil von 3,1 Prozent ist Cevian nach der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Investor AB zweitgrösster Aktionär. Cevian gilt als aktiver Investor. Sie nimmt Einfluss, entsendet Vertreter in den Verwaltungsrat. Geht es nicht nach Wunsch, drängt sie auch Führungspersonal aus dem Amt.

Cevian gab bisher nur ein kurzes Statement ab. «Wir sind der Auffassung, dass die aktuelle Bewertung den fundamentalen Wert von ABB nicht korrekt widerspiegelt.» Das ist eine höflich formulierte Schelte für ABB-Chef Ulrich Spiesshofer. Ihm ist es in seinen zwei Amtsjahren nicht gelungen, den Börsenkurs nachhaltig nach oben zu drücken. Seit Jahren liegt ABB im Hintertreffen.

Dennoch ist das Statement eine Bestätigung für ABB: Cevian hält eine Trendwende für machbar. Wie die «Schweiz am Sonntag» aus Finanzkreisen erfahren hat, rührt diese Überzeugung wohl auch vom Führungswechsel im ABB-Verwaltungsrat her. Ende April hat Peter Voser das Präsidenten-Amt übernommen. «Cevian muss dies als enorm gutes Signal gewertet haben», sagt ein Marktteilnehmer. «Voser ist ein Garant für positive Veränderungen.»

Mit Voser kehrt ein ehemaliger ABB-Finanzchef zurück zur ABB. «Er hatte damals einen exzellenten Leistungsausweis und zudem Ambitionen auf den Chefposten», so ein Broker. Voser kenne daher den Konzern bestens. Zudem sei er mit 57 Jahren noch recht jung. «Und er hat kein anderes bedeutendes Mandat: Er hat viel Zeit für ABB.»

Für Cevian ist dieses Vorgehen typisch. Gemäss eigenen Angaben setzt sie auf unterbewertete Firmen, deren Führungsstruktur sich verbessert hat. Im Falle des Industriegiganten ABB dürfte das Engagement 5 Prozent der Aktien nicht übersteigen. Das wären zu aktuellen Kursen schon 2,4 Milliarden Euro und damit 17 Prozent des Cevian-Vermögens.

Mit der neuen Konstellation steigt der Druck auf ABB-Chef Ulrich Spiesshofer. «Dass es ungemütlicher wird für ihn, das ist klar», sagt ein Marktteilnehmer. Cevian bezeichne sich nicht umsonst als «engagierten Investor». Letzten September hat Spiesshofer eine ehrgeizige Strategie präsentiert. Sollte er scheitern, dürfte der Druck auf ABB steigen, sich von einigen Geschäften zu trennen.

Mitte April brachte der schwedische Finanzkonzern Nordea eine Aufspaltung ins Spiel. «Entweder gelingt es, die Rentabilität zu steigern, oder es wird in drei Jahren eine Aufteilung geben», sagt ein Analyst. Nordea befürchtet, dass Spiesshofer an der grossen Komplexität von ABB scheitern könnte. «Dann würde eine Aufspaltung quasi kostenlos den Börsenwert steigern und zudem die operative Ausrichtung verbessern.» Auffällig ist heute schon, dass die Automatisierungs-Sparte auf deutlich bessere Margen kommt als die Energieversorgung.

ABB hält den aufkommenden Aufspaltungs-Ideen die Gemeinsamkeiten zwischen den Sparten entgegen. «Viele unserer Kunden benötigen integrierte Lösungen für Energie- und Automationstechnologie aus einer Hand», sagt ABB-Sprecher Thomas Schmidt. Die Bündelung dieser Technologien habe ABB auch dieses Jahr zu bedeutenden Grossaufträgen verholfen. «Hinzu kommt, dass wir die Produkte der Energie- und der Automationstechnik immer stärker miteinander vernetzen und so neue Mehrwerte schaffen.»

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