Die russischen Oligarchen Oleg Deripaska und Vladimir Potanin liefern sich in der Schweiz einen heftigen Rechtsstreit. Beide sind am weltgrössten Nickel-Produzenten Norilsk beteiligt und sitzen in deren Verwaltungsrat. Deripaska will in der Schweiz eine Strafuntersuchung gegen Potanin anstrengen und droht Hyposwiss eine Schadenersatzklage in Milliardenhöhe an.

Deripaska wirft seinem Gegenspieler vor, über ein fingiertes Aktienrückkaufprogramm Norilsk Nickel insgesamt 1,4 Milliarden Dollar entzogen zu haben. Die Schweizer Bank und das inzwischen zurückgetretene VR-Mitglied Hans Bodmer sollen ihm dabei massgeblich geholfen haben. Potanins Sprecher bestreitet diese Vorwürfe vehement.

Im Rahmen dieses Rückkaufprogramms sollen mehrere Milliarden Franken über Hyposwiss beziehungsweise Offshore-Gesellschaften von Potanin transferiert worden sein. Diese Gesellschaften haben angeblich der Verschleierung von Finanztransaktionen gedient. Diese sollen zugunsten der Interros Holding Company von Valentin Potanin getätigt worden sein. Die beiden Offshore-Gesellschaften Delmonico Group Limited und Crelios Investment Limited mit Sitz auf den britischen Jungferninseln sollen eigens zum Zweck der Verschleierung gegründet worden sein.

Fakt ist: Über Delmonico und Crelios wurden Anfang März Hunderte Millionen abgewickelt, das belegen Kontoauszüge von Hyposwiss, die dem «Sonntag» vorliegen. Und die Gesellschaften wurden Anfang August liquidiert, wie Liquidationsbescheinigungen aus der karibischen Steueroase bestätigen.

Die Frage ist nun: Wurden bei der Liquidation der Offshore-Gesellschaften die möglicherweise anfallenden Liquidationserlöse sowie die fällige Verrechnungssteuer entrichtet? Gemäss eines Rechtsgutachtens, das Deripaska in der Schweiz in Auftrag gegeben hat, sprechen «gewichtige Indizien dafür, dass Delmonico und Crelios in der Schweiz für die direkten Steuern des Bundes und des Kantons Zürich uneingeschränkt steuerpflichtig waren».

Das Gutachten stützt sich auf den Umstand, dass die Gesellschaften lediglich der «Vernebelung der Mittelherkunft» dienten, jedoch in der Schweiz durch Hans Bodmer und seine Anwaltskanzlei Bodmer Fischer «aufgesetzt» und «betrieben» worden seien. Träfe dies zu, sei anzunehmen, dass die beiden Gesellschaften auch der Schweizer Verrechnungssteuer unterliegen, was «exorbitante Steuerforderungen» nach sich ziehen würde. Laut einem Sprecher Deripaskas könnten sie sich auf 350 Millionen Franken belaufen.

Mittlerweile beschäftigt sich auch die Politik mit dem Fall. SVP-Nationalrat Hans Kaufmann will, dass der Bund mehr Licht ins Dunkel des Oligarchenstreits bringt. In diesen Tagen wird er eine Interpellation einreichen, die vom Bund eine Abklärung der steuerlichen Folgen verlangt. Die Affäre könne der Reputation des Schweizer Finanzplatzes schaden, so Kaufmann. Der Finanzpolitiker will auch Antworten zur Rolle der Finanzmarktaufsicht in dieser Sache.

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