Sie, liebe Leserinnen und Leser, können Ihre Frage an folgende E-Mail-Adresse schicken: gruebel@sonntagonline.ch. Wir freuen uns auf spannende Fragen – und aufschlussreiche, pointierte Antworten von Oswald J. Grübel, die helfen, wichtige Themen einzuordnen.

Die erste Frage hat die Redaktion gestellt: Lässt sich der Euro-Mindestkurs von Fr. 1.20 halten angesichts der neuen Turbulenzen im Euro-Raum (Wahl-Chaos in Griechenland, Ausweitung der Bankenkrise in Spanien, Bestätigung der Schuldenpolitik in Nordrhein-Westfalen)?

Und so antwortet Grübel: „Ich gehe davon aus, dass die Nationalbank den 1.20-Kurs halten wird. Die Frage sollte eher sein: Zu welchem Preis? Mit dem politischen Entscheid, den Schweizer Franken an den Euro zu binden, hat unsere Nationalbank ihre Unabhängigkeit verloren. Sie ist der Entwicklung im Euroraum ausgeliefert. Der Euro ist eine künstliche Währung, die von den Wählern in den verschiedenen Demokratien der Mitgliedstaaten unberechenbar beeinflusst wird.

Wenn wir den Wechselkurs mit allen Mitteln verteidigen werden, übernehmen wir indirekt einen Teil der gesamten Schulden des Euroraumes, die weiterhin steigen werden. Wir reden hier über mehrere tausend Milliarden. Ich glaube nicht, dass die relative Grösse unserer Volkswirtschaft das ohne erheblichen Schaden verkraften kann.

Deshalb kann sich ab einem gewissen Zeitpunkt die Frage stellen, ob wir diese Politik weiterverfolgen wollen. Der Euro geht in den nächsten zwei Monaten durch seine grösste Krise seit seiner Existenz. Wir werden herausfinden, wie viel uns das kostet."

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