Nur schon im Verbandstitel schwingt Nostalgie mit: Schweizerischer Video-Verband (SVV). Dabei spielen Videokassetten im Heimkinomarkt schon lange keine Rolle mehr. Doch auch die Nachfolgeformate DVD und Blu-ray drohen in der Mottenkiste zu verschwinden, sollte die aktuelle Heimkino-Entwicklung weiter voranschreiten, wie sie es in den letzten Jahren getan hat.

Laut neusten Zahlen des SVV, der die grossen Filmstudios und Vermarktungsgesellschaften vertritt, sackte der Umsatz mit den Silberscheiben 2015 wie schon im Vorjahr um 20 Prozent auf noch 136 Millionen Franken ab. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich der Umsatz halbiert.

Der digitale Filmverleih und -verkauf wuchs zwar um 31 Prozent auf 72 Millionen Franken an. Doch zur Kompensation reichte das bei weitem nicht. Der Gesamtumsatz gab um 8 Prozent nach. Der SVV spricht aufgrund des starken Frankens von einem «Achtungserfolg». Tatsächlich dürfte der eine oder andere Hollywood-Streifen ennet der Grenze eingekauft worden sein. Doch die wahren Gründe liegen anderswo. Denn das Konsumentenverhalten befindet sich im Wandel.

Eigene Videothek aufbauen
Beim US-Streamingdienst Netflix kann sich der Kunde für eine Flatrate von 12 Franken im Monat Filme und Serien à discrétion anschauen. Für SVV-Mitglieder ist diese Rechnung unattraktiver als der Verkauf einer Blu-ray für 29 Franken. Noch schlimmer: Online lassen sich zahlreiche Hollywood-Filme nicht nur gratis streamen, sondern auch downloaden.

Ausserdem ist es dank den TV-Recorderboxen von Anbietern wie Swisscom oder UPC möglich, Filme aufzunehmen und sich eine eigene, digitale Videothek aufzubauen. Zudem ist es möglich, bereits ausgestrahlte Sendungen sieben Tage lang rückwirkend zu schauen. Diese Replay-Funktion hemmt den Kauf von physischen Filmträgern ebenso und gerät immer wieder in die Kritik.

Patrick Schaumlechner, Sprecher des Schweizerischen Video-Verbands, sieht für die physischen Filmträger dennoch eine Zukunft. «Mit Innovationen wie 4K Ultra HD für ein besseres Ton- und Bilderlebnis haben sie gegenüber dem Streaming deutliche Vorteile. Ich bin sicher, dass es Blu-rays auch in zehn Jahren noch geben wird.» Dennoch erkennt er die Verlagerung ins Netz. Es fehlten aber die Online-Kaufangebote, sagt Schaumlechner.

Tatsächlich beschränkt sich heute das Angebot von Swisscom, UPC und Sunrise auf Video-on-Demand, also die Miete von Filmen. Der teurere Kauf ist nur auf iTunes und einigen weiteren Anbietern wie Exlibris möglich. «Wäre das Kaufangebot grösser, würden auch die Umsätze steigen», sagt Schaumlechner. Die Swisscom hatte in der Branche die Lancierung von Kaufangeboten schon länger angekündigt, zuletzt auf das erste Quartal 2016. Auf Anfrage lässt sich Swisscom nicht in die Karten blicken. Bei UPC heisst es, man führe Gespräche mit den Rechte-Inhabern. Ein Termin wird nicht genannt.

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