Die Erwartungen an ein gutes Kinojahr waren hoch. Und sie wurden erfüllt, wenn auch nicht überboten. Nachdem 2014 mit einem Minus von 5,8 Prozent an Ticketverkäufen als Annus horribilis in die Geschichte einging – es war das schlechteste Jahr seit Jahrzehnten –, standen mit James Bond, «Star Wars» und den gelben Minions einige Hoffnungsträger aus Hollywood am Start.

Wie neuste Zahlen des Branchenverbands Procinema zeigen, liegen die Umsätze in den grössten Schweizer Städten nach 50 von 52 Wochen rund 10,5 Prozent über dem Vorjahr. Die 13,3 Millionen verkauften Tickets generierten einen Umsatz von 206 Millionen Franken – bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von Fr. 15.51. Das Rekordergebnis von 18,8 Millionen Ticketverkäufen aus dem Jahr 2002 ist jedoch unerreicht. «2015 wird ein gutes, wenn auch im langjährigen Durchschnitt kein überragendes Kinojahr», sagt Procinema-Generalsekretär René Gerber. Kommt hinzu, dass die deutschen Kinos gar ein Plus von 14 Prozent einfahren – im Süddeutschen wohl auch dank einigen Schweizer Kinotouristen. Der Glaube an das Medium lebe nach wie vor, sagt Gerber. Denn nachdem letztes Jahr 28 neue Kinoleinwände entstanden waren, sind 2015 nochmals 20 dazugekommen. «Und es stehen weitere Projekte an.» Die Kinokette Pathé baut zum Beispiel in Spreitenbach AG ein neues Multiplex, und nahe der Zürcher Europaallee sind mehrere Arthouse-Säle geplant.

An der Spitze der Deutschschweizer Charts liegt wenig überraschend der neuste James Bond «Spectre», der die Werbetrommel auf allen Kanälen rührte. «007» brachte es bisher auf über 800 000 Zuschauer in der ganzen Schweiz. Weitere dürften über Weihnachten/Neujahr dazukommen, schliesslich generierten die letzten drei Bond-Filme allesamt über eine Million Eintritte. Hinter dem Spion mit der Lizenz zum Töten brachten es in der Deutschschweiz die animierten gelben Helferlein, die «Minions», auf Platz 2 – noch vor dem Actionthriller «Fast & Furious 7». Was auffällt: Das Spin-off zu den «Ich, einfach unverbesserlich»-Filmen ist der einzige 3-D-Film in den Top sechs.

Insgesamt hat der 3-D-Anteil bei den Ticketverkäufen aber nur minim abgenommen, von 21 auf 19 Prozent. Es ist ein positives Zeichen für die Kinobetreiber, sorgen doch die 3-D-Billette dank höheren Preisen für mehr Umsatz. Zu verdanken haben die Kinoinhaber die anhaltende 3-D-Beliebtheit in erster Linie dem Fantasy-Spektakel «Jurassic World» (Rang 7), dem letzten Teil der «Hunger Games»-Serie (Rang 8), der Superhelden-Fortsetzung «Avengers 2» (Rang 9) und dem Disney-Pixar-Animationsstreifen «Inside Out» (Rang 10).

Bemerkenswert ist die Klassierung des Schweizer Films «Schellen-Ursli» von Regisseur Xavier Koller auf Rang 5, der sich gegen namhafte Konkurrenz durchsetzte wie die Bestseller-Verfilmung «Shades of Grey» und der deutsche Komödienhit «Fack Ju Göhte 2». Auch der zweite Schweizer Heimatfilm, «Heidi» von Regisseur Alain Gsponer, legte einen Traumstart hin. Nach dem ersten Wochenende Mitte Dezember hatten bereits 220 000 Zuschauer den Film gesehen.

Vergangene Woche gab es bereits einen neuen Spitzenreiter mit der «Star Wars»-Fortsetzung «Das Erwachen der Macht» aus dem Hause Disney. Der Film ist in den aktuellen Zahlen noch nicht berücksichtigt und wird deshalb das Plus von 10 Prozent weiter in die Höhe schrauben. Bereits wird spekuliert, ob das Science-Fiction-Abenteuer weltweit die 2-Milliarden-Dollar-Umsatzschwelle knacken könnte. Dies gelang bis heute nur «Titanic» (1997) und «Avatar» (2009).

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