VON PETER BURKHARDT

Sollte Daniel Vasella in den nächsten Jahren als Verwaltungsratspräsident des Pharmakonzerns Novartis zurücktreten, tut er das nicht gratis. Gemäss Recherchen des «Sonntags» hat der 56-Jährige mit dem Verwaltungsrat eine Konkurrenzklausel vereinbart, dank der er während mehrerer Jahre weitere Millionenbezüge erhalten wird.

Im Kleingedruckten des Geschäftsberichts, den Novartis vor einer Woche veröffentlicht hat, heisst es dazu: «Für die Zeit nach seinem Amt als Verwaltungsratspräsident hat sich Dr. Vasella bereit erklärt, seine Erfahrung und sein Wissen Novartis weiterhin zur Verfügung zu stellen und während mehrerer Jahre keine Aktivitäten aufzunehmen, die im Wettbewerb zu den Geschäften von Novartis stehen. Für seine Dienste sowie für die Beachtung des Konkurrenzverbots wird Dr. Vasella eine marktgerechte Vergütung erhalten.»

Konzernsprecher Satoshi Sugimoto bestätigt, dass der Verwaltungsrat mit Vasella einen schriftlichen Vertrag abgeschlossen hat, der die Details regelt. «Es wurde ein mehrjähriges Konkurrenzverbot vereinbart.» Wie lange dieses gilt, während wie vieler Jahre und bis zu welchem Altersjahr Vasella die Abgeltung erhält und wie hoch diese ausfällt, bleibt jedoch geheim. Im Vergütungsbericht, über den die Aktionäre an der Generalversammlung vom 22. Februar konsultativ abstimmen werden, wird die vereinbarte Summe nicht genannt.

Sugimoto bestätigt aber, dass der geheime Betrag zu der im Geschäftsbericht genannten Entschädigung hinzukommt. Diese belief sich für das vergangene Jahr auf insgesamt 22 Millionen Franken (zum Steuerwert):

7,95 Millionen Franken erhielt Vasella für seine Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident.

2,1 Millionen Franken zahlte ihm Novartis für den Januar, als er zusätzlich zum Verwaltungsratspräsidium auch noch Konzernchef war.

Ausserdem vereinbarte Vasella mit dem Verwaltungsrat eine Einmalzahlung von 12 Millionen Franken in Form einer Versicherungspolice – «zur weiteren Äufnung der Altersvorsorge», wie es im Geschäftsbericht heisst.

Legt man allerdings statt des tieferen Steuerwerts den Marktwert zugrunde, hat Vasella im vergangenen Jahr nicht 22 Millionen Franken erhalten, sondern sogar 25,3 Millionen.

Gegen das nun verankerte Konkurrenzverbot hatte sich Vasella lange gewehrt. An der Generalversammlung vor einem Jahr liess Vizepräsident Ulrich Lehner durchblicken, der Verwaltungsrat wolle ein fünfjähriges Verbot, während Vasella nur ein dreijähriges akzeptieren wolle. Nun hat Vasella offenbar nachgegeben – aber dafür wird er reichlich entschädigt.

«Es ist sehr unüblich, dass ein Verwaltungsratspräsident im Nachgang für mehrere Jahre ein Konkurrenzverbot hat», sagt dazu der Zürcher Vergütungsspezialist Stefan Hostettler. Pikant ist zudem, dass der Verwaltungsrat ein Versprechen bricht, das er den Aktionären gegeben hatte. Ulrich Lehner sagte nämlich an der letzten Generalversammlung, Vasella werde nach seinem Rückzug auf das Präsidium künftig spürbar weniger verdienen. Das ist nicht eingetreten.

Unter den Aktionären formiert sich nun Widerstand. Am Freitag gab die Schweizer Anlagestiftung Ethos bekannt, sie werde gegen den Vergütungsbericht stimmen. Ethos hat Gewicht, weil sie zahlreiche Pensionskassen vertritt. Gemäss einem internen Papier, das dem «Sonntag» vorliegt, verweigert auch der zweitgrösste US-Stimmrechtsberater Glass Lewis seine Zustimmung. Nein stimmen wird zudem die Schweizer Aktionärsgruppe Actares, wie ihr Geschäftsführer Roby Tschopp sagt.

Ethos-Direktor Dominique Biedermann, der Novartis vor einem Jahr ein Mitbestimmungsrecht der Aktionäre über die Managerlöhne abrang, ist entsetzt über die geheime Konkurrenzverbot-Entschädigung für Vasella. «Das ist nichts anderes als eine versteckte Abgangsentschädigung.» Eine solche ist laut dem Swiss Code of Best Practice des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse grundsätzlich zu unterlassen.

«Es ist ganz unüblich, dass ein Verwaltungsrat, der nicht mehr gewählt wird oder sich nicht mehr zur Verfügung stellt, eine Abgangsentschädigung erhält», sagt Biedermann. «Das Unternehmen geht hier zulasten der Aktionäre ein heikles Engagement ein, ohne dieses zu begründen und volle Transparenz über seine Höhe zu schaffen.»

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