Die Schweizer Grossbank Credit Suisse muss mit einer weiteren happigen Busse aus Amerika rechnen. Nach dem Steuerfall, der die Bank 2014 2,6 Milliarden Dollar und ihren Ruf kostete, geht es um Geschäfte mit verbrieften amerikanischen Hypotheken, die sie bis zum Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 betrieb. Das US-Justizministerium DOJ wirft rund einem Dutzend Investmentbanken vor, falsche Angaben beim Verkauf der komplexen Finanzprodukte gemacht zu haben. Wie teuer die jüngste Auseinandersetzung die CS zu stehen kommt, ist derzeit Gegenstand von intensiven Vergleichsverhandlungen mit dem DOJ, wie diese Woche bekannt wurde.

Dass die Banken nicht ungeschoren davonkommen würden, war klar, seit die horrende Bussenforderung von 14 Milliarden Dollar gegen die Deutsche Bank bekannt wurde. Eine solch hohe Zahlung würde das grösste deutsche Geldhaus in existenzielle Nöte bringen. Der Aktienkurs der Deutschen Bank brach um einen Viertel ein. Bereits machen Gerüchte die Runde, wonach die Bank Staatshilfe beantragen müsse.

Diesen Freitag erholte sich der Kurs, nachdem die Nachrichtenagentur AFP die unbestätigte Meldung verbreitete, dass die Busse auf 5,4 Milliarden Dollar reduziert werden könnte – was etwa der Summe entspricht, welche die Bank für Rechtsfälle zurückgestellt hat.

Märkte reagieren nervös
Auch die CS-Aktien machten am Freitag einen Sprung nach oben, nachdem sie zuletzt im Strudel der Deutschen Bank heruntergezogen wurden. Das Auf und Ab zeigt, wie nervös die Märkte derzeit auf Bankaktien reagieren. Öl ins Feuer goss diese Woche ausgerechnet CS-Chef Tidjane Thiam, der in einem Interview sagte, dass der europäische Bankensenktor für Anleger derzeit «nicht wirklich investierbar» sei. Die Banken befänden sich in einer «fragilen Situation», und es bestünden grosse «regulatorische Unsicherheiten».

Eine davon ist, wie viel die CS an das amerikanische Justizministerium abliefern muss. Renaissance Research hat diese Woche eine spektakuläre Schätzung veröffentlicht, wonach die Credit Suisse mit einer Busse von 10 Milliarden Dollar rechnen müsse. Andere gehen von 2 Milliarden aus. Gut möglich, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt.

Wie die meisten Analysten stützt sich der Autor von Renaissance Research auf eine einigermassen einfache Berechnung. Die CS hatte verbriefte Hypothekenpapiere (sogenannte RMBS) im Umfang von 130 Milliarden Dollar herausgegeben. Bei der Deutschen Bank waren es 180 Milliarden. Wenn das DOJ nun 14 Milliarden verlangt, entspricht das 7,4 Prozent der ursprünglichen RMBS-Summe. Umgerechnet auf die CS, ergäbe das eine Busse von 10 Milliarden Dollar. Reduziert das DOJ die Busse für die Deutsche Bank, wie kolportiert, auf 5,4 Milliarden und stellt man diese Zahl in Relation zur CS, ergäbe das eine Vergleichszahlung von 3,9 Milliarden Dollar oder 3 Prozent der ursprünglichen RMBS-Position.

Klar ist, ganz so einfach geht das US-Justizministerium nicht zur Sache. Andere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, sie können für die CS sprechen, aber auch gegen sie. Wie auch immer es herauskommt, die Busse dürfte die Bank empfindlich treffen. Per Ende 2015 hatte sie für sämtliche Rechtsfälle Rückstellungen von lediglich 1,6 Milliarden Franken gebildet.

Die Amerikaner haben es plötzlich eilig. Justizministerin und Generalstaatsanwältin Loretta Lynch dürfte Ende Jahr mit Barack Obama aus dem Amt scheiden. Gemäss «Financial Times» drückt die ehrgeizige Juristin nun aufs Gaspedal. Sie will mit einem grossen Schlussbouquet von der Bühne abtreten. Sie strebe gleichzeitig einen Deal mit Credit Suisse, Deutscher Bank und der britischen Barclays an, um einen grösstmöglichen PR-Effekt zu erzielen.

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