Lidl feiert in der Schweiz das vierjährige Bestehen. Es waren vier turbulente Jahre für den deutschen Harddiscounter, der gegen ein angekratztes Image kämpfen muss. Umso mehr versucht Lidl, in der Schweiz krampfhaft mit Swissness zu punkten. Vergangenen Herbst startete er dafür eine Kampagne. Das Lidl-Logo kommt neu mit Schweizer Kreuz daher.

Und nun kann Lidl eine Erfolgsmeldung beim Sortiment verbuchen. Seit einigen Tagen bietet der Harddiscounter mehrere Produkte des Luzerner Milchkonzerns Emmi an, wie zum Beispiel Früchtequark oder Quarkcreme. Weshalb konnte sich Emmi zu diesem Schritt nach vier Jahren durchringen? «Vorher stimmte für uns der Preis nicht», sagt Emmi-Sprecherin Esther Gerster.

Doch es kommen Fragen auf, wenn man die Preise von Lidl mit jenen von Coop vergleicht – Emmis wichtigsten Abnehmer in der Schweiz. Beim Grossteil herrscht Preisparität. Doch bei einigen Artikeln hat «Der Sonntag» grosse Unterschiede festgestellt – zuungunsten von Coop.

Milchreis Nature: Lidl führt den 200-Gramm-Becher für Fr. 1.35. Bei Coop kostet der 175-Gramm-Becher Fr. 1.70. Pro hundert Gramm verlangt Coop somit 42 Prozent mehr.

Griesstöpfli Nature: Bei Coop kostet der kleinere Becher Fr. 1.70. Bei Lidl gibt es für Fr. 1.35 sogar 25 Gramm mehr. Umgerechnet ist das Dessert bei Coop somit ebenfalls 42 Prozent teurer.

Caffè Latte: Die Kaffeedrinks bekommt man bei Lidl zum einheitlichen Preis von Fr. 1.69. Bei Coop kostet er bis zu 27 Prozent mehr, und das obwohl Lidl Schweiz die Kaffees seit längerem von Lidl Deutschland importiert. Denn bei Caffè Latte hat man sich mit Emmi hierzulande noch nicht einigen können.

Coop versucht, sich zu rechtfertigen. Beim Milchreis führe man drei Emmi-Sorten, wobei die Sorten Vanille und Himbeere umgerechnet auf 200 Gramm gleich teuer seien, sagt Sprecher Urs Meier. Aber: «Den Preis der Sorte Nature werden wir überprüfen.» Das Gleiche beim Griesstöpfli. Man führe drei Sorten. Aber: «Den Preis der Sorte Nature werden wir überprüfen.» Zudem sei die Qualität nicht eins-zu-eins identisch. Die Rezeptur für Coop sei anders als für Lidl. Zu Caffè Latte sagt Meier: «Coop hat im Gegensatz zu Lidl ein sehr breites Angebot an Caffè-Latte-Sorten.» Die führende Sorte Macchiato werde bei Coop zum Preis von 1.85 angeboten – 9 Prozent mehr als bei Lidl. Und: «Den Preis der Sorte Espresso werden wir überprüfen.»

Die Frage, wie die Preisunterschiede zustande kommen, wollen weder Emmi noch Coop verraten. Somit bleibt unklar, ob Lidl einen tieferen Einstandspreis als Coop zugesprochen erhält, oder ob Coop ganz einfach eine grössere Marge einkassiert.

Nebst Emmi konnte Lidl neu auch die Schweizer Halter-Bonbons ins Sortiment aufnehmen. Weitere hiesige Markenhersteller sollen folgen. Schon länger mit an Bord sind unter anderem Ricola, Nestlé, Malbuner, Chicco d’Oro oder Durgol.

Trotzdem fehlen nach wie vor einige zugkräftige Schweizer Marken, wie zum Beispiel Zweifel-Chips. «Wir wurden von Lidl mehrmals angefragt. Für uns entspricht der Harddiscount-Kanal aber zurzeit nicht unserer Strategie», sagt Zweifel-Chef Mathias Adank. Ähnlich tönt es bei Rivella und Hug. Guetzli-Hersteller Kambly und Schokoladeproduzent Lindt sehen sich beide als Premium-Marke. Daher kommt Lidl für sie als Partner nicht infrage, wie sie auf Anfrage bestätigen.

In Delsberg hat Lidl kürzlich die 89. Filiale eröffnet. Insgesamt sollen in diesem Jahr rund ein Dutzend neue Geschäfte hinzukommen. Doch wartet man in der Branche auf den Bau des seit langem geplanten zweiten Verteilzentrums in Sévaz FR, auch wenn Lidl immer wieder beteuert, das Verteilzentrum in Weinfelden TG verfüge noch über genügend Kapazitäten.

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