Der russische Importstopp von EU-Lebensmitteln könnte für Schweizer Firmen zum Geldsegen werden. So hat die Migros-Fleischvermarkterin Micarna erst vor einigen Monaten damit begonnen, typische Schweizer Produkte wie Cervelats und Bratwürste nach Russland zu exportieren (die «Schweiz am Sonntag» berichtete).

Es sei zwar noch früh, die weiteren Chancen abzuschätzen, sagt Daniel Signer, Marketingchef der Migros-Industrietochter mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Franken. Man habe aber bereits vor Inkrafttreten des Boykotts vermehrt Anfragen von russischen Importeuren erhalten. «Sie hatten vermutlich bereits mit einem Boykott gerechnet.» Allerdings würden die Währungsschwankungen und die politische Instabilität die Planung nicht leicht machen.
Midor, eine weitere Migros-Industrietochter, liefert schon seit mehreren Jahren Biscuits und Glace nach Russland. Bisher habe man aber keine vermehrten Anfragen erhalten, sagt Midor-Sprecherin Brigitte Delemeschnig.

Laut Radio SRF klingelte das Telefon auch schon beim international tätigen Käseverarbeiter und -exporteur Intercheese mit Sitz im luzernischen Beromünster. «Russische Importeure möchten von uns Käse», sagt Geschäftsführer Daniel Dätwyler. Die Anfragen würden nun geprüft. Wenn irgendwie möglich, komme Intercheese den russischen Anfragen nach. «Es geht offenbar vor allem um Industriekäse», sagt Dätwyler.

Bis jetzt lieferte Intercheese über einen deutschen Exporteur Käse nach Russland. Doch mit den von Moskau gegen die EU-Staaten verhängten Sanktionen ist fraglich, ob das weiterhin möglich ist. 2013 verkaufte das Unternehmen rund 20 Tonnen Emmentaler, Gruyère, Vacherin und andere Spezialitäten nach Russland, vor allem in die Region Moskau. Das sei zwar vergleichsweise wenig, sagt Dätwyler. Doch Russland könne noch interessant werden.

Auch die Switzerland Cheese Marketing AG ist über den russischen EU-Boykott erfreut: «Die Sanktionen gegen europäische Konkurrenten sind Wind in unsere Segel», sagt Marketingleiter Martin Spahr in der «Aargauer Zeitung».

Negativ betroffen könnte hingegen Coop sein. Die Basler Detailhändlerin ist mit ihrer Tochter Transgourmet selber im russischen Abhol- und Belieferungsgrosshandel aktiv. «Zukünftig werden Nahrungsmittelimporte aus anderen Ländern als bisher stattfinden, um die ausfallenden EU-Mengen zu kompensieren», sagt Coop-Sprecher Ramón Gander. Dies dürfte bei Transgourmet Zusatzkosten verursachen.

Im vergangenen Jahr investierte Coop 52 Millionen Franken in den russischen Markt. Dabei konnten die sieben russischen Transgourmet-Märkte mit ihren 1400 Mitarbeitenden den Umsatz von 312 auf 343 Millionen Franken steigern.

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