Die Migros geht gegen eines der grössten Kundenärgernisse vor: das lange Anstehen an der Kasse, insbesondere an Samstagen. Ab kommendem Dienstag wird «Subito», das neue Self-Scanning-System der Migros, in neun Pilotfilialen der Deutschschweiz eingesetzt, wie Sprecher Urs Peter Naef bestätigt. «Unser Ziel ist es, Subito in den nächsten Jahren in der ganzen Schweiz einzuführen.»

«Der Sonntag» konnte exklusiv das neue System im Testlabor der Detailhändlerin bei Luzern in Augenschein nehmen. Zum Zug kommen je nach Filiale eine oder zwei unterschiedliche Varianten:
> Self-Scanning: Am Eingang bezieht der Kunde nach Vorweisen der Cumulus-Karte einen Handscanner der Firma Motorola. Damit liest man die Strichcodes der gewählten Produkte ein. Auf dem Scanner-Bildschirm erscheint die aktuelle Einkaufsliste inklusive Zwischensumme.

Beim Ausgang gibt der Kunde das Handgerät ab und bezahlt bargeldlos an einem Automaten. «Der Kunde benötigt für die Zeit zwischen der Abgabe des Gerätes und der Bezahlung nur 30 Sekunden», sagt Sprecher Naef. Um diesen Service zu nutzen, benötigt der Kunde zwingend eine Cumulus-Karte.

Self-Checkout: Wer nur wenige Artikel kauft, kann diese am Schluss an einer Selbstbedienungskasse selber einscannen und ebenfalls bargeldlos bezahlen. Eine Cumulus-Karte ist hier nicht notwendig. Solche Automaten gibt es in der Schweiz heute schon bei Ikea. Konkurrentin Coop ist der Migros einen Schritt voraus. Bereits 2005 führten die Basler ihr System «Passabene» ein. Mittlerweile gibt es das System in 75 grossen Coop-Filialen. «In einigen Läden erzielen wir 20 Prozent des Umsatzes mit Passabene-Kunden», sagt Coop-Präsident Hansueli Loosli.

«In fünf Jahren werden etwa 100 Filialen damit ausgerüstet sein. Und ich bin überzeugt: Eines Tages werden wir Passabene mit Smartphones ersetzen.» Das bargeldlose Zahlen werde in Zukunft weiter zunehmen.

Passabene überzeugt allerdings nicht auf der ganzen Linie. So hat Coop im vergangenen Jahr alle Handscanner ausgewechselt, da es bei den alten Geräten aufgrund von Software-Problemen zu fehlerhaften Preisen kommen konnte. Zudem droht jedem Passabene-Kunden, dass er zur Kontrolle alle eingescannten Produkte am Schluss doch noch aufs Förderband legen muss – für den Fall, dass ein Kunde ein Produkt fehlerhaft eingescannt oder absichtlich darauf verzichtet hat. Ausgewählt wird per Zufallsgenerator.

«Das Thema Diebstahl wird überschätzt», sagt Hans Schwarz, SubitoProjektleiter bei der Migros. «Die überwiegende Mehrheit unserer Kunden ist ehrlich.» Trotzdem vertraut die Migros bei Subito der Kundschaft nicht blind. Einerseits gibt es im Kassenbereich zum Teil Überwachungskameras. Zudem führt auch die Migros Stichproben durch. Immerhin muss der Kunde nicht wie bei Coop nochmals den ganzen Einkauf präsentieren, sondern nur einzelne Produkte.

«Unser Ziel ist, dass 20 Prozent der Kundschaft die Produkte selber einscannen und in absehbarer Zeit ein Drittel der Filialen mit Subito ausgerüstet werden», sagt Hans Schwarz. Hat eine Filiale beispielsweise heute zehn bediente Kassen, werden zwei bis vier davon durch drei bis sechs Automaten ersetzt.

Der Verdacht liegt auf der Hand: Die Migros will Personalkosten sparen. Migros-Sprecher Urs Peter Naef verneint: «Ein Personalabbau wird damit nicht angestrebt. Die Angestellten werden sich stattdessen zusätzlich um den Kunden kümmern.» Bei den Automaten stehen Assistentinnen in speziellen Uniformen. Beim Self-Checkout nur in den ersten ein bis zwei Jahren. Im Bereich Self-Scanning sind hingegen immer Assistentinnen vorgesehen, um die Stichproben durchzuführen und die Handscanner zu reinigen.

In der Vergangenheit prüfte die Migros auch so genannte RFID-Chips. Die Idee: Kunden können die Produkte, welche mit einem elektronischen Chip versehen sind, in den Einkaufswagen legen und diesen am Schluss durch eine Schleuse schieben, welche die Preise automatisch erfasst. Aus praktischen und Kostengründen ist dieses System zurzeit aber kein Thema. Und was nicht viele wissen: Bereits 1965 lancierte die Migros in einer Zürcher Testfiliale Selbsttippkassen. Damals noch ohne Erfolg.

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