Für Konsumgüterfirmen ist klar: Wer es in Asien schaffen will, kommt um die Onlineportale, allen voran Alibaba, nicht herum. Diese Erkenntnis scheint sich auch bei Walter Huber durchgesetzt zu haben. Er steht der Migros-Industrie vor. Dazu gehören 23 Firmen wie Midor, Jowa oder Mibelle. «Wir führen zurzeit Gespräche mit Alibaba und anderen asiatischen Verkaufsportalen, um unsere Produkte wie Kaffeekapseln oder Frey-Schokolade über das Internet vertreiben zu können.»

Die Migros-Industrie zählt zu den grössten Produzentinnen, was Eigenmarken, sogenannte Private Labels, anbelangt, und vertreibt sie in 50 Ländern. «Unsere Hauptmärkte liegen nach wie vor in Europa, gefolgt von Nordamerika», sagt Huber. Asien bezeichnet er als Aufbaumarkt, allerdings «mit substanziellem Potenzial».

Grund für die Verhandlungen mit Alibaba, dem Amazon von Asien, sei die zunehmende Kaufkraft in der Region. Damit steige die Nachfrage nach Premiumprodukten. Und als Anbieterin derer habe sich die Schweiz seit Jahrzehnten profiliert. Welche Umsätze mittelfristig via Onlinevertrieb erreicht werden sollen, sagt Huber nicht.

Weltweit in den Top 20
Tatsächlich würde die potenzielle Käuferschaft aber auf einen Schlag massiv ausgeweitet. Die Gruppe von Firmengründer Jack Ma, die es erst seit 1999 gibt und zu der auch Portale wie das Auktionshaus Taobao und das Bezahlsystem Alipay gehören, zählt zu den Top 20 der meistbesuchten Websites weltweit. Knapp 50 000 Angestellte arbeiten für Ma – mit einem Vermögen von 33 Milliarden Dollar Asiens reichster Mann.

Vor einem Jahr war bereits Nestlé mit Alibaba eine Kooperation eingegangen, um Milchpulver, Schokolade und Kaffee zu verkaufen. Allerdings sind schon heute Migros-Produkte auf einigen Portalen erhältlich, jedoch ohne Zutun der Detailhändlerin, sondern via Dritte. So verkauft der Anbieter mit dem Usernamen «P. Roth» auf Alibaba M-Budget-Milchschokolade à 100 Gramm für rund 3 Dollar. Ein anderer Anbieter hat eine 1-Kilo-Dose der Mirador-Streuwürze im Sortiment. Den Preis gibts erst auf Anfrage.

Auf Taobao ist die Auswahl sogar noch grösser und reicht von Nüdeli über Mayonnaise bis hin zu Honig und Candida-Zahnpasta.

Bereits ein Büro in Schanghai
Fragt sich, wie die Migros den Vertrieb regeln würde, käme eine Kooperation zustande. Allerdings hat sie schon länger die Fühler nach China ausgestreckt. Im Sommer 2015 eröffnete Walter Huber ein Büro in der Schanghaier Freihandelszone Waigaoqiao (die «Schweiz am Sonntag» berichtete). Einfacher macht den Export das Freihandelsabkommen mit China.

Damals sagte Huber, in China seien vorab Swissness-Artikel gefragt, zum Beispiel Schokolade, Vermicelles, Kaffee, Biskuits oder Kosmetik, und Fleischteile, die sonst im Abfall landen: Schweinsfüsse und -ohren. Schon heute verkauft die Migros über tausend Tonnen Fleischteile nach China. Frühere Überlegungen, Filialen in China zu eröffnen, wurden hingegen über Bord geworfen.

Auslandsumsatz legt zu
2016 steigerte die Migros-Industrie den Auslandsumsatz um 16 Prozent auf 790 Millionen Franken, wie Huber diese Woche bekannt gab. Wachstumstreiber waren das Kaffeekapseln- und das Käsegeschäft. Vor allem in Deutschland und Frankreich habe man Marktanteile mit den Café-Royal-Kapseln gewinnen können.

Insgesamt erwirtschafteten die 13 000 Angestellten einen Umsatz von 6,3 Milliarden Franken – ein Plus von 2,1 Prozent. Im Heimmarkt resultierte hingegen nur ein relativ knappes Plus von 0,5 Prozent. Allein mit Formaten des Migros-Mutterhauses wie Le Shop, Denner und den Migros-Supermärkten erzielt Walter Hubers Bereich eine Umsatzgrösse von 4,5 Milliarden Franken. 2017 werde der Schweizer Markt anspruchsvoll bleiben, sagt Huber. Optimistischer ist er in Bezug auf das internationale Wachstum.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.