Ältere Männer scheinen eine Schwäche für das Ostschweizer Unternehmen Arbonia Forster (AFG) zu haben. Nach der jahrelangen Regentschaft von Edgar Oehler, des Politikers, Journalisten und Unternehmers, ist es nun Michael Pieper, der über seine Beteiligungsgesellschaft Artemis die Hand auf das einst für Küchen berühmte Unternehmen legt.

Der Franke-Besitzer hat bereits Weichenstellungen vorgenommen. Firmenchef William Christensen ist seit Anfang Juli nicht mehr im Amt. Stattdessen hat Präsident Alexander von Witzleben die operativen Geschicke in die Hand genommen. Der Deutsche sitzt im Verwaltungsrat der Artemis-Gruppe und ist Präsident der Pieper-Beteiligung Feintool.

Die nächsten Schritte sind aufgegleist: Wie die «Schweiz am Sonntag» aus dem Umfeld von Pieper erfahren hat, soll der Unternehmer auf eine Kapitalerhöhung beim Arboner Bauausrüster hinarbeiten. Inzwischen sei eine Kapitalerhöhung bei AFG «wahrscheinlich», sagen Vertraute. Michael Pieper liess über eine Sprecherin ausrichten, dass er keine Stellung nehmen möchte.

Bei Aktionären der AFG dürfte das Wort Kapitalerhöhung schmerzvolle Erinnerungen hervorrufen. Oehler hatte den Traditionsbetrieb mit viel geliehenem Geld aufgebläht. Er kaufte wie wild Firmen zu überhöhten Preisen, zimmerte einen Milliardenkonzern. Den Kulminationspunkt erreichte der unternehmerische Exzess mit dem Bau eines überdimensionierten Hauptsitzes. Als die Finanzkrise kam, brach das Oehlersche Kartenhaus zusammen.

Im Krisenjahr 2009 stimmten die Aktionäre an einer emotionalen Generalversammlung einer happigen Kapitalerhöhung zu, um das Unternehmen wieder auf eine solide Basis zu stellen. Nach ein paar ruhigeren, durchzogenen Jahren stehen die Zeichen im Jahr 2015 am Bodensee wieder auf Sturm. Das Problem ist, dass nun auch ehemalige Perlen wie Ego Kiefer in Schwierigkeiten stecken. Die Entlassung von 200 Mitarbeitern der Fensterfabrik wurde im März angekündigt.

Pieper und von Witzleben stehen vor einer Herkulesaufgabe. Es wird erwartet, dass im laufenden Jahr die Erträge nochmals rückläufig sind. Analysten sind skeptisch. Die Aktie befindet sich im Tief. Noch sticht der Pieper-Trumpf nicht.

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