Für die zehn meistverkauften Medikamente mussten die Krankenkassen im letzten Jahr 724 Millionen Franken ausgeben, wie deren Dachverband Santésuisse errechnet hat. Würden bei diesen zehn Produkten aktuelle Wechselkurse verwendet, könnten die Kassen 138 Millionen Franken einsparen. Allein diese Massnahme ermöglichte es, die Krankenkassenprämien um 0,5 Prozentpunkte zu senken.

Die Preise der kassenpflichtigen Medikamente bestimmt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) aufgrund eines Vergleichs der Fabrikabgabepreise in sechs Staaten. Bei unzähligen Arzneimitteln verwendet das Amt Wechselkurse aus dem Jahr 2009, die durchschnittlich 19 Prozent über dem heutigen Niveau liegen. Dazu zählen auch die zehn bestverkauften Medikamente. Den Euro rechnet das BAG dabei zu 1.5167 Franken um – ein Kurs, der 21 Prozent über dem heutigen Niveau liegt. Bei den zwei anderen Vergleichswährungen, dem britischen Pfund und der dänischen Krone, sind die Umrechnungskurse 21 beziehungsweise 11 Prozent über heutigem Niveau.

Den Preisvergleich wiederholt das BAG alle drei Jahre. Deshalb werden die zehn bestverkauften Medikamente zusammen mit dem Grossteil der anderen kassenpflichtigen Arzneimittel noch bis am 1.November 2012 zu überhöhten Wechselkursen umgerechnet. Danach sollen bis 2015 die durchschnittlichen Wechselkurse zwischen 1.April 2011 und 31.März 2012 gelten. Der Jahresumsatz der Pharmaindustrie mit kassenpflichtigen Medikamenten liegt bei über 4 Milliarden Franken. Der starke Franken wird diesen ab November 2012 folglich um mehrere Hundert Millionen Franken schmälern.

Für den Gesundheitspolitiker und Freiburger SP-Nationalrat Jean-François Steiert ist dies zu spät: «Der Preisvergleich muss häufiger als alle drei Jahre durchgeführt werden. Dadurch würden die Prämienzahler entlastet.» Keine Freude an solchen Äusserungen hat jedoch Thomas Cueni, Generalsekretär der Pharmalobby Interpharma: «So etwas kann nur jemand sagen, dem es egal ist, ob die Pharmaindustrie auch weiter in der Schweiz investiert.» Die Pharmalobby bläst deshalb zum Gegenangriff und will den Preisvergleich gleich ganz aussetzen. Steiert kontert: «Bei allem Respekt für die Arbeitsplatzdiskussion: Die Marge der Pharmaproduzenten ist noch nicht bei null angekommen.»

Ex-Kassensturz-Chef Urs P.Gasche, der die Konsumenten in der eidgenössischen Arzneimittelkommission vertritt, sagt: «Es ist stossend, falls die Pharmaindustrie die Spielregeln bereits ändern will, kurz nachdem sie sich mit dem Bundesamt für Gesundheit darauf geeinigt hat.» Er betont zudem, dass bereits heute ein Zuschlag von 3 Prozent auf die Wechselkurse gewährt werde, was das BAG bestätigt. Gasche kritisiert zudem: «Zwei Drittel aller Medikamente in der Schweiz kommen vom Ausland. Dank des starken Frankens sahnen die ausländischen Hersteller bei uns massiv ab.» Häufigere Wechselkursanpassungen lehnt er indes als zu aufwändig ab.

Der Verkaufsschlager unter den kassenpflichtigen Medikamenten ist der Cholesterinsenker Sortis des amerikanischen Pharmakonzerns Pfizer. In der Schweiz ist das Unternehmen weder in der Forschung noch in der Produktion tätig, beschäftigt aber rund 310 Mitarbeiter in der Vermarktung. 2010 erwirtschafte die hiesige Ländergesellschaft laut eigenen Angaben einen Umsatz von rund 400 Millionen Franken. Weltweit waren es 68 Milliarden Dollar.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!