Seit gestern sind 836 patentgeschützte Arzneimittelprodukte, die von der obligatorischen Grundversicherung vergütet werden, um bis zu 60 Prozent günstiger als zuvor. Das zeigt eine aktualisierte Preisliste, die das Bundesamt für Gesundheit am Donnerstag auf seiner Website veröffentlicht hat.

Die neuste Preissenkungsrunde entlastet die Prämienzahler um 161 Millionen Franken, wie der Branchenverband Interpharma errechnet hat. Vor einigen Jahren hatte der Bundesrat gegen den anfänglichen Widerstand der Pharmaindustrie eine regelmässige Preisüberprüfung bei kassenpflichtigen Arzneimitteln durchgesetzt. Dabei werden die Preise alle drei Jahre überprüft und aufs Durchschnittsniveau in den sechs Vergleichsländern Deutschland, Österreich, Frankreich, Grossbritannien, Dänemark und den Niederlanden gesenkt.

Nach der dritten Preissenkung in Folge, bei denen jeweils ein Drittel der Medikamente überprüft wurde, lässt sich eine Bilanz ziehen: Insgesamt haben die Preissenkungsrunden von 2012, 2013 und 2014 die obligatorische Krankenversicherung um 794 Millionen Franken pro Jahr entlastet. Zum Vergleich: Die gesamten Ausgaben für Medikamente betragen in der Grundversicherung 5,65 Milliarden Franken. Jeder achte Franken wurde also auf Druck des Bundes eingespart.

Dank der neusten Preissenkung sind Medikamente in der Schweiz gegenüber den sechs Vergleichsländern erstmals nicht mehr überteuert. Noch im Februar 2013 lag die Preisdifferenz bei 12 Prozent, wie ein Länderpreisvergleich von Interpharma, der Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz und dem Krankenkassenverband Santésuisse ergab. Im Februar 2014 war sie auf 5 Prozent geschrumpft. Jetzt gibt es gar keinen Preisunterschied mehr, wie Michaela Kozelka, Sprecherin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bestätigt: «Nach der Überprüfung der Aufnahmebedingungen alle drei Jahre geht das BAG davon aus, dass das Preisniveau der patentgeschützten Arzneimittel ab 1. November 2014 dem Preisniveau des Länderkorbs entsprechen dürfte.»

Anders stellt sich die Situation bei den Generika dar, wo der Preisunterschied mit 46 Prozent deutlich höher ist. Laut Santésuisse beträgt hier das Sparpotenzial 300 Millionen Franken. Zudem gebe es ein Sparpotenzial von ungefähr 500 Millionen Franken auf die Margen von Ärzten und Apotheken.

Die Pharmaindustrie nimmt die neuste Preissenkung zähneknirschend zur Kenntnis. «Nach Abschluss der drei Preisüberprüfungsrunden kann festgehalten werden, dass die Pharmaindustrie Hand geboten hat zu massiven, für die Branche durchaus schmerzlichen Preissenkungen», sagt Interpharma-Sprecherin Sara Käch.

Doch bereits macht Gesundheitsminister Alain Berset weiteren Druck auf die Pharmaindustrie. Einerseits will er, dass die Krankenkassen ab 2015 nur noch die günstigsten Generika bezahlen. Will ein Patient ein teureres Medikament, muss er den Preisunterschied selbst bezahlen. Anderseits sollen die Preise der Originalpräparate weiter sinken, indem der Nutzen eines Medikaments stärker berücksichtigt wird. Ausserdem will Berset die Toleranzmarge von 5 Prozent bei der Umrechnung der ausländischen Preise in Franken auf 3 Prozent senken.

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