Konsumenten müssen sich an einen neuen Namen gewöhnen: Das Kreditkartenunternehmen Mastercard lanciert kommendes Jahr in der Schweiz eine Zahlkarte mit der Bezeichnung Debit Mastercard (DMC). Das bestätigt die Geschäftsführung gegenüber der «Schweiz am Sonntag». In 32 Ländern ist diese Karte bereits heute erhältlich.

DMC ist eine sogenannte Debitkarte: Wie bei Maestro, Postfinance Card oder VPay von Visa werden Einkäufe und Bargeldbezüge direkt auf dem Konto belastet. Allerdings könne die Karte gleich wie eine Kreditkarte eingesetzt werden, sagt Jorrit de Boer von Mastercard. «Sie wird eine Kontaktlos-Funktion haben, welche das schnelle Bezahlen wie bei neuen Kreditkarten ermöglicht», sagt er. Für Einkäufe mit kleinen Beträgen muss die Karte nur kurz an ein Gerät an der Kasse gehalten werden.

Zudem sollen mit DMC auch Einkäufe im Internet möglich sein, was heute mit Maestro nicht und mit der Postfinance-Karte nur beschränkt geht. «Mit der Karte kann man genau gleich bezahlen wie mit einer Kreditkarte», sagt de Boer. «Und das auf der ganzen Welt.»

Im Ausland gibt es auch Kombikarten, bei denen auf der gleichen Karte die Debit- und die Kreditfunktion gespeichert sind. Kunden müssen beim Zahlen wählen, ob der Betrag sofort oder erst später belastet werden soll. De Boer kann derzeit jedoch nicht sagen, ob auch in der Schweiz diese Kombifunktion angeboten wird.

Aus der Schweiz stammt eine ganz besondere Entwicklung: Auf Tastendruck zeigt die Karte auf einem integrierten Display einen sicheren Code an, um Online-Transaktionen zu autorisieren. Banken wie die Credit Suisse nutzen eine ähnliche Technologie mit separaten Geräten für die Anmeldung im Internet-Banking. Ob eine Bank diese Funktion übernehmen wolle, sei ihr überlassen, sagt de Boer.

«Denkbar» und «möglich» ist einiges mit der neuen Karte. Mastercard präsentiert zahlreiche neue Funktionen, die man bei Maestro vermisst, obwohl die frühere «EC-Karte» ebenfalls ein Produkt des Mastercard-Konzerns ist.

Maestro wurde seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt, und das hat einen Grund: Vor Jahren versuchte Mastercard, eine neue Gebühr bei Maestro einzuführen. Bei jedem Einkauf sollte ein Prozentsatz des Kaufbetrags an die herausgebenden Banken überwiesen werden. Diese sogenannte Interchange-Gebühr gibt es bei Kreditkarten wie Visa, Mastercard oder American Express. Die Wettbewerbskommission (Weko) jedoch stellte sich bei Maestro quer. Sie monierte die marktbeherrschende Stellung von Mastercard und Postfinance, die den Markt für Debitkarten fast komplett unter sich aufgeteilt hatten.

Daher verbot die Weko die Einführung der zusätzlichen Interchange-Gebühr für Maestro. Seither trötzeln die Banken. Eine Maestro mit Contactless-Funktion dürfte es hierzulande daher kaum geben.

Die Weko liess jedoch ein Fenster offen: Neuen Anbietern im Markt gestand sie Freiheiten zu. Davon profitiert Visa, die auf ihrer VPay-Karte in den ersten Jahren eine Interchange-Gebühr einziehen darf (VPay gibt es bei Raiffeisen und bald bei der UBS). Und davon profitiert auch Mastercard. Bei der DMC wird eine Gebühr von im Durchschnitt bis zu 20 Rappen pro Einkauf an die Banken fliessen. Und das macht sie für diese interessant.

Der Handel beisst in den sauren Apfel. Wehrte sich der Verband Elektronischer Zahlungsverkehr (VEZ), hinter dem auch Coop und Migros stehen, früher gegen die neue Abgabe, so zeigt sich Verbandspräsident Rolf Hartl nun konziliant. Man begrüsse neue Angebote, sagt er. Und verweist darauf, dass die besagte Gebühr nur in den ersten drei Jahren eingezogen werden kann.

Die Gesamtkosten für den Handel lägen bei DMC deutlich tiefer als bei einer Kreditkarte, verspricht Mastercard-Manager de Boer. In den kommenden Wochen will Mastercard dem Handel die Konditionen kommunizieren.

Noch ist nicht bekannt, welche Banken DMC ihren Kunden anbieten werden. Auf Anfrage teilen Credit Suisse und Zürcher Kantonalbank mit, die Karte derzeit nicht einführen zu wollen. Die UBS will die Einführung «prüfen», sobald gewährleistet sei, dass die Karte im Handel akzeptiert werde.

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