Märkte schiessen sich auf Thiam ein

Tidjane Thiam erklärt am 21. Oktober 2015 die neue Strategie der Bank. Die Umsetzung verläuft schwierig. Foto: Reuters

Tidjane Thiam erklärt am 21. Oktober 2015 die neue Strategie der Bank. Die Umsetzung verläuft schwierig. Foto: Reuters

Der CS-Chef liefert sich internen Machtkampf. Aktie auf Rekordtief.

Die schlechteste Woche hatten Urs Rohner und Tidjane Thiam, die beiden Chefs der Credit Suisse. Die Aktien der Schweizer Grossbank büssten diese Woche 3,5 Prozent ein und notierten am Freitagabend bei Fr. 12.08. Damit befanden sich die Titel der einst so stolzen Kreditanstalt auf dem Niveau von 1991, wie die «Finanz und Wirtschaft» gestern anmerkte. Die Bank wird damit an der Börse noch mit einem Wert von 24 Milliarden Franken bewertet. Vor 10 Jahren unter dem alten Management war das Finanzinstitut dreimal so viel wert.

Und trotzdem, die CS ist kein Schnäppchen, zumindest sehen das die Märkte so. Hedge Funds positionieren sich gegen die Bank. Diese Woche sorgte Davide Serra, ein bekannter Hedge-Funds-Manager, für Aufsehen mit der Aussage, wenn Thiam innerhalb von zwölf Monaten keine Ergebnisse vorweisen könne, dürften «die Investoren das Handtuch werfen».

Thiam ist auf Investmentbanker angewiesen
Die tiefe Bewertung lässt die Fieberkurve im Unternehmen in die Höhe schiessen. Wie aus dem Innern der Bank zu hören ist, ist die Nervosität in der Firmenleitung gross. Es brennt auf allen Ebenen: Der gefährlichste Brandherd lodert im Investmentbanking in New York. Thiams Pläne, die Prestige-Abteilung zu verkleinern, haben die erfolgsverwöhnten Banker massiv verärgert. Der Franko-Ivorer, der vor einem Jahr mit hochfliegenden Plänen angetreten war, hat deren Vertrauen verspielt. Vor zwei Wochen bekam Thiam auf unmissverständliche Weise die Lobby der Angelsachsen zu spüren: In der «New York Times» und im «Wall Street Journal» erschienen Artikel, die von Revolte-ähnlichen Zuständen in der Bank sprachen. Sie wollen die in Zürich verordnete, kostspielige Abwrackstrategie nicht mitmachen.

Das Problem für Tidjane Thiam: Er ist noch lange auf die Investmentbanker angewiesen. Eine Bank, zumal eine so grosse wie die CS, ist nicht mit einem Industriekonzern zu vergleichen, der von einem Tag auf den anderen eine Sparte abtrennen kann. Bei einer Bank dauern Abbauprozesse viel länger. Das hat damit zu tun, dass die Banken Positionen bewirtschaften, die sich nicht per Dekret aus dem CEOOffice zum Verschwinden bringen lassen. Dass Abbauprozesse Monate, mitunter Jahre dauern können, sah man bei den UBS-Ramschpositionen, die in den Stabilitätsfonds der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ausgelagert wurden. Die SNB liess sich fünf Jahre Zeit mit dem Verkauf. Es resultierte ein Gewinn von 6,5 Milliarden Franken.

CS schneidet im internationalen Vergleich schlecht ab
Auch die CS verfügt über Positionen, die sie nicht mehr will. Das Volumen der sogenannten Strategic Resolution Unit beläuft sich auf 120 Milliarden Franken. Das entspricht etwa einem Fünftel der Schweizer Wirtschaftsleistung. Wenn die falschen Leute diese Positionen verwalten, können schnell riesige Verluste entstehen. Wenn Thiam Draht zu den Investmentbankern reisst, kann dies also sehr gefährlich werden. Die Abteilung wird dann zu einer Zeitbombe mit riesiger Sprengkraft.
Ebenfalls in die Kritik gerät die Regionalisierungsstrategie von Thiam. Das Problem ist, dass sie kaum hilft, Kosten zu sparen. Da viele Funktionen mehrfach geführt werden müssen, entstehen im Gegenteil neue Ausgaben. Die Sparziele sind deshalb schwierig zu erreichen.
Das alles drückt aufs Eigenkapital. Wie die «Schweiz am Sonntag» letzte Woche schrieb, brauchen die beiden Grossbanken bis Ende 2019 zusätzlich Dutzende Milliarden Franken. Die unter Thiam angehäuften Verluste zehren jedoch daran. Wie vergleichsweise schlecht die Bank kapitalisiert ist, zeigt ein neuer Vergleich von europäischen Finanzinstituten. Gemäss einer Aufstellung des unabhängigen Analyseinstituts Creditsights liegt die Schweizer Grossbank im europäischen Vergleich auf den hintersten Rängen (siehe Tabelle). Die Credit Suisse belegt Platz 28 von total 43 untersuchten Banken. Das einzige namhafte Institut, das noch schlechter platziert ist, ist die Deutsche Bank. Die UBS liegt auf dem vergleichsweise guten Rang 13.

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