Der Trend missfällt dem Zürcher Mieterverband. «Es kommt öfter vor, dass Verwaltungen das Halten von Haustieren verbieten», sagt Sprecher Walter Angst. Die Zahl der Anfragen, was man dagegen tun könne, nehme zu. «Verwaltungen wollen sich den Aufwand gering halten und greifen zum einfachen Mittel des Verbots.» Es dürfe nicht so weit kommen, dass keine Wohnungen mehr auf den Markt kommen, in denen Haustiere zulässig seien. «Der zusätzliche Aufwand für die Vermieter ist überschaubar; für vieler Mieter sind Haustiere hingegen ein echtes Bedürfnis.»

Tatsächlich gilt für viele Menschen: nicht ohne Lumpi, Rocky oder Luna. Das zeigt sich in einer neuen Umfrage. Dieser zufolge würden von den Haushalten mit einem Haustier rund 60 Prozent gar auf eine Wohnung oder ein Haus verzichten, wenn sie dorthin ihren Hund oder ihre Katze nicht mitnehmen dürfen. Weitere 20 Prozent geben an, sie würden «eher nicht» in ihr Traumheim ziehen. Auf dem Land hängen die Menschen noch mehr an ihren Haustieren als in der Stadt.

Die Umfrage wurde vom Hypotheken-Dienstleister Moneypark durchgeführt, 900 Haushalte nahmen teil. Moneypark-CEO Stefan Heitmann sagt: «Das zeigt, wie ungemein wichtig Haustiere in der Schweiz sind. Den Vermietern sollte das zu denken geben.» Zumal gemäss Bundesamt für Statistik rund 30 Prozent der Haushalte einen Hund oder eine Katze haben.

Grundbedürfnis Haustier
Für Heitmann sind die Resultate ein Argument mehr, sich ein eigenes Heim zu kaufen: «Käufer sind frei, Mieter eingeschränkt. Oft müssen Mieter auf Haustiere verzichten.» Bereits in früheren Studien hat Moneypark vorgerechnet, dass Kaufen dank der rekordtiefen Zinsen günstiger kommt als Mieten. Andere Immobilien-Experten, so etwa das VZ Vermögenszentrum, hielten dagegen. Was letztlich günstiger komme, hänge auch stark von der Entwicklung der Immobilienpreise ab.

Das Haustier-Argument für das Kaufen dürfte hingegen unumstritten sein. Dass Mieter oftmals auf Haustiere verzichten müssen, ist in der Umfrage erkennbar. So haben Eigenheim-Besitzer deutlich öfter Katzen als Mieter. Bei 25 Prozent der Eigentümer lebt im Haus eine Katze; bei Mietern sind es nur 17 Prozent.

Auch Hunde finden in Eigenheimen offenbar eher ihren Platz als in Mietwohnungen. 17 Prozent der Eigentümer können sich das Halten eines Hundes erlauben; bei den Mietern nur 9 Prozent. Umgekehrt halten Mieter häufiger als Eigentümer ein Kleintier wie einen Hamster oder ein Meerschweinchen. Das erklärt sich mit dem Mietrecht. «Kleintiere sind immer erlaubt», schreibt der Mieterverband dazu auf seiner Website.

Für die wissenschaftliche Forschung zu Haustieren passt die Moneypark-Umfrage ins etablierte Bild. «Kontakt zu Tieren ist ein Grundbedürfnis für Menschen, so wichtig wie der Kontakt zu Freunden, Eltern oder Geschwistern», sagt Anke Prothmann, Vorsitzende von «Tiere helfen Menschen». Der Verein, der grösste seiner Art in Deutschland, hilft Menschen mit ehrenamtlich organisierten Tierbesuchs-Diensten. Darum würden viele Menschen auf den Tod von Haustieren ähnlich reagieren wie auf den Tod von Verwandten.

«Überraschen sollte uns die hohe Bedeutung von Haustieren nicht», so Prothmann. «Der Mensch hat sich zusammen mit gezähmten Tieren entwickelt, das Leben in grösseren Siedlungen kam viel später.» Diese Koevolution von Mensch und Tier zeige sich am modernen Menschen. «Der Kontakt mit Tieren senkt etwa Herzfrequenz, Blutdruck oder die Ausschüttung von Stresshormonen», sagt Prothmann. Dies stärke das Immunsystem. «Die Leute werden weniger krank, brauchen weniger Arztbesuche und erleiden weniger Herzinfarkte. Selbst das Zusammenleben von Menschen verändert sich. «In Familien wird mehr miteinander gesprochen, es werden weniger Medien konsumiert.» Hunde würden Streit erkennen und darauf einzuwirken versuchen. «Das Zusammenleben von Hunden hat mit jenem von Menschen viel gemein, entsprechend sensibel reagieren sie auf zwischenmenschlichen Stress.»

Enger Mietmarkt
Haustiere als engste Lebenspartner, und dennoch werden sie häufiger verboten. Der Zürcher Mieterverband führt dies auf den engen Mietmarkt zurück. «Stehen die Mieter ohnehin Schlange, kann der Vermieter solche Verbote durchdrücken. Die Wohnungen füllen sich auch so», sagt Sprecher Angst. Stünden wieder mehr Wohnungen leer, hätten Vermieter wieder einen Anreiz, von Fall zu Fall zu entscheiden.

«Der Mieterverband hat nichts dagegen, dass Mieter die Tierhaltung anmelden müssen», sagt Angst. Rücksichtnahme auf Nachbarn sei sowieso Pflicht. In besonderen Situationen sei es auch zulässig, das Halten grosser Hunde oder im Garten herumstreunender Katzen zu verbieten. «Auf einen stichhaltigen und konkreten Grund für ein Verbot haben Mieter aber Anspruch. Schliesslich sind sie Kunden und nicht Untergebene.»

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