Libor-Gate hat das Potenzial zum grössten Skandal der internationalen Grossbanken. Anfang Woche sind die drei obersten Köpfe der englischen Barclays unter Druck von gefälschten Libor-Zinsen zurückgetreten. Nun greift die Schweizer Bankenaufsicht Finma ein. «Wir schauen uns den Fall mit den Libor-Unregelmässigkeiten genau an und stehen in engem Kontakt mit den betroffenen Instituten», bestätigt Sprecher Tobias Lux. Gemeint sind die UBS und die CS. Beide sind Gegenstand von weltweiten Untersuchungen rund um Manipulationen im 350 Billionen schweren Libor-Markt. Es laufen Verfahren von Straf- und Börsenbehörden der USA, Kanada, England und Japan.

Laut einem Insider hat die Finma den Grossbanken detaillierte Fragen gestellt, die aufgrund der sich überstürzenden Ereignisse laufend ergänzt werden dürften. Die Behörde will wissen, was sich die UBS und die CS in der Libor-Affäre zuschulden kommen liessen. Der Schweizer Wachhund könnte Verstösse nicht direkt ahnden, da allfällige Taten im Ausland begangen worden wären. Doch sollte die Finma im Rahmen ihrer Aufsicht zum Schluss kommen, dass die Grossbanken schlecht organisiert sind, kann sie Auflagen machen und Manager aus dem Verkehr ziehen.

Im Februar meldete die «Financial Times», dass die UBS Yvan Ducrot als Co-Chef des Zinsengeschäfts der UBS-Investmentbank und Holger Seger als Chef Kurzfrist-Zinsenhandel «suspendiert» habe. Weitere Mitarbeiter seien nicht mehr im Amt. Ducrot und Seger waren Spitzenkader im Handelszentrum der Schweizer Grossbank. Ducrot sagte gestern am Telefon, dass er immer noch bei der UBS angestellt sei. Zur Affäre und mögliche Vorwürfe gegen ihn wollte er sich nicht äussern. Seger war nicht erreichbar. Die UBS hält sich bedeckt. «Wir nehmen die Untersuchungen ernst und kooperieren voll und ganz mit den Behörden», sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Im Libor-Fall ist die Nummer 1 der Schweiz stärker exponiert als die CS. Während die CS nur in 3 der 10 sogenannten «Panels» von Banken sitzt, die einen bestimmten Libor-Zins für eine bestimmte Währung festlegen, sitzt die UBS in 5 solcher Gremien. Weitere wichtige Institute sind die US-Citibank und die Deutsche Bank. Täglich um 11 Uhr Londoner Zeit melden die jeweiligen Panel-Banken einen Zinssatz, zu dem sie von Konkurrenten kurzfristig Geld aufnehmen können. Die höchsten und tiefsten Werte werden gestrichen, vom Rest gilt der Schnitt als aktueller Satz. Darauf basieren weltweit viele Kreditzinsen.

Ein langjähriger Manager der UBS, der mit dem Libor-Fall vertraut ist, kritisiert die Ermittlungen. «Wie soll eine Bank mit grossen eigenen Positionen neutral und unabhängig einen Zins melden?», fragt der Banker, und hält den Finger auf einen schon immer existierenden Interessenkonflikt.

Während Japan rasch ermittelt, rechnet die untersuchende Schweizer Wettbewerbskommission, die insgesamt ein Dutzend Banken unter die Lupe nimmt, erst per 2014 mit ersten Ergebnissen.

Laut Weko-Vize Olivier Schaller ist das keine Frage der Ressourcen. «Wir sind zwar nur etwa 5 Leute für die 12 Libor-Banken, aber das reicht zurzeit. Wir haben das Dossier im Griff.» Das Weko-Budget von 12 Millionen für 75 Leute ist im Vergleich zum Riesen UBS unbedeutend. Auch gegenüber der holländischen Wettbewerbsaufsicht mit über 200 Leuten ist die Weko ein Winzling.

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