VON PETER BURKHARDT

Der harte Franken veranlasst nun erste Schweizer Firmen zu einer ungewöhnlichen Massnahme: Sie lassen ihre Mitarbeiter seit Anfang Jahr länger arbeiten. Betroffen sind 950 Mitarbeiter des Urner Kabel- und Gummiherstellers Dätwyler und 280 Beschäftigte der Tessiner Transformatorenfabrik Trasfor. Die wöchentliche Arbeitszeit wurde um zwei bzw. zweieinhalb Stunden erhöht – ohne entsprechende Lohnanpassung.

Ein Krisenartikel im Gesamtarbeitsvertrag der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie erlaubt dies bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausdrücklich. «Bei der Erhöhung der Arbeitszeit handelt es sich um eine Sofortmassnahme zur Sicherung von Arbeitsplätzen», sagt Dätwyler-Sprecher Guido Unternährer. Sowohl Dätwyler wie Trasfor sind zwar voll ausgelastet, leiden aber wegen des schwachen Euro unter sinkenden Margen.

Weitere Firmen wie der Stahlhersteller Swiss Steel prüfen längere Arbeitszeiten nun ebenfalls. Die Gewerkschaften Unia und Syna halten die Anwendung des Krisenartikels wegen Währungsproblemen aber für widerrechtlich und wollen das Schiedsgericht anrufen.

Pikanterweise war die Erhöhung der Arbeitszeit von Johann Schneider-Ammann, dem damaligen Präsidenten des Branchenverbandes Swissmem, schon Mitte Jahr als sinnvolle Notmassnahme vorgeschlagen worden. Als Bundesrat äussert er sich nun erstmals in einem Interview zur Euro-Schwäche. Er dämpft aber die Erwartungen an die Politik.

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