«KUNDEN VERSECKELT»

Die erste Reaktion auf die aussergerichtliche Einigung war Erleichterung. Doch jetzt wird klar: Um die Grossbank zu retten, wurden die Kunden «verseckelt», wie es Privatbankier Hummler formuliert. Und zugleich wurde das Bankgeheimnis geopfert.

VON ARTHUR RUTISHAUSER, PATRIK MÜLLER UND OTHMAR VON MATT

Die Kontoinformationen von 4500 amerikanischen UBS-Kunden sollen an die US-Steuerbehörde IRS ausgeliefert werden. Dies sagt eine gut informierte Quelle. Eine zweite Quelle bestätigt: «Es sind zwischen 4000 und 5000.»

Noch immer ist nichts Offizielles zum Inhalt des Vergleichs bekannt. Dieser soll für die UBS keine Geldstrafe vorsehen – Strafsteuern zahlen die Kunden selber, gemäss «Sonntag»-Informationen rund 4 Milliarden Franken.

Der Zürcher Bankenprofessor Hans Geiger, Doyen des Swiss Banking Institute, beurteilt den Vergleich so: «Es gibt zwei Sieger: die UBS, die ihr Überleben sichern konnte, und die IRS, die sich im Wesentlichen durchsetzte.» Und der Verlierer? «Ganz klar die Schweiz und unser Finanzplatz.»

Geiger sagt voraus: «Jetzt ist klar, dass auch Deutschland und Italien Druck machen werden.» Und nicht nur diese beiden EU-Länder. Aus Diplomatenkreisen verlautet, dass insbesondere Frankreich die Messer wetzt. Staatspräsident Nicolas Sarkozy wittert eine Chance, den ungeliebten Finanzplatz Schweiz jetzt anzugreifen.

Privatbankier Konrad Hummler, einer der Wegelin-Teilhaber, äussert sich gegenüber dem «Sonntag» erstmals zum Vergleich. «Alle reden von Erfolg, die IRS, der Bund, die UBS. Das kann doch gar nicht sein! Obwohl wir über die Details noch nichts wissen – ahnen kann man einiges: Der Gelackmeierte wird der Kunde sein, dem man etwas versprach, das man nun rückwirkend nicht mehr hält.»

Hummler weiter: «Falls die UBS neuerlich Kundendaten herausrückt, selbst wenn oberflächlich gesehen die schweizerische Rechtsstaatlichkeit gewahrt bleibt, dann handelt es sich um einen Treuebruch.» Dieser «Treuebruch» werde «auf dem Schweizer Private Banking und auf unserem Land lasten».

Die faktische rückwirkende Kriminalisierung sei das grössere Problem als jegliche Geldzahlungen, die vielleicht zu leisten gewesen wären. Denn die rückwirkende Kriminalisierung widerspreche allen rechtsstaatlichen und ethischen Grundsätzen.

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