Es sind anspruchsvolle Aufgaben, für welche der Bund geeignetes Personal sucht: «Erfassen von Entwürfen für Interventionen der Schweiz im UNO-Menschenrechtsrat» oder «Teilnahme, Vor- und Nachbereitung an Sitzungen der WHO». Entsprechend hoch sind die Ansprüche an die Bewerber: Gefragt sind ein Hochschulabschluss in Wirtschaft, Recht oder internationalen Beziehungen und Kenntnisse zweier Landessprachen sowie des Englischen. Die Kosten, die beim Bund im günstigsten Fall pro Monat für diese Stelle anfallen: 550 Franken.

Die beschriebenen Stelleninserate finden sich auf einer Liste der «Social Management Services» (Soms), einem Angebot der Stiftung für Arbeitsgestaltung SAG. Soms vermittelt Berufspraktika in der Bundesverwaltung an Arbeitslose. Diese Massnahne soll Arbeitslose wieder ins Erwerbsleben eingliedern, indem sie Berufserfahrung sammeln und Kontakte knüpfen. Der Einsatzbetrieb, im Fall der Soms-Praktika die Bundesverwaltung, bezahlt nur 25 Prozent der Taggelder. Der Rest der Entschädigung übernimmt die zuständige kantonale Arbeitslosenkasse.

«Differenz nicht gerechtfertigt»
Hat der Praktikant nur Anspruch auf das Mindesttaggeld von 102 Franken, bezahlt der Bund bloss 550 Franken im Monat – ein Viertel der monatlichen Mindestentschädigung von 2213 Franken. War der Soms-Praktikant vor seiner Arbeitslosigkeit berufstätig, hat er Anspruch auf ein höheres versichertes Einkommen. Dann steigen auch die Kosten für den Bund. Reguläre Praktikantenstellen für Hochschulabsolventen muss der Bund vollständig aus seinem eigenen Budget bestreiten. Mit Bachelor-Abschluss erhalten Praktikanten knapp 3800 Franken, mit einem Master knapp 4200 Franken im Monat.

Der Einsatz von Edel-Arbeitslosen, die den Bund teilweise nicht mehr als ein Taschengeld pro Monat kosten, erntet Kritik: «Berufspraktika für Arbeitslose haben immer problematische Aspekte», sagt Thomas Geiser, Professor für Arbeits- und Sozialversicherungsrecht an der Universität St. Gallen. Darunter das Risiko, dass durch die Praktika für Arbeitslose reguläre Arbeitsplätze konkurriert werden. Aufgrund der geringen Anzahl Soms-Stellen im Vergleich zum gesamten Personalbestand des Bundes sei dieses Risiko zwar gering. Nicht auszuschliessen aber sei, dass einzelne Verwaltungsstellen darauf verzichteten, aus ihrem ordentlichen Budget reguläre Hochschulpraktikanten anzustellen. «Ist das Budget aufgebraucht, sagt sich wohl manche Amtsstelle: Können wir bitte noch einen Soms-Praktikanten haben?» Diese seien finanziell attraktiver. Der Entlöhnungsunterschied zu regulären Praktikanten sei in dieser Höhe nicht gerechtfertigt.

«Attraktive Ausweichmöglichkeit»
Edlys Mühlethaler, Soms-Angebotsleiterin, betont, dass sich Soms-Praktika nicht mit regulären Hochschulpraktika vergleichen liessen. Das Ziel sei unterschiedlich. Auch würden verschiedene Zielgruppen angesprochen. Dennoch schliesst auch sie nicht aus, dass Verwaltungseinheiten Soms-Praktikanten beschäftigten, weil das Budget nicht für reguläre Hochschulpraktikanten ausreichte. In Zeiten von Sparprogrammen sei das eine «attraktive Ausweichmöglichkeit». Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) widerspricht: Die Zahl der regulären Praktikumsplätze habe über die letzten Jahre tendenziell zugenommen. Es bestehe keine Gefahr, dass reguläre Praktikumsstellen durch Soms-Praktika ersetzt würden.

«Gesellschaftliche Verantwortung»
«Die Hochschulpraktika des Bundes sind ein Marketinginstrument, um gezielt qualifiziertes Personal für die Bundesverwaltung zu rekrutieren», ergänzt Anand Jagtap vom Eidgenössischen Personalamt. Soms-Praktika hingegen seien ein Beitrag zur Wiedereingliederung von Arbeitslosen: «Für die Bundesverwaltung gehört das zur gesellschaftlichen Verantwortung.» Soms-Praktikanten sind verpflichtet, sich während ihres Einsatzes um eine Festanstellung zu bemühen. Finden sie eine zumutbare Stelle, müssen sie diese antreten. Ein Drittel bricht darum das Praktikum vorzeitig ab. Für Soms-Leiterin Mühlethaler ist klar: «Die Massnahme entlastet die Arbeitslosenversicherung.» Durchschnittlich 72 Prozent finden während oder direkt nach dem Praktikum eine Festanstellung.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper