Für ein Stück Plastik 100 Franken pro Jahr? 10 Franken für einen Bargeldbezug? 2,5 Prozent Zuschlag in ganz Europa? Deutsche Kunden staunen, wenn sie die Gebühren sehen, die Schweizer Kreditkartengesellschaften ihren Kunden belasten. Und die laufend aufschlagen, wie die «Schweiz am Sonntag» vor einer Woche gezeigt hat. Verschiedene Banken haben Gebühren für Einkäufe im Ausland, die in Franken abgerechnet werden, eingeführt. Und die UBS hat vor kurzem ihre Gebühr für Bancomatenbezüge auf stolze 4 Prozent erhöht.

Deutsche Kreditkarten sind deutlich billiger. Ihre Jahresgebühren sind tiefer, und sie kennen meist auch keine Gebühren für Bargeldbezüge am Automaten. Bei Schweizer Banken sind diese sehr teuer. Verschiedene deutsche Online-Banken bieten Pakete an, zu denen nicht nur eine kostenlose Kreditkarte, sondern auch ein kostenloses Lohnkonto und manchmal auch gleich noch eine Maestrokarte gehören. Das gibt es in der Schweiz nirgends.

Solche Konten können sich auch für Schweizer lohnen. Sei es für den gelegentlichen Einkauf in Süddeutschland, die Geschäftsreise nach Frankfurt oder die Ferien in Griechenland. Denn viele deutsche Banken bieten ihre Konten auch Schweizern an.

Eine von ihnen ist die Internet-Bank DKB. Zu ihrem spesenfreien Paket «DKB Cash» gehören ein Lohnkonto und eine Visa-Kreditkarte. Die Karte kann für Zahlungen in der ganzen EU ohne Auslandzuschlag eingesetzt werden. Geld vor Ort an einem Bancomaten mit Visa-Logo abzuheben, sei sogar weltweit kostenlos, versichert Sprecherin Dana Wachholz. Vereinzelt könne es sein, dass Banken ausserhalb Deutschlands zusätzliche Spesen verrechneten. Das müsste dann aber speziell deklariert werden. «Natürlich können auch Schweizer ein solches Konto eröffnen», sagt die Sprecherin.

Zwei Hürden haben Schweizer allerdings, die im Ausland fremdgehen wollen. Bevor das Geld ausgegeben werden kann, muss es erst mal auf das entsprechende Bankkonto gelangen. Anders als eine Inlandüberweisung ist eine Überweisung nach Deutschland meist kostenpflichtig. Im europäischen, sogenannten Sepa-Standard ausgeführt, kostet sie bei den meisten Schweizer Banken ein paar Franken. Ein einziger Bargeldbezug mit einer Schweizer Kreditkarte im Ausland ist allerdings bereits teurer.

Die grössere Hürde ist die Kontoeröffnung. Die Bank muss den neuen Kunden identifizieren. Dazu müsse ein Schweizer eine beglaubigte Ausweiskopie einschicken, sagt die DKB-Sprecherin. Diese könne er bei einem Anwalt oder einer Bank anfertigen lassen. Kunden aus Deutschland können das – deutlich billiger – auch bei der Post machen.

Das wird bald einfacher, denn die DKB hat es auf die Schweizer Kunden abgesehen. Sie plant die Ausweitung eines Verfahrens, das sich innerhalb Deutschlands bereits durchgesetzt hat. Dort können sich neue Kunden per Video-Chat ausweisen. Sie brauchen ihren Pass bloss vor die Kamera zu halten, damit ihn der Bankangestellte kontrollieren kann. DKB plane, dieses Verfahren auch für Kunden in der Schweiz einzuführen.

Bei Konkurrentin Comdirekt ist es bereits so weit. Auch diese deutsche Internet-Bank bietet kostenlose Lohnkonten mit Visa-Karte an. Die Video-Identifizierung funktioniere auch für Schweizer, sagt Pressesprecherin Ullrike Hamer. Auch die Registrierung auf einem deutschen Postamt sei möglich. Einen Nachteil haben Schweizer: Man stelle ihnen nur Prepaid-Visakarten aus, sagt Hamer. Das Geld muss also im Voraus aufs Konto einbezahlt werden. Das scheint für viele aber keine wirkliche Hürde zu sein. «Von unseren nicht in Deutschland wohnenden Kunden machen Schweizer einen grossen Teil aus», sagt die Sprecherin.

Warum aber sind die deutschen Banken billiger? Die reinen Onlinebanken haben ein eigenes Geschäftsmodell. Da sie ohne Filialen sind, bieten sie ihren Kunden den Bargeldbezug auf diese Weise an. Geld versuchen sie dann mit anderen Dienstleistungen zu verdienen. Zudem spielt der Preiswettbewerb in Deutschland stärker.

Teurer sind die deutschen Karten nur in der Schweiz. Denn hier wird bei ihnen eine Fremdwährungsgebühr fällig. Doch aufgepasst: Bancomatenbezüge sind selbst hier mit deutschen Karten billiger. Die bis zu 10 Franken Mindestgebühr der Schweizer Banken lassen sich nur schwer überbieten.

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