VON ARTHUR RUTISHAUSER

Um zu verstehen, wie es zum UBS-Debakel kam, muss man ins Jahr 2004 zurückblenden. Damals kündigte Konzernchef Peter Wuffli einen Strategiewechsel an. Man wolle künftig stärker wachsen, mehr Risiken eingehen. UBS-Präsident Marcel Ospel träumte von der grössten Investmentbank der Welt.

Doch für mehr Risiken braucht es mehr Eigenkapital, das schreiben die internationalen Normen vor. Massgebend für die Berechnung des Risikos ist der so genannte «Value at risk (VaR)». Er berechnet sich anhand von Verlustzahlen der vergangenen Jahre. Sind viele Verlustjahre oder grosse Schwankungen aufgetreten, steigt der Value at Risk – und damit das verlangte Eigenkapital. Dieses war zu knapp für das Wachstum.

Die UBS suchte einen Ausweg: Im März 2004 beantragte sie bei der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK, so hiess die Finma damals), für amerikanische Anleihen einen günstigeren Zeitpunkt und günstigere Berechnungsmethoden zu berücksichtigen.

Die EBK bewilligte dies im Juli 2004. Die Wirkung war verheerend, wie die Finma heute schreibt: «Als die UBS die Zeitreihen im September 2004 einführte, ging der VaR der Investmentbank um 38 Prozent zurück. Mit den gleichbleibenden Limiten vergrösserte die UBS den Risikoappetit für diese Produkte.» Auf die Frage, wie die EBK dazu kam, so etwas zuzulassen, gibt die Finma keine Antwort.

Weiter hatte die UBS offenbar gravierende Probleme mit der Informatik. Dazu die Finma: «Schon früh thematisierte die EBK mit der Bank die starke Fragmentierung der IT-Plattform, insbesondere bei Derivaten. Im Laufe des Jahres 2005 erhielt die EBK dazu sowohl von der UBS als auch von externen Beratungsfirmen erstellte Berichte und Präsentationen.

Diese Berichte bestätigten die Bedenken der EBK, dass Schwachstellen in der Infrastruktur der UBS bestehen, welche die Transparenz vor allem in komplexen, strukturierten und derivativen Produkten stark beeinträchtigen könnten.»

Die UBS sucht danach zwar nach Lösungen, aber offenbar genügten diese nicht. «Mit der Zeit stellte sich (. . .) heraus, dass kaum Fortschritte erzielt wurden», schreibt die Finma. Die Bank flog bei ihrer Expansionspolitik trotzdem weiter, laut Finma offensichtlich im Blindflug: «Das Management-Informationssystem und die Berichte der Bank fielen der EBK als zu detailliert sowie zu wenig fokussiert und zeitnah auf.

Die Bank benötigte bis zu zwei Monate zur Erstellung der internen Risikoreporte, was dazu führte, dass diese zum Zeitpunkt der Lektüre bereits überholt waren. Viele der Anfragen der EBK konnten von der Bank nicht beantwortet werden.»

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