VON FLORENCE VUICHARD

Der rasante Anstieg der Krankenkassenprämien ist für die Schweizer eines der drängendsten Probleme, nur die Arbeitslosigkeit rangiert noch höher im Sorgenbarometer. Jetzt verspricht die CVP Abhilfe: Gehts nach der Familienpartei, dann sollen die Kinder künftig keine Prämien mehr bezahlen müssen. Das geht aus einer parlamentarischen Initiative der Aargauer Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel hervor, die dem «Sonntag» vorliegt.

Heute zahlen Eltern für die Krankenkassenprämien durchschnittlich 76 Franken pro Kind und Monat – oder 912 Franken pro Jahr. Hat Humbel mit ihrem Vorstoss Erfolg, werden Kinder bis 18 Jahre neu gratis versichert. Unterstützung verspricht sich die CVP-Politikerin von den Linken und Grünen sowie von den kantonalen Gesundheitsdirektoren, die vor ein paar Jahren für die Prämienbefreiung der Kinder gekämpft haben.

Des einen Freud ist des anderen Leid. Denn wenn die knapp 1,55 Millionen Kinder bis 18 Jahre keine Krankenkassenprämien mehr einzahlen, entsteht bei den Versicherern ein Loch von rund 118 Millionen Franken. Dieses müsste gemäss Humbel von den Erwachsenen gefüllt werden. «Die Durchschnittsprämie für Erwachsene würde steigen», räumt die Nationalrätin ein. Für die 19- bis 25-Jährigen jedoch sieht Humbel in ihrem Vorstoss eine «reduzierte Erwachsenenprämie» vor.

Gemessen an den neusten Zahlen der Schweizerischen Sozialversicherungsstatistik würde die durchschnittliche Prämie für Erwachsene um rund 7 Prozent ansteigen – von heute 323 auf 345 Franken pro Monat. «Wer wegen der höheren Krankenkassenprämien in Schwierigkeiten kommt, wird ja über Prämienverbilligungen wieder entlastet», sagt Humbel.

Die Gesundheitspolitikerin erhofft sich vom Systemwechsel aber auch Einsparungen – insbesondere in der Verwaltung der Prämienverbilligungen. «Das Prämienverbilligungssystem ist kompliziert und bedingt einen hohen administrativen Aufwand», sagt Humbel. Konkret werden über das heutige System jährlich an die 4 Milliarden Franken umverteilt – Tendenz steigend.

1,2 Millionen Haushalte – drei von zehn – erhalten heute Prämienverbilligungen.

Rund 2,3 Millionen Personen haben 2009 von Prämienverbilligungen profitiert, davon über 660000 Kinder. Damit subventioniert das aktuelle System bereits heute fast jede zweite Kinderprämie. «Aber das Ganze ist doch sehr undurchsichtig», bemerkt Humbel. Besonders kompliziert ist das aktuelle Prämienverbilligungssystem, weil es von Kanton zu Kanton unterschiedlich gehandhabt wird und zudem doppelspurig läuft: Zum einen gewähren die Kantone den Haushalten in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen Prämienverbilligungen.

Zum andern subventionieren sie seit 2006 zusätzlich die Prämien von Kindern und jungen Erwachsenen bis 25 Jahre in Haushalten mit kleineren und mittleren Einkommen. «Ich bin sicher, dass hier mit mehr Effizienz eine stattliche Summe eingespart und damit die Steuerkasse des Kantons entlastet werden könnte», so Humbel.

Werden mit dem Giesskannenprinzip alle Kinder von ihrer Prämienpflicht entlastet, so könnten auch die reichen Familien von der Gratis-Krankenversicherung profitieren. «Das muss nicht sein», entgegnet Humbel. «Wir könnten allenfalls eine Einkommensobergrenze festlegen, ab welcher die Eltern für ihre Kinder wieder Prämien zahlen müssten.»

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