VON BENJAMIN WEINMANN

Die 159 Migrolino-Shops an Bahnhöfen und Tankstellen führen nebst Milch, Brot und Eiern auch Wodka und Zigaretten. Andere Tochterfirmen wie Denner und Globus ebenfalls. Der Unterschied: Beim Discounter und beim Warenhaus gibt es keine Cumulus-Punkte. Bei den Migrolino-Shops hingegen schon.

Dass Konsumenten für den Kauf von Suchtmitteln mit Treuepunkten belohnt werden, passt den Delegierten des Migros Genossenschaftsbundes überhaupt nicht. «Deshalb hat die Delegiertenversammlung (DV) kürzlich bei der Verwaltung beantragt, dass es für Alkohol- und Tabakprodukte in Zukunft in keinem Migros-Unternehmen mehr Cumulus-Punkte geben soll», sagt Ursula Nold, Präsidentin der 111 Delegierten des Migros Genossenschaftsbundes und nominell oberste Migros-Frau.

«Damit wird eine einheitliche Praxis festgelegt», so Nold. Migros-Sprecherin Monica Glisenti bestätigt: «Wir prüfen, wann und wie wir den Entscheid der DV umsetzen können, dass es für Alkohol und Tabak in Migrolino-Geschäften in Zukunft keine Cumulus-Punkte mehr gibt.»

Ende 2008 zählte die Migros rund 2,7 Millionen Cumulus-Kartenbesitzer, die 78 Prozent des Umsatzes generierten. Jedoch gibt es weiterhin einen Weg, beim Kauf von Bier, Wein und Spirituosen Cumulus-Punkte zu sammeln: Wer in Besitz einer Cumulus-Mastercard ist, erhält pro 2 Franken einen Cumulus-Punkt – in jedem Geschäft. Wer also mit der Migros-Kreditkarte bei Coop sechs Flaschen Wein für 100 Franken kauft, bekommt 50 Cumulus-Punkte gutgeschrieben. «Dagegen haben wir nichts einzuwenden», sagt Ursula Nold.

Dass die Migros in ihren Tochtergesellschaften mit Alkohol und Tabak Umsatz macht, passt vielen Anhängern von Duttis Gedankengut gar nicht. Schliesslich wehrte sich Duttweiler zeitlebens, Alkohol und Zigaretten zu verkaufen. So schrieb der Migros-Vater 1947 im MGB-Organ «Wir Brückenbauer», dem heutigen «Migros-Magazin»: «Wie viel geistiges, körperliches und Schuldenelend, wie viel Familienunglück hat unmässiger Alkoholgenuss auf dem Gewissen!»

In den NeunzigerJahren wurde dieses Verkaufsverbot jedoch aufgeweicht. Seither verzichtet die Migros nur noch in den M-Verkaufsstellen auf die Suchtmittel. Diese Statutenänderung erlaubte dem Detailhändler die Übernahme von Globus und später von Denner. Bei Migrolino ist die Nähe zur Migros-Marke für Kritiker hingegen zu gross. Sowohl der Name als auch der orange Schriftzug erinnern sehr stark ans Mutterhaus.

Bewantworten Sie dazu die Sonntagsfrage: "Soll die Migros Alkohol und Tabak verkaufen?"

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