Erschöpft sinkt die Gruppe chinesischer Touristen in die weichen Sessel bei Prada an der Zürcher Bahnhofstrasse. Zu ihren Füssen stehen etliche Einkaufstaschen. Sie tippen auf ihren Handys, blicken auf, wenn ihnen die emsigen Verkäuferinnen ein neues Taschenmodell unter die Nase halten. Kurze Zeit später stürzen sie mit einer Tasche mehr am Arm wieder ins weihnachtliche Lichtermeer der Bahnhofstrasse.

Solche Szenen sind in Schweizer Luxusläden seltener geworden. Die kauffreudige Klientel aus Asien hat 2016 erneut markant abgenommen. Schuld sind erschwerte Visabestimmungen, eine neue Luxussteuer und ein verschärftes Anti-Korruptions-Gesetz in China. Wie der weltweite Dienstleister für Mehrwertsteuerrückforderungen Global Blue anhand seiner Transaktionszahlen für 2016 schätzt, kamen 17 Prozent weniger Chinesen zum Shopping in die Schweiz. Bei den Russen sind es 12 Prozent.

Weniger Uhren, mehr Edelsteine
Das schenkt ein. Chinesen und Russen sind die zahlreichsten Touristen im hiesigen Luxusgeschäft. Hinter den Schaufenstern der Bahnhofstrasse herrscht Nüchternheit. «Wenn wir bis Weihnachten das ohnehin tiefe Umsatzniveau des vergangenen Jahres erreichen, ist das schon ein gutes Ergebnis», sagt Milan Prenosil, Präsident von Sprüngli und der Zürcher City-Vereinigung.

Grund für die Zurückhaltung sind die jüngsten Verkaufszahlen der Bahnhofstrasse. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Uhren-und-Schmuck-Verkäufer von Januar bis November über 14 Prozent weniger umgesetzt, die Textilanbieter liegen knapp unter dem Vorjahresumsatz, allein die Lebensmittelverkäufe blieben konstant.

Die Verkäufe seien rückläufig, bestätigt ein grosser Uhrenhändler, der ungenannt bleiben möchte. Die ausbleibenden Touristen aus China und Russland bekomme man stark zu spüren. Ähnlich dürfte es bei den Verkäufern aussehen, die vorschieben, man wolle bis nach Weihnachten noch keine Auswertung machen. Wer sich auf die asiatische Klientel eingeschossen habe, der leide heute besonders, sagt René Beyer, Chef des Uhren-und-Schmuck-Geschäfts Beyer. «Diese Käufer sind weniger geworden, allgemein geben Kunden ihr Geld heute bewusster aus», so der Chef.

Bei Beyer habe man sich mit dem Ausbau des Juwelengeschäfts alternative Nischen gesucht. «Damit haben wir den Umsatzrückgang im Uhrengeschäft mehr als wettgemacht.» Gerade in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit und im Niedrigzinsumfeld erfreuten sich Edelsteine grösserer Beliebtheit. Beim Umsatz konnte Beyer im Vergleich zum Vorjahr «im zweistelligen Prozentbereich zulegen». Bei den Uhren laufen bewährte Namen wie Rolex, Patek Philippe oder IWC noch am besten. «Das sind Marken mit einem hohen Wiederverkaufswert», so Beyer. Das sei vielen Kunden wichtig.

Auf ein Wintermärchen hoffen dieses Jahr auch die Textilverkäufer im Luxusbereich vergebens. Die Geschäfte liefen etwa gleich gut wie letztes Jahr, heisst es beim Modehaus Grieder. Bei Trois Pommes setzt man auf buschige Tannenbäume mit bunten Schleifchen, um die Kundschaft in den Laden zu holen. «Es läuft nicht schlecht, wir können uns nicht beklagen», sagt Besitzerin Trudie Götz. Sie betreibt Geschäfte in Zürich, Basel, St. Moritz und Gstaad. Aber auch hier: «Es fehlen vor allem die russischen Touristen.» In Zürich etwas weniger als in den Winterskiorten, wo die Saison erst kurz vor Weihnachten richtig losgehe.

Accessoires liefen in der Weihnachtszeit besonders gut, so Götz. Neben Labels wie Yves Saint Laurent und Maison Takuya seien vor allem Frühlingsfarben gefragt. Trotzdem: Während die kunstvoll drapierte Goldhalskette von Künstler Damien Hirst für mehrere zehntausend Franken wohl noch im neuen Jahr die Vitrine hüten wird, hat der Rabattverkauf im unteren Stockwerk auch in Götz’ Luxusladen Einzug gehalten – diskret, versteht sich, als «private Sale» für Stammkunden.

Trotz schwindender Luxustouristen aus Asien und stagnierender bis rückläufiger Umsätze, bei der Kulinarik geben Kunden zu Weihnachten noch mehr Geld aus. «Der gehobene Lebensmittelverkauf schlägt sich im Vergleich noch am besten», sagt Sprüngli-Präsident Milan Prenosil. «Zu Weihnachten schätzen viele Qualität.» Bei Globus gingen im Weihnachtsgeschäft bislang 110 000 Portionen Fondue-Chinoise-Saucen und 20 000 Flaschen Champagner über die Theke. Aber auch hier gilt: Was nach viel klingt, ist für das Gesamtjahr bestenfalls gleichviel wie 2015. Wie Globus-CEO Thomas Herbert diese Woche in der «Schweizer Illustrierten» sagte, könne er den Umsatz nur knapp halten. Praktisch gleich klingt es bei Jelmoli: «Die Weihnachtsumsätze bewegen sich auf Vorjahresniveau», sagt CEO Franco Savastano.

Einkaufstourismus stagniert
Daran seien auch die Rabattschlachten schuld, heisst es hinter vorgehaltener Hand. Einige Läden gewähren in der Vorweihnachtszeit Rabatt von bis zu 30 Prozent. Besonders unter Druck stehen Detailhändler wie Globus, Jelmoli oder Manor, die im Weihnachtsgeschäft bis 30 Prozent ihres Jahresumsatzes einnehmen. Sie leiden am meisten unter der Konkurrenz im Onlinehandel und dem Einkaufstourismus.

Immerhin gibt es an dieser Front zu Weihnachten frohe Nachrichten: Die jüngsten Daten der Handelskammer Hochrhein-Bodensee zeigen, dass die Anzahl der Schweizer Einkaufstouristen 2016 etwa gleich hoch ist wie nach dem Frankenschock 2015. «Die Zahl der Ausfuhrbescheinigungen wird den bislang höchsten Wert von über 17 Millionen im Jahr 2015 nicht mehr toppen», sagt Chef Claudius Marx.

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