Am Freitagabend hält die Zürcher FDP-Nationalrätin Doris Fiala das Schweigen der UBS-Führung nicht mehr aus. Sie ruft Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger an. Was sie nach dem persönlichen Gespräch berichtet, soll die Herzen erweichen für den früheren FDP-Bundesrat, «dem dieser ganze Fall persönlich sehr nahegeht», wie Fiala betont. Er sei «abgrundtief enttäuscht», so Villiger, der Betrugsfall sei «ein schwerer Rückschlag für die UBS», zitiert ihn Fiala.

Angesprochen auf Oswald Grübels Kritik an der Franken-Intervention der Nationalbank sagt Villiger: «Das war suboptimal.» Mit grosser Empathie, das will die Zürcher Nationalrätin auch festgehalten haben, habe Villiger über die Mitarbeiter und Aktionäre gesprochen, die wieder schwere Zeiten vor sich hätten.

Die Episode illustriert dreierlei. Erstens: Doris Fiala gehört nicht zu den Opportunisten in der FDP, die mit ihrem Parteimitglied Villiger nach dem jüngsten 2-Milliarden-Debakel der Grossbank den Rücken kehren. FDP-Nationalrat Philipp Müller (AG) bemühte sich in der «Arena» um Distanz zum Alt-Bundesrat, der 14 Jahre für den Freisinn im Bundesrat sass. FDP-Vizepräsident Markus Hutter (ZH) sagt: «Es gibt heute zwischen Villiger und der FDP keine Verbindung mehr.»

Fialas PR-Offensive, aber auch Hutters Distanzierung, die einem kalten Rauswurf aus der Partei gleichkommt, zeigen zweitens, dass sich die FDP der Brisanz dieses Debakels für die Partei bewusst ist. Nicht erst seit letzter Woche: Bereits am 4. März 2009, als bekannt wurde, dass Villiger das UBS-Präsidium übernimmt, läuteten die Alarmglocken. FDP-Chef Fulvio Pelli sei «stinksauer» gewesen, weil Villiger ihn nicht vorab über das «heikle Mandat» informiert hatte, erzählen Freisinnige.

Dafür rieb sich die politische Konkurrenz die Hände. Noch am Tag von Villigers Ernennung hat SVP-Nationalrat Peter Spuhler (TG), der als UBS-Verwaltungsrat die Krise der Bank mitverantwortet, FDP-Ratskollege Philipp Müller gratuliert: «Danke, dass ihr von uns die UBS übernehmt!» Gross der Schock deshalb in der FDP, als am Donnerstagmorgen die Nachricht über den Milliarden-Betrug mitten in die Nationalratsdebatte zur «Too big to fail»-Vorlage platzte. Eine «Truppe von Bleichgesichtern» sei die FDP-Fraktion gewesen, sagt ein CVP-Nationalrat.

Villigers Niedergeschlagenheit illusriert drittens das persönliche Scheitern des Alt-Bundesrats, der seinen Posten antrat mit dem Versprechen, der UBS eine neue Kultur zu verpassen. Entsprechend heftig die Kritik an ihm auch aus der eigenen Partei. «Villiger ist bereits an der Änderung der Boni-Kultur gescheitert, er hatte nicht die Kraft, sich gegen Grübel durchzusetzen, und ist eingeknickt», so FDP-Nationalrat Philipp Müller.

FDP-Kantonsrat und Bankenvertreter Hans-Peter Portmann (ZH) sagt: «Das Verantwortungsbewusstsein globaler Institute gegenüber der Gesellschaft muss sich ändern. Leider hat hier Villiger zu wenig bewirkt. Er ist mit seinem Vorhaben gescheitert, weil die Bankenwelt zu diesem Wandel noch nicht bereit war.» CVP-Ständerat Konrad Graber (LU) hat beobachtet, dass das UBS-Mandat Villiger veränderte: «Als wir ihn letzten Mai in der Wirtschaftskommission anhörten, schien mir, als käme er von einem anderen Planeten.» Graber: «Villiger ist zu einem Grossbanker mutiert, der kein Verständnis mehr hatte für politische Anliegen.»

Der Kantonalzürcher FDP-Präsident Beat Walti sagt: «Ich erwarte von Villiger, dass er jetzt hinsteht. Macht er ein Krisenmanagement, das diesen Namen verdient, kann der Schaden von der FDP noch abgewendet werden.»

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