Bei Julius Bär wird bald Champagner kühlgestellt. Nicht mehr lange, dann kann die Bank ein leidiges Kapitel der Geschichte schliessen. Oder zumindest die Rechnung bezahlen.

Im Steuerstreit mit den USA steht Bär kurz vor dem Durchbruch, wie die «Schweiz am Sonntag» aus dem Innern der Bank erfahren hat. «Wir gehen davon aus, dass die Einigung mit den USA noch vor dem Sommer stehen wird», sagt ein gewöhnlich sehr gut informierter Insider. Nicht äussern will er sich zum Preis des Deals: «Der wird erst ganz zuletzt feststehen», sagt er.

Die Bank sagt auf Anfrage nichts dazu und verweist auf die an der Generalversammlung gehaltene Rede von Bank-Präsident Daniel Sauter. Er stellte in Aussicht, eine der «nächsten Banken» zu sein, die sich mit den USA einigten.

Julius Bär gehört zu den Banken in der sogenannten Gruppe 1, die vom US-Justizdepartement verfolgt werden und ihre Altlasten nicht über das standardisierte Steuerprogramm abwickeln können, das die Schweiz ausgehandelt hat. Finden sie keine Einigung, droht den Banken eine Anklage. Und damit das Ende der internationalen Geschäfte.

«Bär möchte das wirklich hinter sich bringen», sagt Andreas Venditti, der für die Bank Vontobel Schweizer Banken analysiert. Bär sei blockiert und habe sich wegen des Prozesses strategisch zurückhalten müssen. «Die würden gerne weitere Akquisitionen tätigen, aber das ist schwierig, solange diese Busse in der Luft hängt.» Venditti erwartet, dass sie im Bereich von 300 bis 800 Millionen Franken liegen wird. «Bei meinen Bewertungen setze ich 600 Millionen ein.»

Auch andere Banken nähern sich einem Abschluss. Allgemein wird erwartet, dass zunächst die Grossen abgearbeitet werden. In Gruppe 1 wären das neben Bär etwa die Kantonalbanken aus Zürich und Basel. Während die Basler Kantonalbank bereits eine Rückstellung über 100 Millionen Franken in ihren Büchern stehen hat, hat die ZKB bisher keine solche Zahl kommuniziert.

In Gruppe 2 wird zudem die Bank EFG International als Kandidat gehandelt. Sie hat diese Woche kommuniziert, den früheren Sarasin-Chef Joe Strähle als neuen Chef verpflichtet zu haben. Gruppe 2 umfasst Banken, die gegenüber den USA eingestanden haben, amerikanisches Schwarzgeld verwaltet zu haben. Auf der Liste befinden sich auch zahlreiche Kantonalbanken, Bank Coop, Migros Bank, Valiant und die Postfinance.

In Gruppe 2 sei Bewegung auszumachen, sagt Alex Geissbühler, der gerade aus Washington zurückgekehrt ist. Er berät Banken und amtet als Gutachter gegenüber den USA. «Die meisten Banken der Gruppe 2 handeln derzeit ihre Bussen aus», sagt Geissbühler. Das brauche viel Zeit. Ausgangspunkt seien immer die maximal verwalteten Vermögen von US-Kunden. «Davon abgezogen wird Geld, das als legalisiert betrachtet werden kann. Und das gilt es zu belegen.»

Die drohenden Bussen in Gruppe 2 seien ab einem bestimmten Fortschreiten der Verhandlungen absehbar. «Das sieht man am Fall der Bank BSI, die bereits einige Zeit vor der Einigung genaue Rückstellungen bilden konnte», so Geissbühler. Schwieriger sei es in Gruppe 1. Dort gebe es keine exakte Formel. Die Erfahrungen zeigten, dass das Vorgehen der Bank und insbesondere die Kooperationswilligkeit einen grossen Einfluss hätten, sagt Analyst Venditti.

Venditti erwartet, dass die Banken in Gruppe 2 in Wellen drankommen, da das Justizdepartement nicht die Ressourcen habe, um die 80 Banken gleichzeitig abzuarbeiten. Es gelte aber das Ziel, bis Ende Jahr mit allen durch zu sein. Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf sagte vor kurzem, sie habe «Signale erhalten, dass es im Verlauf des Jahres zu Lösungen für die Banken» komme.

Nach der zuerst von der Finanzmarktaufsicht verordneten Vorsicht sehen einige Banken den Prozess inzwischen gelassener. Die Vermögensverwaltungsbank Vontobel stieg von Gruppe 2 in Gruppe 3 um, die Privatbank Mirabaud verliess das Programm ganz. Auch die Basellandschaftliche Kantonalbank ist aus dem Programm ausgestiegen, wie ihr Sprecher auf Anfrage bestätigt.

Venditti erwartet, dass nach Abschluss der Steuerbereinigung wieder etwas Bewegung in die Bankenlandschaft kommt. Einerseits sähen sich viele, wie Bär, in strategischen Schritten behindert. Andererseits gebe es kleinere Banken, bei denen die Bussen existenziell werden könnten. «Hat eine Bank nach dem Fall UBS noch Geld angenommen, sieht das Programm vor, dass sie die Hälfte davon als Busse abgeben muss», sagt Venditti. Das kann teuer werden.

Dabei hat die Affäre mit den unversteuerten Geldern amerikanischer Kunden schon heute tiefe Spuren im Schweizer Banking hinterlassen. Sie hat es richtiggehend auf den Kopf gestellt. Die UBS bezahlte 780 Millionen Dollar, die BSI 211 Millionen, die Credit Suisse sogar 2,6 Milliarden. Wegelin zahlte 75 Millionen und wurde liquidiert. Leumi bezahlte fürs Schweizer Geschäft eine Busse von 175 Millionen Dollar. Die Banken Frey und Neue Zürcher Bank stellten den Betrieb ein. Nicht zuletzt kam durch den Druck Amerikas das Bankgeheimnis dermassen unter Druck, dass es künftig bei Steuerhinterziehung nicht mehr gilt.

Am Ende werden die Banken teuer für das amerikanische Schwarzgeld bezahlt haben. Allein die UBS verwaltete einst 20 Milliarden Dollar, die teilweise zu anderen Schweizer Banken weiterflossen. Das soll gesühnt werden.

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