VON PETER BURKHARDT

Seit dem 1. Dezember geht nichts mehr am Schalter des Bahnhofs Eglisau ZH. Reisende können zwar weiterhin Billette und Mehrfahrtenkarten am Automaten beziehen. Wollen sie aber eine Bahnfahrt reservieren oder ein Abonnement kaufen, müssen sie auf Bahnhöfe in der Umgebung ausweichen.

Doch auch dort bleiben sie immer öfter vor verschlossenen Schaltern stehen: Im benachbarten Dorf Zweideln etwa wurde der Bahnhof Anfang Februar in eine unbediente Haltestelle umgewandelt, in Rafz ist es voraussichtlich im September soweit.

Das Zürcher Unterland ist nur ein Beispiel für die Sparkur, welche die SBB sich in den vergangenen Jahren verordnet haben. 1999 waren 450 ihrer 750 Bahnhöfe bedient, Ende 2003 waren es 348 von 760. Heute verfügen laut SBB-Sprecher Roman Marti nur noch 276 der aktuell 750 Bahnhöfe über eine bediente Verkaufsstelle. Das sind 72 weniger als noch vor fünf Jahren.

Selbst aus vielen ihrer verbleibenden Bahnhöfe haben sich die SBB zurückgezogen: An rund 50 haben Dritte den Ticketverkauf übernommen, etwa Agenturen, Avec-Shops und Poststellen.

Die SBB verteidigen den Kahlschlag mit dem zunehmenden Spardruck. «Die SBB haben vom Bund den Auftrag, das Unternehmen nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen zu führen», sagt Roman Marti.

«Vor diesem Hintergrund überprüfen wir die Verkaufsstellen laufend auf ihre Wirtschaftlichkeit.» Mit anderen Worten: Die SBB werden auch unter ihrem neuen Verwaltungsrats-präsidenten Ulrich Gygi unrentable Bahnschalter schliessen. Welche, bleibt geheim. Mediensprecher Marti beteuert aber, die SBB stellten sicher, dass in jeder Region eine bediente Verkaufsstelle schnell erreichbar bleibe.

Die nächste Abbauwelle könnten die SBB bereits Ende Mai starten. Bis dann geben sie bekannt, welche weitere Strecken sie automatisieren. Nach bisherigen Erfahrungen hat dies jeweils die Schliessung von Bahnhöfen zur Folge, die nicht mehr rentabel betrieben werden können. Die SBB bestreiten zwar einen Zusammenhang.

Roman Marti bestätigt aber: «Wir erarbeiten momentan einen Planungsausblick und gehen davon aus, dass dieser Ende Mai vorliegt.» Nach Informationen des «Sonntags» gehören zu den nächsten betroffenen Strecken die beiden Aargauer Linien Zofingen – Lenzburg und Zurzach – Siggenthal-Würenlingen.

Unmut über die Bahnhofsschliessungen herrscht beim Verein Pro Bahn Schweiz, der Interessenvertretung der Bahnkunden. «Wir sind dagegen, dass eine personallose Bahn betrieben wird», sagt Präsident Edwin Dutler. Scharfe Kritik kommt auch vom Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband.

«Wir wehren uns gegen diese Schliessungsoffensive», sagt Gewerkschaftssprecher Peter Moor. «Wir sind zwar nicht grundsätzlich gegen unbediente Bahnhöfe, aber die Grenze ist nächstens erreicht.»

Während die SBB beteuern, sie informierten vor jeder Bahnhofsschliessung frühzeitig die Öffentlichkeit, wirft ihr die Eisenbahner-Gewerkschaft Salamitaktik vor. Peter Moor: «Die SBB gelangt sehr spät an die Behörden und informiert immer nur im regionalen Rahmen, so dass man sich kein Gesamtbild des Abbaus machen kann.»