Seit Anfang April ist der staatliche aserbaidschanische Ölkonzern Socar einer von sechs Hauptsponsoren des Montreux Jazz Festival. Jetzt bekommt es Festivalchef Claude Nobs mit der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zu tun. Deren Schweizer Sektion fordert ihn in einem Brief vom Freitag auf, Socar zur Einhaltung der Menschenrechte zu bewegen.

Mitarbeiter von Socar waren am Mittwoch in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku an der Zwangsräumung und der Zerstörung zahlreicher Häuser beteiligt. Dabei prügelten Sicherheitsleute von Socar auf Journalisten ein, welche die illegale Aktion zu filmen versuchten. Drei Journalisten wurden schwer verletzt. Socar will im geräumten Gebiet Ölförderanlagen errichten. Bereits im Dezember führte Socar zusammen mit der Polizei Zwangsräumungen durch. Filmaufnahmen davon geben erschreckende Einblicke in das gewaltsame Vorgehen.

«In Zusammenhang mit den Menschenrechtsverletzungen mit direkter Beteiligung von Socar möchten wir Sie auf die massive Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit in Aserbaidschan hinweisen», heisst es im Brief von Amnesty, der dem «Sonntag» auszugsweise vorliegt. «Wir erachten es als kritisch, dass ein so renommiertes Jazzfestival nicht darauf achtet, ob seine Sponsoren in Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind», sagt Sprecherin Stella Jegher. Ihren Brief hat auch die Migros erhalten, die laut dem «Blick» 61 Schweizer Tankstellen-Shops von Socar übernimmt. Die Migros will das weder bestätigen noch dementieren – und äussert sich deshalb auch nicht zur Kritik an Socar.

Die entwicklungspolitische Organisation Erklärung von Bern findet, wegen Socar leide die Glaubwürdigkeit der Migros und des Jazzfestivals Montreux. «Sie sollten sich gut überlegen, mit wem sie sich da einlassen», sagt Sprecher Oliver Classen. «Es gibt einen eklatanten Widerspruch zwischen der offensiven Imagepolitur von Socar in der Schweiz und der Lage im autoritär bis diktatorisch regierten Aserbaidschan.»

Zweifel an Socar waren schon früher laut geworden. Dem Ölförderer werden Korruption und Intransparenz vorgeworfen. Transparency International führte Socar 2011 auf einer Liste von 44 untersuchten Öl- und Gasunternehmen auf dem letzten Platz auf.

Auf die Frage der «az», ob er keine Probleme sehe, mit einer staatlichen Firma eines Staates zu geschäften, der die Menschenrechte mit Füssen tritt, antwortete Claude Nobs am Freitag: «Das ist mir natürlich nicht egal. Wir haben da leider keinen Einfluss. Aber Socar gibt nur das Geld und stellt keine Forderungen.» Darüber hinaus wollte sich das Jazzfestival Montreux nicht zur Kritik äussern.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!