Auch Schweizerinnen und Schweizern, die Schwarzgeld auf ihren Konten liegen haben, gehts an den Kragen. Erste Banken werfen Kunden hinaus, die ihre Steuern nicht bezahlen. Neues Beispiel ist die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB). Sie habe Ende letzten Jahres alle Kundenbeziehungen auf verdächtige Merkmale wie Nummernkonten gescannt, sagt Bankchef Beat Oberlin im Interview. Nun werde man diese Kunden ansprechen. Könnten sie nicht plausibel darlegen, dass ihr Konto versteuert ist, erhielten sie eineinhalb Jahre Zeit, um die Situation zu bereinigen. Ansonsten künde man das Konto.

Die aargauische Kantonalbank (AKB) ist bereits weiter. Im Jahr 2013 habe man begonnen, Schweizer Kunden anzusprechen, wenn der Verdacht auf Steuerhinterziehung vorliege, sagt Sprecherin Ursula Diebold. Man habe sie aufgefordert, ihre Situation zu bereinigen. Jene, die das nicht getan hatten, wurden im vergangenen Dezember noch einmal angeschrieben. «Sie haben noch Zeit bis Ende März», kündigt die Sprecherin an. Ansonsten würden die Konten aufgelöst. Bei ausländischen Kunden lief diese Frist bereits Ende Januar ab.

Im Zweifel verlangen die beiden Banken einen schriftlichen Beleg dafür, dass die Vermögen versteuert sind. Dieser kann entweder von einem Treuhänder stammen, oder er kommt direkt vom zuständigen Steueramt.

Mit ihrem Vorgehen brechen die Banken ein Tabu: Schwarzgeld von Schweizer Kunden. Gibt es das überhaupt? «Ja», monieren Kritiker schon lange. «Nein», heisst es in der Regel bei Bankenvertretern. Oder «nur wenig».

aufgeflammt ist die Diskussion um das Bankgeheimnis durch gestohlene Daten der Genfer HSBC, die vor einer Woche publik gemacht wurden. Zwar sind diese Daten acht Jahre alt. Von vielen ausländischen Kunden hat die Bank sich inzwischen getrennt. Spannend ist aber der Blick auf die Schweizer Kundschaft, bei der sich deutlich weniger geändert haben dürfte.

Glaubt man den publizierten Statistiken, so führte die HSBC Konten von gut 11 000 Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz. Deren Vorlieben unterschieden sich nur unwesentlich von jenen des internationalen Publikums. Etwa 33 Prozent der Inlandkunden hatten ein Nummernkonto, das verhindert, dass der Name des Bankkunden auf Unterlagen auftaucht. Bei den ausländischen Kunden ist dieser Anteil nur leicht höher.

Kaum Unterschiede gibt es zudem bei komplexen Offshore-Strukturen. Rund 14 Prozent der Schweizer Kunden nutzten Firmen in exotischen Destinationen, um ihr Vermögen zu verschleiern oder die Steuern zu «optimieren». Da liegt der Verdacht nahe, dass auch der Schwarzgeldanteil im Inland ähnlich hoch war wie bei den Kunden mit Wohnsitz im Ausland. Bewiesen ist das allerdings nicht.

Offiziell schreiben sich heute die meisten Banken auch fürs Inlandgeschäft eine «Weissgeldstrategie» auf die Fahne. Aktiv gehen aber die wenigsten vor. Eine, die mittlerweile ebenfalls Massnahmen ergriffen hat, ist die Basler Kantonalbank (BKB). Bis Ende Jahr müssen alle Schweizer Kunden schriftlich beteuern, dass ihr Vermögen versteuert ist, wie Sprecher Michael Buess erklärt. Viele Kunden wurden bereits angeschrieben oder im Rahmen der persönlichen Beratung angesprochen.

Die BKB kann bereits ein erstes Fazit vorweisen. In einem Testlauf hatte sie das Formular 1600 Kunden vorgelegt. 93 Prozent hätten letztlich unterschrieben, sagt Sprecher Buess. Eine zweite, breitere Welle mit 12 000 Kunden habe einen Rücklauf von 80 Prozent ergeben. Nun werde man nachfassen. Anders als die Banken von Baselland und Aargau verlangt die BKB keinen Beleg.

In Basel ist die Weissgeldstrategie schon bald obligatorisch. Das Kantonalbankengesetz, das derzeit überarbeitet wird, soll künftig vorschreiben, dass die BKB «angemessene Vorkehrungen» trifft, um die Annahme von Schwarzgeld zu verhindern, heisst es im Entwurf. Die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog (SP) fordert das nun für alle Banken. Danach gefragt, ob sie dafür wäre, eine solche Verpflichtung auf Bundesebene einzuführen, antwortet sie schlicht: «Ja.»

Herzog spricht sich dafür aus, den automatischen Informationsaustausch von Bankdaten (AIA), der voraussichtlich 2017 mit ersten Ländern eingeführt wird, auf inländische Kunden auszudehnen. Sie schreibt: «Es wäre ein Widerspruch in sich und auch nicht im Interesse der Bekämpfung der Steuerhinterziehung, wenn die ausländischen Steuerbehörden Bankinformationen aus der Schweiz auf dem Weg des AIA erhalten würden, die ihnen die Schweizer Steuerbehörden liefern müssten, selber aber nicht verwerten dürften.»

Herzog erhält Rückendeckung aus der Branche. BLKB-Chef Oberlin sagt im Interview, er wäre ebenfalls für ein Schwarzgeldverbot. «Man muss das sauber regeln», argumentiert er. Oberlins Stimme ist durchaus relevant. Er vertritt die Kantonalbanken in der Interessengruppe der Inlandbanken und sass für sie in der Arbeitsgruppe von Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti.

Die meisten Schweizer Banken sind längst nicht so finanzministerfreundlich. Die Zürcher Kantonalbank richtet aus, die Verantwortung, den Deklarationspflichten nachzukommen, liege beim Bankkunden. Und UBS-Chef Sergio Ermotti sagte diese Woche an der Jahrespressekonferenz, man tue alles, um Geldwäscherei zu verhindern. «Aber da hört es auf.» Es sei die Verantwortung des Kunden, der Steuerpflicht nachzukommen. Ähnlich argumentierten die Banken vor ein paar Jahren auch noch im internationalen Geschäft. Aber das ist Geschichte.

Beantworten Sie dazu die Frage der Woche.
Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper