Es war wie ein Blick in die Vergangenheit, als diese Woche bekannt wurde, unter welchen Umständen im Juli ein UBS-Banker in Israel verhaftet wurde. R. E.* betreute in Zürich israelische Kunden, die ihr Geld «offshore» verwalten liessen. Zusammen mit seinem Vorgesetzten sei er nach Tel Aviv geflogen, um Kunden Dokumente zu überbringen, die sich diese nicht schicken lassen wollten. So wie man es jahrzehntelang mit deutschen, amerikanischen und französischen Schwarzgeldkunden getan hatte. Beim Treffen in einem Luxushotel wurde er von den Behörden gestellt. Und verhaftet. Mit sich führte er eine lange Liste mit Kundennamen.

Diese Liste hat nun der Staat. Und ein Problem haben die Kunden.

Für den Banker ist die Sache gelaufen. Kurz nach der Dienstreise wurde er 63 Jahre alt, heute ist er pensioniert. Unerfahren mit Israel war er nicht. Seit 2006 war R. E. bei der UBS tätig. Zuvor arbeitete er während mindestens zehn Jahren für die Schweizer Niederlassung der israelischen Bank Leumi in Zürich.

Als Einzelfall könnte man die Verhaftung von R. E. als halbwegs harmlos abtun, doch der Fall steht für den Druck, den Israel aufgebaut hat. Dabei geht das Land ähnlich vor wie zuvor andere. Über Öffentlichkeit will es Bürger, die ihre Steuern nicht bezahlen, dazu bringen, Schwarzgeld zu legalisieren.

Der starke Mann dahinter ist Moshe Asher, der seit gut eineinhalb Jahren die nationalen Steuerbehörden leitet. Er hat sich vorgenommen, die Einnahmen aus Privatvermögen zu erhöhen und zu diesem Zweck allein 2014 etwa 400 neue Beamte angestellt, wie die Zeitung «Ha’arez» berichtet. Seit dem 6. September läuft in Israel ein neues Programm, über das Schwarzgeld rückwirkend legalisiert werden kann. In diesem Zusammenhang sei wohl auch zu verstehen, dass gerade jetzt Details zum verhafteten UBS-Banker publiziert wurden, obwohl die Verhaftung schon im Juli geschehen war, sagt Marcel Widrig, Partner und Steuerberater bei PwC.

Auf 15 bis 17 Milliarden Franken schätzen die Israelis das im Ausland verwaltete Schwarzgeld ihrer Bürger. Ein Teil davon gehöre noch einer älteren Generation, sagt Widrig. «Da geht es wohl weniger um die Steuerhinterziehung als darum, einen Notgroschen in einem politisch stabilen Land zu haben.»

Betroffen sind alle grossen Banken. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Schweiz ein Offshore-Standort für jüdische und damit oft israelische Kunden. Ein Indiz dafür, dass diese Gelder meist unversteuert sind, ist auch, dass sich unter den Banken der Gruppe 1 im US-Steuerprogramm auch die Ableger der israelischen Banken Mizrahi, Leumi und Hapoalim befinden. Das Schweizer Geschäft von Leumi wurde von der Bank Bär gekauft und zuletzt auf 6 Milliarden Franken Kundengeld beziffert.

Der öffentliche Druck scheint zu funktionieren. Israelische Zeitungen berichten, dass Steuerberater erhöhten Zulauf hätten, seit es Gerüchte über beschlagnahmte Listen mit Bankkunden gebe. Zudem dokumentiert die Steuerbehörde teilweise detailliert – wenn auch anonymisiert –, was für Kunden ihr in die Fänge gegangen sind.

Dass Schweizer Banken dabei eine zentrale Rolle spielen, zeigt ein Auslandsbesuch Ashers: Im Oktober traf er sich in Zürich mit Bankenvertretern, wie mehrere Quellen berichten. Wohl war es der Zweck der Reise, den Banken einen Weg aufzuzeigen, wie sie sich ihrer Altlasten entledigen können.

Die grossen Schweizer Banken haben alle einen Fuss auch in Israel. Bereits 1997 wurde die UBS das erste ausländische Mitglied der Börse in Tel Aviv, heute beschäftigt sie in Israel 60 Leute. Die Credit Suisse ist seit 2007 im Land. Julius Bär und Credit Suisse sagen, sie seien in keine Untersuchungen in Israel involviert. Auch die UBS betont, sie sei nicht Ziel einer Untersuchung. Fraglich bleibt, ob das auch in Zukunft so sein wird. Zahlen zum Geschäft in Israel veröffentlicht keine der drei erwähnten Banken.

Das lokale Geschäft ist interessant. Israel habe eine starke Bio- und Hightech-Industrie mit vergleichsweise vielen Start-ups, sagt PwC-Partner Widrig. «Die grossen internationalen Banken haben ein Interesse, mit Israel zu kooperieren.»

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