Die König-Faysal-Moschee in Basel geriet durch die Handschlag-Affäre in Seenot. Dieses Bild verwendet Moschee-Verwalter Nabil Arab, um seine Lage zu erklären: «Stellen Sie sich vor, Sie treiben im Wasser, niemand hilft Ihnen. Da sehen Sie ein Stück Holz. Würden Sie zugreifen, oder lieber sterben?» Das Holzstück ist der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS). Die umstrittene Organisation bot dem Imam der Moschee – er ist der Vater der beiden Therwiler Sekschüler – an, ihn zu unterstützen. Der Imam griff zu. Der IZRS coachte die Jugendlichen und fädelte ein Interview ein. Arab kritisiert die Behörden: «Sie haben ihre Unterstützung nicht angeboten.»

Das Seenot-Bild gerät an seine Grenzen, wenn es auch die Vorgeschichte erklären soll. Denn der Imam zog IZRS-Vertreterin Janina Rashidi bereits zum Elterngespräch mit der Schulleitung bei. Das war vor der Medienhysterie. Arab ringt um eine Erklärung: «Der Imam ist auch nur ein Mensch, kein Engel.»

Der IZRS versuchte schon früher, in der Basler Moschee Einfluss zu nehmen. Sie ist für ihn interessant, weil sie ein grosses Besucheraufkommen aufweist. Sie richtet sich nicht an Mitglieder, sondern ist für alle Interessierten frei zugänglich. Finanziert wird sie von Arabern aus Genf mit engen Beziehungen zum saudischen Königreich. Die vielen Besucher sorgten vor drei Jahren für Anwohnerkonflikte. Der IZRS erfuhr davon und bot der Moschee schon damals seine Hilfe an. Beim ersten Versuch konnte diese die unerwünschte Einmischung noch abwenden.

Erschwert werden die Bemühungen der Moschee, sich von Extremisten abzugrenzen, durch die mangelnden Sprachkenntnisse des Imams: Er kann kaum Deutsch. Eine wichtige Rolle kommt deshalb seinem Übersetzer zu. Nachdem ein ägyptischer Ingenieur abgesprungen war, suchte der Moschee-Verwalter Ersatz.

Unterstützung bot ihm Spetim Dauti an, der in Mazedonien geboren wurde, in Basel Jus studierte und sich wie die Exponenten des IZRS erst Mitte zwanzig zum Islam bekannte. Arab griff zu. Doch Dauti ist eine umstrittene Figur: Erwähnt wird er in einer ETH-Studie über die Radikalisierung von Dschihadisten in der Schweiz. Darin wird er als Organisator von Koranverteilungsaktionen und Betreiber eines Online-Buchshops beschrieben. Auf seiner Website habe er «heftige salafistische Inhalte» verbreitet. Der Salafismus ist eine ultrakonservative Strömung des Islams. Mittlerweile ist die Website offline.

In der Studie von 2013 hiess es, dass das lose Netzwerk von Salafisten in keiner Moschee aktiv sei. Das hat sich nun geändert. Dauti hat eine eigene Agenda: Er versucht, die König-Faysal-Moschee vor der Öffentlichkeit abzuschirmen. Er schickt Journalisten weg, denen Arab die Tür geöffnet hat. Die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Moschee machen eine Einschätzung für Aussenstehende schwierig. Es ist nie ganz klar, ob die moderaten oder die fundamentalistischen Kräfte die Oberhand haben.

Arab sagt: «Die Übersetzung der Gebete dient auch dazu, den Journalisten und den Geheimdiensten die Arbeit zu erleichtern.» Bisher hat die Basler Regierung vom Nachrichtendienst keine Hinweise erhalten, dass gegen Exponenten der Moschee etwas strafrechtlich Relevantes vorliegt. Für Arab bleibt es ein Dauerkampf. Schon dreimal habe er Fanatiker rausgeschmissen.

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