Weatherford soll nicht die einzige Firma bleiben, die der Grünen Insel den Vorzug gibt. Die irische Standortförderungsagentur IDA (Industrial Development Agency) hat insbesondere auf die Schweiz ein Auge geworfen: «Die Schweiz ist ein Schlüsselmarkt für uns», sagt IDA-Sprecher Emmet Oliver. Grund dafür sei die lange Tradition von erfolgreichen Firmen aus der Finanz- sowie der Pharma-, Chemie- und Nahrungsmittelbranche hierzulande. «Einer Wirtschaftsgrösse wie der Schweiz widmet Irland deshalb Ressourcen und Zeit.»

Oliver betont die Vorteile Irlands: «Im Gegensatz zur Schweiz ist Irland Mitglied der EU und hat damit Zugang zur Eurozone. Das Land ist englischsprachig und hat starke Handelsstränge zu Grossbritannien und den USA. Das sind wichtige Faktoren.» Viele Firmen möchten laut Oliver auch in einem EU-Land präsent sein, um Wechselkursrisiken weniger ausgesetzt zu sein als in der Schweiz. Zudem seien in Irland, das sich auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung befindet, zurzeit viele gut geschulte Fachkräfte auf dem Markt.

Um weitere Konzerne anzulocken, rüstet die IDA, die weltweit mit 20 Büros vertreten ist, ihr Personal auf: «Heute arbeiten 254 Personen für uns, und in den kommenden Monaten kommen 35 neue Stellen hinzu», sagt Oliver. Die IDA hat laut eigenen Angaben aktuell «eine Handvoll Firmen» in der Schweiz an der Angel, mit denen man Gespräche über eine Übersiedelung verhandelt. Im Visier dürften auch Ableger sein von US-Grossfirmen wie Expedia, Ebay oder Electronic Arts.

Die IDA ist direkt dem irischen Departement für auswärtige Angelegenheiten angegliedert und einziger Ansprechpartner für umzugswillige Firmen. Dies macht das Verhandeln einfach. In der Schweiz hingegen gibt es unterschiedliche, regionale Standortförderungsorganisationen.

Peter Hegglin, Präsident der Finanzdirektorenkonferenz, betont denn auch die Wichtigkeit von steuerlichen Sonderregelungen, wie sie derzeit im Rahmen der Unternehmenssteuerreform III ausgehandelt werden. Zudem verweist er auf die Standortvorteile der Schweiz: die tiefe Verschuldung, wirtschaftliche Stabilität und Rechtssicherheit.

Laut Hegglin kann es daneben aber nicht messbare, negative Auswirkungen der jüngsten wirtschaftspolitischen Abstimmungen in der Schweiz geben: «Das muss nicht heissen, dass jetzt zig Firmen wegziehen, aber dass sie vielleicht statt in der Schweiz in Irland ausbauen.»

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