Am Freitag erteilten die Aktionäre des Rückversicherers Swiss Re dem Verwaltungsratspräsidenten Walter Kielholz eine schallende Ohrfeige: Lediglich 80,71 Prozent der versammelten Aktionärsstimmen billigten den Vergütungsbericht. Alle anderen Traktanden erzielten jeweils haushohe Zustimmung mit 98 und 99 Prozent.

Das Beispiel Swiss Re zeigt: In der anlaufenden Generalversammlungs-Saison sorgen die hohen Bezüge der Manager erneut für Widerstand in grossen Teilen des Aktionariats. Im Vorfeld der Swiss-Re-Generalversammlung hatten die Aktionärsvertreter wie die Stiftung Ethos und die Zuger Vermögensverwalter Z-Capital Ablehnung empfohlen. Bei nicht weniger als 19 Schweizer Unternehmen empfehlen sie, beim Vergütungsbericht auf die Nein-Taste zu drücken.

Doch es sind längst nicht nur Aktionärsvertreter, die gegen die hohen Managersaläre und komplexen Bonisysteme vorgehen. Wie «Der Sonntag» weiss, kommt die Kritik zunehmend auch von ganz unverdächtiger Seite. So hat die Fondsleitung der Credit Suisse entschieden, Stimmfreigabe zum Vergütungsbericht des eigenen Unternehmens, also der Credit Suisse, zu geben. Die Fondsleitung stellt sich damit mutig gegen den eigenen Verwaltungsrat.

Das sorgte intern zwar für einen Eklat, ist aber folgerichtig aus Sicht der CS-Fondsleitung. Denn sie ist einzig und allein dem Interesse des Aktionärs verpflichtet. Dabei spielt keine Rolle, ob der höchste Lohn (8,5 Millionen Franken) an Robert Shafir geht, dem Leiter der Division Asset Management, in dessen Einflussbereich die Fonds gehören.

Offenbar findet die Fondsleitung, dass den Aktionärsinteressen besser gedient ist bei niedrigen Löhnen, und empfiehlt für die Generalversammlung vom 27. April Stimmfreigabe. Die Fondsverwaltung der CS – bei der UBS ist es ähnlich – agiert komplett unabhängig und übt das Stimmrecht meist selber aus. Laut Branchenkennern kommt es dabei immer wieder vor, dass die Fondsleitungen nicht den Empfehlungen des Verwaltungsrates folgen oder sich der Stimme enthalten.

Bereits nächsten Donnerstag wird sich Nestlé-Präsident Peter Brabeck im Lausanner Palais de Beaulieu ebenfalls kritischen Aktionären stellen müssen. Er erhielt 2011 laut Berechnungen von Ethos eine Gesamtvergütung im Wert von 8 Millionen Franken. Ein Geschäftsleitungsmitglied bekam im Durchschnitt 3 Millionen Franken (ohne den CEO). Die Stiftung Ethos erachtet den Lohn des Präsidenten als deutlich zu hoch, sagt Sprecher Vinzenz Mathys. Es gebe jedoch auch Verbesserungen am Vergütungssystem. So erhält etwa Peter Brabeck seit 2011 keine Optionen mehr als Vergütung.

Den Lohn des Nestlé-Chefs kritisiert auch Gregor Greber, Chef von Z-Capital. Dieser sei «deutlich zu hoch». Gemäss der Z-Capital-Studie über gute Unternehmensführung von 2011 verdiente der Präsident eines SMI-Unternehmens im Durchschnitt 1,77 Millionen Franken.

Greber beschäftigt jedoch noch ein anderer Punkt. «Wir beobachten eine Tendenz der Vergrösserung einzelner Verwaltungsräte», sagt er und verweist auf entsprechende Zahlen: Die Durchschnittsgrösse der Verwaltungsräte der 20 Schweizer SMI-Unternehmen ist zwischen 2009 und 2011 von 10,3 auf 11 Mitglieder gestiegen. Auch bei diesem Punkt prasselt Kritik auf die Credit Suisse nieder: Die Bank will an der Generalversammlung den Verwaltungsrat von 14 auf 15 Mitglieder aufstocken. Greber lehnt das ab und empfiehlt, den Ex-Spitzenbeamten Jean-Daniel Gerber und die Schweizer Harvard-Professorin Iris Bohnet nicht in den Verwaltungsrat zu wählen, obwohl sie valable Mitglieder wären.

Die optimale Verwaltungsratsgrösse liegt laut Greber bei neun Personen. Bei komplexen Grosskonzernen sei eine Grösse von zwölf Mitgliedern das Maximum. «Gerade die Vergangenheit hat bewiesen, dass Qualität nicht mit Quantität verwechselt werden sollte», sagt er. Die Credit Suisse sei beispielsweise 1999 im Hype um die Allfinanz-Strategie durch einen Verwaltungsrat mit 20 Mitgliedern geleitet worden, der von zwei Advisory Boards mit insgesamt 33 Personen beraten wurde. «Dieses Gremium hatte mit der gescheiterten Allfinanz-Strategie die Bank an den Rand des Abgrunds geführt.»

Die genannten Gründe für die Vergrösserung der Verwaltungsräte – etwa komplexe Geschäftsfelder oder regulatorische Anforderungen – seien «nicht wirklich überzeugend». Z-Capital votiert deshalb auch gegen die Wahl von Axa-Chef Henri de Castries in den Nestlé-Verwaltungsrat, denn das Gremium sei mit 14 Personen zu gross. In dieser Grösse lässt sich laut Greber «ein Verwaltungsrat fast nur noch als Informationsgremium führen»: «Einzelne Mitglieder können sich aufgrund der Grösse kaum kritisch einbringen.» Ethos stimmt für de Castries, auch wenn der Nestlé-Verwaltungsrat eigentlich eher zu gross sei.

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